Rapid Wien landet mit "InvesTor" ersten Treffer mit Crowdfunding

Genau 24 Stunden nachdem das Präsidium von Rapid Wien seine Crowdfunding-Initiative bekanntgegeben hat, deutet sich eine große Nachfrage seitens der Geldgeber an. Die Fundinglimits sind bereits überboten. Und das Geldausleihen mit dem neuen Finanzierungsmodell Crowdfunding ist fürs Erste geglückt. Mehr als 330 Geldgeber hat Rapid Wien bereits gewonnen.

Rapid Wien landet mit "InvesTor" ersten Treffer mit Crowdfunding
Rapid Wien landet mit "InvesTor" ersten Treffer mit Crowdfunding

1-0 für Rapids InvesTor beim Crowdfunding: Das Finanzierungslimit für die Crowd-Finanzierung wurde bereits nach 24 Stunden geknackt.

Im Fußballjargon würde man sagen: Rapid Wien spielt eine Steilvorlage zu seinen Fans. Und diese spielen den Ball wieder gekonnt zurück. Doch hier geht's nicht in erster Linie um die Ballesterei, sondern ums Geld. Soll heißen: Der Wiener Traditionsklub Rapid Wien ist dabei, auch bei der Finanzierung seiner Vorhaben abseits des grünen Rasens erfolgreich zu sein. Und sich mit neuen Finanzierungsformen neu aufzustellen.

Exakt 24 Stunden nach dem offiziellen Start der Crowdfunding-Initiative kann sich Rapid Wien über einen Geldregen freuen: 380.600 € waren bereits mit Crowdfunding lukriert. 206 Investoren hatten bereits das Investitionsprodukt "InvesTor" ein Tag nach dem Start gezeichnet (Stand: 24.11.18 Uhr). Am Mittwochmorgen, 38 Stunden nach der Präsentation des Anlageofferts, hatten 293 Personen das Investment gezeichnet. Aktueller Stand der gesamten Investitionssumme gegen 14 Uhr: 605.100 € von 330 Geldgebern - sind das im Schnitt 1833 € pro Kopf. In den ersten 36 Stunden betrug das Investment pro Kopf noch rund 2000 €.

Am Montagabend erfolgte der Anpfiff zur Crowdfunding-Initiative, wie FORMAT.at bereits berichtet hat. Und die Investoren, darunter vermutlich in erster Linie Fans, spielen in dem Finanzierungsmatch offenbar munter mit. "Wir sind alle sehr positiv überrascht", teilte die Pressestelle von SK Rapid Wien Dienstagnacht mit.

Sollte das Interesse der Crowd-Investoren im selben Tempo weiter gehen, könnte der Gesamtbetrag aller drei Tranchen in der Höhe von maximal drei Millionen Euro bereits Anfang kommender Woche überzeichnet sein. Ein Erhöhung der Gesamtsumme hatte das Rapid-Management am Montagabend ausgeschlossen.

Der Zug zum Geld der Investoren

Alle drei Tranchen zu der jeweils maximalen gesamten Investitionssumme von einer Million haben bereits das Fundinglimit von jeweils mindestens 50.000 € übersprungen, was überhaupt die Voraussetzung für den Erfolg der Crowdfinanzierung ist. Die drei Tranchen unterscheiden sich bei Laufzeiten und Basisverzinsung. Für fünf, sieben oder neun Jahre können Crowdinvestoren ihr Geld dem Traditionsklub ausleihen. Die Produkte heißen daher er auch Rapid InvesTOR 5, 7 oder 9. Der Mindestbetrag beläuft sich auf 100 €. Rechtlich gesehen geben die Geldgeber der SK Rapid GmbH ein nachrangiges Darlehen gegen eine jährliche Zinszahlung und Rückzahlung des Gesamtbetrages nach Ablauf der Laufzeit.

Zwischen zwei und drei Prozent Zinsen zahlt Rapid einmal pro Jahr an seine Geldgeber aus. Bei internationalem Erfolg, wie derzeit in der Europa League, erhöht sich der Zins für die Geldgeber um weitere Bonuszahlungen. Über fünf Prozent jährliche Ausschüttung sind somit sogar möglich. Voraussetzung für die Zinszahlung ist freilich ein Gewinn und ein positives Eigenkapital. Fällt der Gewinn aus, soll die Zinszahlung in wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten später nachgeholt werden, sagt Rapid-Finanzchef Martin Bruckner.

Bis zum 1.6.2016 können Geldgeber noch ihre Angebote über die Crowdfunding-Internetplattform Conda deponieren. Über die Website https://skrapid.conda.at können sich Anleger registrieren, erhalten dort nähere Details zu den drei Produkten und zum weiteren Prozedere.

Inoffiziell ist Rapid Wien angeblich weltweit der erste Fußball-Klub der Crowdfunding als Alternative zu bisher üblichen Finanzierungsformen wie Kreditaufnahme, Kapitalaufnahme per Börsengang oder Begebung einer Anleihe nutzt.

