Spenden mit 600 Millionen Euro neuerlich auf Rekordniveau

112 Euro spenden die Österreicher im Schnitt, am liebsten für Kinder, Tiere, in den vergangenen Wochen aber auch verstärkt für die Flüchtlinge. Das Spendenaufkommen wird heuer mit 600 Millionen Euro ein neues Rekordniveau erreichen. Ein Sechstel der Gelder kommt von Unternehmen.

Spenden mit 600 Millionen Euro neuerlich auf Rekordniveau

Flüchtlinge im steirischen Spielfeld: Bis Anfang November spendeten die Österreich rund 12 Millionen Euro für Flüchtlinge, die Summe dürfte in den kommenden Wochen weiter ansteigen.

Ob für die Opfer einer Erdbeben-Katastrophe, Obdachlose oder Flüchtlinge: 64 Prozent der Österreicher haben heuer Geld für einen guten Zweck gespendet. Laut Spendenbericht 2015 kamen insgesamt 600 Millionen Euro zusammen - ein Rekordniveau.

Das Spendenaufkommen des Vorjahrs (570 Millionen Euro) wird damit um fünf Prozent übertroffen. Zu dem positiven Gesamtergebnis habe unter anderem die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden beigetragen, sagt Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands. Seit der Einführung der Absetzbarkeit im Jahr 2009 ist das Spendenaufkommen um 240 Millionen Euro gestiegen.

Viel ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge

Auch die Notwendigkeit, etwas für Flüchtlinge zu tun, habe das Spendenaufkommen erhöht. Für die Flüchtlingshilfe wurden in den vergangenen Wochen zwölf Millionen Euro gespendet, in den nächsten Wochen werde dieser Wert noch deutlich steigen, erwartet Lutschinger.

Bemerkenswert ist für Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe, vor allem das ehrenamtliche Engagement, dass sich in den vergangenen Monaten durch die Flüchtlingssituation gezeigt habe. "Die Zivilgesellschaft lebt, sie ist aktiver als in den vergangenen Jahren", sagte Fenninger.

Nicht nur das Spendenaufkommen, sondern auch die Anzahl der Spender ist gestiegen. 64 Prozent der Österreicher haben im Jahr 2015 gespendet. Rund 46 Prozent engagieren sich ehrenamtlich. Vor allem die Freiwilligentätigkeit im informellen Bereich gewinne im Zuge der Flüchtlingshilfe an Bedeutung, sagte Bernhard Hofer vom Umfrageinstitut Public Opinion.

Kinder, Tiere und Katastrophen

Am liebsten unterstützen die Österreicher Kinder, Tiere und die Katastrophenhilfe im Inland. An vierter Stelle steht 2015 erstmals die Obdachlosenhilfe. Die beliebteste Art zu spenden ist nach wie vor der Erlagschein (26 Prozent). Bereits 20 Prozent geben Bettlern Geld. Im Bereich der Sachspenden ist die Altkleidersammlung der größte Bereich (37 Prozent).

Im Bundeslandvergleich spenden die Westösterreicher am meisten. An der Spitze stehen die Oberösterreicher mit durchschnittlich 154 Euro pro Spende. Bei der Spendenbeteiligung liegen hingegen Wien, Niederösterreich und das Burgenland vorne, in denen sieben von zehn Menschen spenden. Bundesweit liegt die durchschnittliche Spende bei 112 Euro. Schlusslichter bei der Spendenbeteiligung und -höhe sind die Steiermark und Kärnten.

Europaweit ist das Spendenaufkommen in Österreich mit 70 Euro pro Einwohner deutlich hinter dem Spitzenreiter Großbritannien, wo 314 Euro pro Kopf gespendet werden. "Österreich ist traditionell ein Land der Kleinspenden mit hoher Beteiligung, aber leider einer geringen Beteiligung der Vermögenden", sagte Lutschinger.

Das neue Gemeinnützigkeitsgesetz werde die Rahmenbedingungen für den gemeinnützigen Sektor deutlich verbessern. "Durch dieses Gesetz wird ein Hebel in Bewegung gesetzt, den wir mit etwa 150 Millionen Euro berechnet haben", sagte Lutschinger. Nachbesserungsbedarf sieht der Fundraising Verband aber im Bereich der Spendenabsetzbarkeit. Auch für Tierschutzorganisationen und Bildungseinrichtungen müsse die Spendenabsetzbarkeit gelten, forderte Lutschinger.