Social Business: Großes Potential für Österreichs Wirtschaft

Social Business: Großes Potential für Österreichs Wirtschaft

Tayeb aus Algerien arbeitet im Magdas Hotel in Wien, einem Social Business der Caritas.

Money and meaning: Unternehmen mit sozialen Zielsetzungen, sogenannte Social Businesses, haben ein enormes wirtschaftliches Potential. Bis 2025 soll sich die Zahl der Social Business Companies in Österreich verdoppeln.

Flüchtlinge, die ein Hotel betreiben. Ex-Häftlinge, die Longboards aus alten Snowboards bauen. Oder ein Unternehmen, dass ein kostengünstiges Tool für Wasserdesinfektion vertreibt. Sie alle sind Beispiele für Social Businesses: Unternehmen, die vorrangig ein soziales Ziel verfolgen. Wirtschaftliche Ziele sind nachgeordnet, das Erzielen von Markteinkünften ist aber Pflicht. In die Definition fallen sowohl kleine Start-ups als auch etablierte Nonprofit Organisationen (NPO) wie die Caritas, Rotes Kreuz oder Diakonie.

Österreichweit gibt es zwischen 1.200 und 2.000 dieser Unternehmen mit rund 80-90.000 Beschäftigten. Dies geht aus der aktuellen Studie "Das Potential von Social Business in Österreich" hervor, die von der Wirtschaftsuniversität Wien im Auftrag des Austria Wirtschaftsservice erstellt wurde. Erstmals in Österreich wurde in eine Studie versucht, valide Daten über diesen Wirtschaftsbereich zu erheben. In Social Business steckt großes Potential: Unternehmen dieser Art würden nicht nur einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung, sondern auch zur wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes leisten, heißt es in der Studie.

Social Businesses können nicht alle Probleme lösen

"Es gibt nur ganz wenige Bereiche, die in den nächsten Jahren eine ähnliche Wachstumsdynamik entwickeln werden", sagt Michael Meyer, Leiter des Instituts für Nonprofit Management an der WU Wien, der die Studie mit seinem Team erarbeitet hat. Jedes Jahr sollen rund 160 neue Betriebe dieser Art entstehen, in den kommenden zehn Jahren soll sich die Zahl der Social Businesses in Österreich sogar verdoppeln. Auch eine Verdoppelung der derzeit 80-90.000 Beschäftigten in diesem Bereich hält Meyer für "durchaus realistisch". Allerdings können laut dem Wirtschaftsforscher Social Businesses nicht alle sozialen Probleme in Österreich lösen. "Sie können auch nicht den Staat ersetzen und nicht die sozialen Aufgaben der normalen Unternehmen übernehmen", so Meyer.


"Es gibt nur ganz wenige Bereiche, die in den nächsten Jahren eine ähnliche Wachstumsdynamik entwickeln werden", Michael Meyer, Wirtschaftsuniversität Wien.

Fehlende Rechtsform, mangelnde Finanzierung

Die Größe und Wertschöpfung dieser Unternehmen variiert beträchtlich. Es gibt kleine, junge Betriebe mit wenigen Mitarbeitern und Umsätzen von rund 30.000 Euro pro Jahr bis hin zu etablierten Unternehmen mit über 140 Beschäftigten und Jahresumsätzen von über sechs Millionen Euro. Konkrete Daten liegen den Studienautoren für rund 200 Organisationen vor: Sie erwirtschaften mit über 16.000 Mitarbeitern einen jährlichen Umsatz von knapp 700 Millionen Euro. Wohlgemerkt zählt hier der allergrößte Teil zu den etablierten Akteuren der sozialen Unternehmen.

Michael Meyer, Leiter des Institus für Nonprofit Management an der WU Wien: In Social Business steckt großes Potential.

Eine Art Vorzeigecharakter hat das Magdas Hotel im zweiten Bezirk: 20 Flüchtlinge arbeiten dort an der Rezeption, in der Küche oder als Zimmermädchen. Über das Hotel, das im Frühjahr eröffnet hat, berichteten Medien von den USA bis Japan. "Ein bis zwei Hotels rufen jede Woche an und fragen, wie wir das machen", sagt Magdas-Geschäftsführerin Gabriela Sonnleitner. Es sei oft eine Herausforderung, da man gleichzeitig ein Sozialprojekt betreut, dieses aber auch wirtschaftlich führen soll. Die Auslastung ist gut, im September lag sie bei 76 Prozent. Doch das reicht noch nicht zur Deckung der Kosten. Bereits im kommenden Jahr will Sonnleitner mit dem Hotel eine schwarze Null schreiben.

Während es in Großbritannien und Italien eigene Rechtsformen für soziale Unternehmen gibt, fehlt dieser institutionelle Rahmen für Deutschland oder Österreich. Ohne eigene Rechtsform dürfen NPOs (Nonprofit Organisationen) keinen Gewinn ausschütten. Private Investoren sind daher oft wenig interessiert. Daneben mangelt es an ausreichenden Finanzierungsangeboten. Vor allem junge Social Businesses, beziehungsweise Start-ups haben zu Beginn einen erhöhten Bedarf an Fördergeldern. Zudem besteht gerade am Anfang ein erhöhtes Insolvenzrisiko.

In der Zukunft werden Social Businesses eine zunehmend wichtigere Rolle für Gesellschaft und Wirtschaft spielen. Die Europäische Kommission schätzt, dass circa jede vierte Neugründung in Europa ein Social Business ist.

Österreichs Lehrer verbringen nur wenig Zeit mit Unterrichten

Österreich

Österreichs Lehrer verbringen nur wenig Zeit mit Unterrichten

Wirtschaft

Rewe will 30 Zielpunkt-Filialen übernehmen

Wirtschaft

Mateschitz und Benko checken bei Checkrobin ein

Wirtschaft

OMV-Chef Seele in großer Not: Ölpreis weiterhin auf Talfahrt