Refugees welcome! Österreichs Unternehmen wollen Flüchtlingen Arbeit geben

Österreichs Manager machen sich dafür stark, Asylwerber schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dabei scheitern sie jedoch oft an gesetzlichen und bürokratischen Hürden.

Refugees welcome! Österreichs Unternehmen wollen Flüchtlingen Arbeit geben

Arbeitsrecht für Asylwerber - vom ersten Tag an.“ Mit dieser Forderung ist EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Mittwoch vor das EU-Parlament getreten. Die Flüchtlingskrise habe oberste Priorität, so Juncker weiter und: "Es geht nicht um Rhetorik, sondern um Taten.“

Juncker schlägt damit in eine Kerbe, in die jüngst auch Daimler-Chef Dieter Zetsche schlug, als er erklärte, gezielt in Asylunterkünften nach Arbeitskräften suchen zu wollen.

Viele österreichische Betriebe sind da bereits einen entscheidenden Schritt weiter, wie ein Rundruf von FORMAT zeigt. Die CEOs der großen heimischen Unternehmen wollen Flüchtlinge nicht nur in ihren Betrieben beschäftigen, sie tun das zum Teil bereits seit Langem und haben etwa jungen Asylwerbern mit Lehrstellen neue Chancen eröffnet.

Der gute Willen der Unternehmer wird jedoch immer wieder durch bürokratische Hürden gebremst. So haben etwa nur anerkannte Flüchtlinge freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Für Asylwerber, deren Antrag auf Anerkennung des offiziellen Flüchtling-Status noch läuft (darunter fallen auch nahezu alle, die im Zuge der aktuellen Flüchtlingswelle nach Österreich gekommen sind), gelten hingegen starke Einschränkungen. Klassische Arbeitnehmerverhältnisse bleiben ihnen verwehrt. Sie dürfen frühestens nach drei Monaten als Selbstständige oder Saisonarbeiter arbeiten oder gemeinnützige Tätigkeiten durchführen, für die sie einen kleinen Anerkennungsbeitrag bekommen.

Nur wer jünger als 25 Jahre ist, kann eine Lehre beginnen - aber auch nur in Berufsgruppen, in denen es einen Mangel an inländischen Lehrlingen gibt. Solche bürokratischen Hürden machen es den Unternehmen nicht leicht, positive Beiträge zur Flüchtlingskrise zu leisten. "Die Bürokratie ist sehr hinderlich“, merkt etwa Peter Mitterbauer, langjähriger Präsident der Industriellenvereinigung (IV) und früher Chef des Automobilzulieferers Miba, an, "wir müssen den Syrern in Österreich Sinn im Leben geben und Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen.“

Risikofaktor Abschiebung

Unisono rufen die von FORMAT befragten Firmenchefs die Politik dazu auf, rasch zu handeln und die für Flüchtlinge bestehenden Hürden am Arbeitsmarkt auszuräumen. "Ich hoffe, dass wir bald zu einer Lösung kommen und den Menschen neue Perspektiven geben können“, sagt Porr-CEO Karl-Heinz Strauss. Dazu gehören auch Regeln, die den Unternehmen mehr Planungssicherheit geben. Kritisiert wird etwa, dass Asylwerber während Lehrausbildungen nicht vor Abschiebungen sicher sind und dass sie nach Abschluss einer Lehre nicht weiter beschäftigt werden dürfen, wenn das Asylverfahren noch läuft.

Seitens der Politik gab es bisher jedoch ein striktes Nein zur Öffnung des Arbeitsmarkts für Asylwerber. Seit Junckers Forderung nach einem Arbeitsrecht für Asylwerber schlägt jedoch auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer andere Töne an. Er stehe Junckers Vorschlag "offen gegenüber“ heißt es nun, man werde das Thema beim nächsten Rat der Arbeits- und Sozialminister am 5. Oktober diskutieren.