Alles fürs neue Stadion

Das Ziel der Crowdfunding-Initiative: Rapid Wien will insgesamt in drei Tranchen insgesamt drei Millionen Euro einsammeln. Das Geld soll ausschließlich neben Bankkrediten und Förderungen der Gemeinde Wien für die Finanzierung des neuen Stadions finanziert werden. Einen Millionenbetrag Teil steuert auch Großsponsor Allianz bei. Das neue Stadion an der Stätte des früheren Gerhard-Hanappi-Stadion soll Mitte Juli 2016 eröffnet werden und wird "Allianz Stadion" heißen. "Wir wollen die Rapid-Fancommunity mit an Bord nehmen", sagt Rapid-Präsident Michael Krammer. "Statt einer Bank, zahlen wird das Geld lieber unseren Fans."

Das Modell des neuen Stadions: Rapid-Präsident Michael Krammer (Mitte) bei der Präsentation im Oktober 2014.

Ganz ohne Risiko ist das Investment nicht. Sollte die Anfang November 2015 gegründete SK Rapid GmbH Pleite gehen, droht den Geldgeber des Crowdfunding-Finanzierung der Totalverlust. Sie hätten im Konkursfall mit ihrem nachrangigen Darlehen wenig Chancen ihr Geld wieder zurück zu bekommen, weil zuvor andere Gläubiger zum Zug kämen. Auch die regelmäßigen jährlichen Zinszahlungen erfolgen nur bei Gewinn und positivem Eigenkapital.

Die Risikowarnung

Im Kapitalmarktprospekt, der von Rapid bei der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) hinterlegt werden musste und dort angefordert werden kann (Kosten: 10 Euro), hat der Wirtschaftsprüfer Confirm aus Leonding die Lage des Unternehmens SK Rapid GmbH und das Risiko des Investments bewertet und beurteilt. Confirm bestätigt eine Eigenmittelquote von lediglich 4,38 Proeznt sowie eine "nicht errechenbare Schuldentilgungsdauer" (§ 24 URG). Ebenso seien laut Wirtschaftsprüfer "die Voraussetzungen für die Vermutung eines Reorganisationsbedarfs" im Sinne des Unternehmensreorganisationsgesetzes zum 30. Juli 2015 gegeben gewesen.

Die Emittentin, also Rapid, sei dennoch der Meinung, insbesondere aufgrund potenzieller zukünftiger Erträge, die in Zusammenhang mit dem Allianz-Stadion generiert werden können, über einen soliden Business Case zu verfügen.

Damit sich das einstige Desaster rund um die ehemalige Rapid-Finanz AG Anfang der 1990er Jahre nicht wiederholt, hat sich der Wiener Traditionsklub eigenem Bekunden nach intensiv auf die Zukunft vorbereitet. Mit einem derartigen Bauchfleck rechnet im Management bei Rapid Wien freilich in der Euphorie der jüngsten Erfolge keiner . "Wir haben einen stabilen Business Case, wir sind da sehr sorgfältig vorgegangen", bekräftigt Finanz-Referent Finanzreferent Martin Bruckner.

Die Überwindung eines Traumas

Ältere Semestern der Fans von Rapid Wien erinnern man nur ungern zurück an den Bauchfleck mit der einst börsennotierten Rapid Finanz-AG. Im Spätsommer 1991 wurde der Arbeiterklub Kapitalgesellschaft. Nur drei Jahre nach dem Börsengang der Rapid Finanz-AG - die Aktie wurde zu 1100 Schilling zur Erstnotiz gehandelt - hatten sich die Macher finanziell verdribbelt. Eines vorab: Der einstige Börsenbulle Mike Lielacher, der über seine Vindobona-Bank die Emission eingeleitet hatte, um das neue Kapital einzusammeln ist nicht mehr an Bord.

Im April 1994 musste die Rapid-Finanz AG, reich an Skandalen ums Management und konkursreif nach einem Ausgleich liquidiert werden. An der Börse waren die Rapid-Papiere nur noch 354 Schilling vor der letzten Kurssetzung wert. 50 Millionen Schilling Verbindlichkeiten standen bei der Pleite in den Büchern. Aufgefangen wurde Rapid Wien einst von der Bank Austria, die somit aktiv ins Fußballgeschäft eingestiegen war - und Schulden und Verein gerettet hatte.

Ein neuerlicher Börsengang ist zumindest "derzeit nicht geplant", wie Rapid-Präsident Michael Krammer am Montag meinte. Mit der Gründung der SK Rapid GmbH wurde zwar abermals eine Kapitalgesellschaft gegründet, unter deren Dach die Profi-Fußballabteilung samt Stadionprojekt bespielt wird. Zu finanziellen Abenteuern will sich Krammer freilich nicht hinreißen lassen. Und außerdem meint Krammer: "Wir stehen für Transparenz, Rapid war noch nie so transparent wie heute, wir geben mit der Präsentation der Ergebnis mehr bekannt, als wir tun müssten und wollen auch andere Vereine zur Nachahmung animieren."