Österreichs KMU: Unternehmen im Blindflug

Österreichs KMU: Unternehmen im Blindflug

Knapp die Hälfte der heimischen KMU plant etwa nur rudimentär oder überhaupt nicht voraus. Wenn geplant wird, dann maximal mit einem Zeithorizont von einem Jahr. Das betrifft nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch die Dienstleiter, die sie begleiten.

"Planung ist das halbe Leben, Ordnung ist die andere Hälfte", lautet ein beliebtes Sprichwort im norddeutschen Raum. Österreichs KMU teilen diese Meinung offensichtlich nicht, wie eine aktuelle Studie der FH Steyr und der BMD Systemhaus GmbH zeigt: Knapp die Hälfte (44 Prozent) der heimischen KMU plant nicht, beziehungsweise nur rudimentär. Wenn überhaupt, dann wird in den meisten Fällen nur operativ geplant, mit dem kurzen Zeithorizont von einem Jahr.

Auffallend ist laut Roland Beranek, Leiter der Akademie der BMD Systemhaus GmbH, dass nicht nur die KMU selbst einen niedrigen Reifegrad bei der Planung zeigen - sondern auch Wirtschaftstreuhänder und Bilanzbuchhalter, die KMU bei der Planung begleiten.

Konkret orten die Studienautoren vier Mankos in der Planung:

  • In der Mehrzahl der Unternehmen gibt es keine durchgängig integrierte Erfolgs- und Finanzplanung. Mit der Konsequenz, dass die Auswirkungen von betrieblichen Entscheidungen auf Erfolg, Liquidität und Stabilität nur unzureichend eingeschätzt werden können.
  • Die Budgets orientieren sich stark an der Vergangenheit und sind zu wenig maßnahmenorientiert.
  • Der Planungsprozess ist aufwendig, insbesondere weil die Möglichkeiten einer Softwareunterstützung nicht hinreichend genutzt werden.
  • Ein Drittel der Unternehmen, die nicht planen scheuen „den überschaubaren Aufwand der Planung".

„De facto werden viele österreichische KMU im Blindflug gesteuert“, so Beranek: „Vor dem Hintergrund, dass diese Gruppe mehr als 99 Prozent der österreichischen Unternehmen ausmacht, hat Planung in diesen Unternehmen einen sehr hohen gesamtvolkswirtschaftlichen Stellenwert - der offensichtlich zu wenig berücksichtigt wird."

Krise gut überstanden

Laut KMU-Bericht der EU-Kommission haben Österreichs kleine und mittlere Unternehmen die Finanz- und Wirtschaftskrise übrigens sehr gut überstanden. Die Anzahl der KMU in der gewerblichen Wirtschaft - also ohne den Finanzsektor, Erziehung, Gesundheit, Kunst und Kultur - sei in Österreich seit 2009 um 9 Prozent gestiegen, heißt es im neuen Bericht der Kommission.

Knapp 315.000 kleine und mittlere Unternehmen gibt es aktuell in Österreich, erklärte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner anlässlich der Veröffentlichung des Datenblatts zum Small Business Act (SBA). Die Zahl der Beschäftigten ist um 7,5 Prozent gestiegen, die Wertschöpfung des Sektors hat um 18 Prozent zugenommen.

Leicht gewachsen ist 2014 auch die Zahl der eingetragenen Unternehmensgründungen in Österreich (37.120). Auch die weiteren Perspektiven für heimische Klein- und Mittelbetriebe sind laut EU-Kommission positiv. Für den Zeitraum 2014 bis 2016 wird ein Anstieg der KMU-Wertschöpfung um sechs Prozent prognostiziert, das Beschäftigungsniveau soll um zwei Prozent steigen, die KMU-Zahl um drei Prozent.

Dem EU-Bericht zufolge waren die KMU im vergangenen Jahr für 71,4 Prozent des Beschäftigungswachstums in der EU verantwortlich. 99,8 Prozent der Unternehmen (ohne den Finanzsektor) waren kleine oder mittlere Unternehmen. KMU beschäftigten 90 Millionen Menschen - das sind gut zwei Drittel aller Arbeitnehmer.

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