Vorschläge zur Integration

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer, hätte indessen bereits konkrete Vorstellungen zur Integration von Flüchtlingen: "Wir sprechen uns dafür aus, dass Asylwerber nach sechs Monaten eine befristete Beschäftigungsbewilligung für zwölf Monate bekommen“, sagt er. Damit könnte nach Abschluss der Lehre die Zeit bis zum Erhalt des positiven Asylbescheids überbrückt werden. Asylwerber, die älter als 25 Jahre sind, hätten außerdem ein Einkommen, von dem sie auch leben können. Aktuell bekommen die im Asylquartier lebenden bloß ein Taschengeld von 40 Euro pro Monat.

Um nicht in Konflikt mit den Interessen inländischer Arbeitnehmer zu kommen, könnte es Beschäftigungsbewilligungen ähnlich wie bei den Lehrlingen nur für Berufe geben, in denen ein Mangel an Arbeitskräften herrscht. Und wer während einer Lehrausbildung einen negativen Asylbescheid bekommt, sollte zumindest die Chance bekommen, die begonnene Lehre abzuschließen. Außerdem spricht sich die IV dafür aus, die Qualifikationen der Asylwerber schon während des Asylverfahrens zu ermitteln, damit sie dementsprechend am Arbeitsmarkt eingesetzt werden können. Wenn so Jobs in Mangelberufen mit motivierten Mitarbeitern besetzt würden, dann helfe das den Unternehmen ebenso wie der Gesellschaft.

Auch an anderer Stelle werden die Unternehmen in ihrer Hilfsbereitschaft gebremst. So hat etwa die IV ihre Mitglieder aufgefordert, leerstehende Gebäude zu melden und als Flüchtlingsquartiere anzubieten. Diesem Aufruf kamen viele Unternehmen nach. Sie wurden dann jedoch von einer Welle der Bürokratie überrollt. Offiziell weil die Häuser gewisse Bestimmungen nicht im Detail erfüllt hätten. Hier wünscht sich Neumayer mehr Flexibilität: "Wenn ein Unternehmen helfen will, dann sollte dies ihm auch ermöglicht werden“.

Das sagen die CEOs

Frank Hensel

Vorstandsvorsitzender REWE International AG

Karl-Heinz Strauss

CEO der PORR AG

Sabine Herlitschka

Vorstandsvorsitzende Infineon Technologies Austria AG

Günther Apfalter

Präsident Magna Steyr und Magna Europe

Gerhard Drexel

Vorstandsvorsitzender SPAR Österreich

Thomas Fahnemann

CEO Semperit

Petra Mathi-Kogelnik

dm Geschäftsührerin (HR)

Andreas Gerstenmayer

CEO AT&S

Attila Doğudan

CEO Do & Co

In den vergangenen zwei Geschäftsjahren ist die Mitarbeiterzahl von Do & Co von 5.600 auf 8.600 gestiegen. Das stetig wachsende Unternehmen wäre somit auch ein potenzieller Arbeitgeber für Flüchtlinge. Firmenchef Attila Dogudan sagt dazu: "Grundsätzlich ist Flucht ein tragisches Schicksal, und wir alle sind verpflichtet, zu helfen. Je schneller diese Menschen integriert sind und arbeiten dürfen, desto besser ist es für alle. Wir als internationaler Gourmet-Konzern würden sofort Arbeitskräfte einstellen. Der Gesetzgeber sollte rasch die dafür notwendigen rechtlichen Vorraussetzungen schaffen. Sehr viele Flüchtlinge sind gut ausgebildet, die meisten jedenfalls hoch motiviert und wollen dem Land danken, dass es sie aufgenommen hat. Die Gastronomie leidet chronisch unter Arbeitskräftemangel. Ich bin überzeugt, dass viele hier eine passende Arbeit finden können.“

Erich Steinreiber

CEO ISS Facility Services Österreich

Thomas Birtel

Vorstandsvorsitzender Strabag

Ralf Mittermayr

Mitglied des Vorstands, CMO Saubermacher