Start-ups - das alternative Investment

Start-ups - das alternative Investment

Oliver Holle öffnet die Tür zwischen Start-ups und Investoren.

Mit seinem neuen Risikokapital-Fonds "Speedinvest 2" wollte Oliver Holle 30 Millionen Euro für die Finanzierung von Start-ups aufstellen - dann wurden es knapp 60 Millionen. Das zeigt, dass die Zeit nun reif ist für Investments in junge, kreative Unternehmen - dabei sollte aber stets das Risiko im Auge behalten werden.

Die Zinsen sind am Boden, Immobilien sind überteuert und Aktienmärkte extrem volatil – viele reiche Europäer wissen derzeit nicht, wo sie ihr Geld am besten investieren sollen. Zugleich fehlt es jungen, innovativen Gründern – den Start-ups – an ausreichend Kapital, um richtig wachsen zu können. Venture-Capital-Fonds helfen hier, die Brücke zu schlagen; sie führen das Geld der Investoren zu den jungen Wilden – als sogenanntes „Risikokapital“, das potenziell hohe Erträge abwirft, im schlimmsten Fall aber komplett weg ist, wenn die zuvor erfolgversprechende Geschäftsidee doch den Bach runter geht.

In Österreich ist die Venture-Capital-Szene noch extrem klein; 4 Millionen Euro flossen 2013 von privaten Geldgebern in die Start-ups. „Im internationalen Vergleich liegen wir somit irgendwo zwischen Ukraine und Rumänien“, sagt Oliver Holle, Gründer von Speedinvest. Seit 2011 hat Holle zehn Millionen Euro in Start-ups aus der Region investiert; nun geht er mit einem neuen VC-Fonds in die zweite Runde: Mit dem Venture-Capital-Fonds "Speedinvest 2“ konnten in nur fünf Monaten über 90 Investoren und die staatliche Förderbank Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (AWS) überzeugt werden, gemeinsam einen Fonds in Höhe von 58 Millionen Euro zu schaffen. Von der AWS kommen dabei sieben Millionen Euro, der Rest aus privaten Quellen – was Holle wohl selbst überrascht haben dürfte: Als Ziel hatte er eine Fonds-Größe von 25 bis 30 Millionen Euro angepeilt.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Doch warum wurden die Erwartungen so massiv übertroffen? „Die volkswirtschaftliche Lage schaffte eine Grundstimmung, doch die allein ist nicht ausschlaggebend“, sagt Business Angel Johann Hansmann gegenüber Format.at. Denn die Zinsen waren schon vor drei Jahren niedrig; doch damals wollte kaum jemand sein Geld in Entrepreneurship investieren – vielmehr ist es laut Hansmann nun so, dass man das richtige Produkt zur richtigen Zeit am richtigen Markt hat. Gemeinsam mit Holle hat Hansmann nach Investoren für den Fonds gesucht und hatte nach Eigenangabe eine Erfolsquote von 80 Prozent. Mindestens 300.000 Euro muss man locker machen, wenn man partizipieren möchte; der größte Geldgeber hat zehn Millionen Euro investiert, möchte aber ungenannt bleiben.

Von der „richtigen Zeit“ für einen derartigen Fonds kann gesprochen werden, weil Start-ups allmählich ihren Exotenstatus verlieren und salonfähig werden; das beweisen etwa Erfolgsgeschichten wie das oberösterreichische Start-up Runtastic. Und Events wie das jährlich stattfindende „Pioneers“-Festival locken Gründer aus der ganzen Welt in die feudale Welt der Hofburg. Pioneers-Chef Andreas Tschas gab heute die Eröffnung eines neuen Gemeinschaftsbüros in unmittelbarer Nähe der TU Wien bekannt; am gleichen Tag startet mit www.wemakeit.com eine neue Crowdfunding-Plattform, ergänzend zu den bereits bestehenden Crowdinvesting-Plattformen conda.at und 1000x1000.at.

Vom „richtigen Ort“ ist die Rede, weil die Beteiligung an österreichischen oder osteuropäischen Unternehmen deutlich günstiger ist als in Berlin, London oder gar Silicon Valley, wo der Markt stark überhitzt ist – und genau diesen Vorteil will Speedinvest nutzen: Vier Start-ups hat der neue Fonds als Investitionsziele im Visier, davon zwei in Österreich, eins in Ungarn und eins in Estland. Im Schnitt sollen 500.000 Euro je Start-up investiert werden; für große Fische in der späten Phase sind aber auch Investments in Höhe von drei Millionen Euro möglich.

Bevor dies möglich ist, muss sich der Fonds allerdings zuerst als „Europäischen Risikokapitalfonds“ registrieren; dies sollte in den kommenden Wochen geschehen. „Die Kooperation mit der FMA läuft in dieser Hinsicht bestens“, sagt Holle.

Risiko vs. ROI

Angesprochen auf einen möglichen Return-on-Investment gibt sich Holle eher vorsichtig – denn Versprechungen kann er freilich nicht machen, zumal es sich bei Start-ups um Unternehmen mit neuen, ausgefallenen Geschäftsideen handelt, die am Markt ebenso reüssieren wie auch scheitern können. Der erste Speedinvest-Fonds investierte in 21 Start-ups; davon wurden drei bisher erfolgreich an größere Käufer mit Gewinn übergeben, ein weiteres folgt in Kürze, eines ging pleite – wenn jetzt noch drei bis vier große Erfolge und keine Verluste entstehen, dann hat sich das Investment des Fonds in Summe nach zehn Jahren fast vervierfacht, heißt es aus internen Kreisen gegenüber format.at. Der neue Fonds hat nun den Vorteil, dass er sechs Mal so groß ist wie sein Vorgänger und das Risiko entsprechend gestreut werden kann.

Trotzdem sollte man vorsichtig dabei sein, im Start-up-Geschäft aus historischen Daten Rückschlüsse auf die Zukunft zu ziehen. Denn das Blatt kann sich schnell wenden. Daher sollten nur jene Menschen Gründern ihr Risikokapital zur Verfügung stellen, die auf das Geld nicht angewiesen sind und einen potenziellen Verlust verkraften können. Im Gegenzug bekommen sie die Chance auf einen guten ROI – und Zugang zu einer Szene voll frischer Ideen, qualifizierter Mitarbeiter und spritziger Partys.

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