Pioneers Festival 2015: Gründerzeit in der Hofburg

Pioneers Festival 2015: Gründerzeit in der Hofburg
Pioneers Festival 2015: Gründerzeit in der Hofburg

Am Pioneers Festival in der Wiener Hofburg treffen 3000 Teilnehmer - Start-ups und Investoren aufeinander. Zwei Tage lang ist Wien damit die Welthauptstadt der Start-up-Szene.

Heute und morgen verwandelt sich die Wiener Hofburg wieder in einen Hexenkessel, wenn anlässlich des „Pioneers Festival“ Start-ups aus aller Welt in die österreichische Bundeshauptstadt strömen. Mehr als 3000 Teilnehmer aus 80 Ländern werden erwartet; via Livestream werden weitere 100.000 Menschen – davon die Hälfte in den USA - den Vorträgen der hochkarätigen Speaker lauschen. Für Neulinge der seit 2012 etablierten Eventreihe dürfte die Atmosphäre etwas verstörend wirken; denn während auf herkömmlichen Konferenzen gelangweilte Redner in dunklen Räumen hohle Phrasen von eintönigen Powerpoint-Folien ablesen, wird hier auf der Bühne gerne mal geschrien und geflucht; das Publikum ist oft außer Rand und Band, jubelt und klatscht. Traditionellerweise wird der Sieger des Gründerwettbewerbs gegen Ende des Events mit Sekt übergossen. Mit dem „Pioneers Pint“ wird eine eigene Biermarke ausgeschenkt.

Als besonderes Schmankerl haben die Organisatoren Christian Furian und Andreas Tschas heuer für die Aftershow-Party am Freitagabend Kristian Nairn als DJ gewinnen können – der Nordire ist unter Nerds vor allem bekannt für seine schauspielerische Leistung als „Hodor“ in der TV-Serie „Game of Thrones“. Das Pioneers ist eben keine Konferenz der herkömmlichen Sorte – sondern wird seiner Bezeichnung als „Festival“ durchaus gerecht.

Auf dem Pioneers Festival werden technologische Innovationen präsentiert: 2014 stand etwa ein fliegendes Auto auf dem Programm.

Doch man darf sich von all der Party und Action nicht in die Irre leiten lassen – denn dahinter steckt knallhartes Wirtschaften. Auf Events wie das Pioneers Festival treffen die Unternehmensgründer auf Business Angels und Risikokapitalfonds, um eine mögliche Finanzierung an Land zu ziehen. Viele Geldgeber reisen eigens aus den USA an, um das hiesige Potenzial auszuloten.

Konzerne treffen Start-ups

Zugleich ist das Pioneers der Ort, an dem Konzerne die Nähe zu den jungen Gründern zu suchen – es geht dabei um finanziellen Beteiligungen, aber auch um den Austausch von Ideen und Ressourcen. Im Jahr 2014 hatte etwa Hannes Ametsreiter, CEO der Telekom Austria, die Einrichtung eines Start-up-Campus angekündigt, bei dem die Gründer mit Büroräumlichkeiten, schnellem Internet und dem Wissen aus den Fachabteilungen der Telekom Austria versorgt werden. Ebenso schalten sich internationale Konzerne in das Wiener Geschehen ein: Cisco unterstützt hiesige Start-ups mit einem „Entrepreneur-in-Residence“-Programm; Konica-Minolta ist Hauptsponsor des Events.

Link: Die großen Konzernprojekte beim Pioneers 2014

A propos Sponsoring: Rund 500.000 Euro Unterstützung für das Festival kommen vom Bund und von der Stadt Wien – denn auch die Politik freundet sich nun mit dem Spirit der jungen Unternehmerrebellen an. Als besonderer Förderer gilt etwa Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP), der auch schon in der Jury des Start-up-Wettbewerbs trend@venture saß und den Ballungsraum Wien jüngst bei einer Pressekonferenz als „Hotspot“ für die Szene bezeichnete.

Die Szene wächst – der Geldtopf ebenso

Wichtig sei, dass die Entwicklung nachhaltig geschehe, sagt Mahrer. Eine „Goldgräberstimmung“ wie während der Internet-Blase in den 1990er-Jahren sei nicht wünschenswert. Auch auf der Finanzierungsseite werde viel getan: „Wir haben nicht vor, hier etwas einzufrieren oder zurückzufahren“, verspricht Mahrer. Förderungen gibt es in Österreich für Start-ups von Stellen wie dem FFG, dem AWS oder der Wirtschaftsagentur Wien.

Link: So kommen junge Start-ups an Kapital

Zugleich springen immer mehr private Geldgeber auf den Zug auf. „Speedinvest 2“, ein Risikokapital-Fonds, ist nun auf die Größe von 60 Millionen Euro angeschwollen – mit an Bord sind zahlreiche prominente Investoren (mehr dazu unter diesem Link). Das Beteiligungs- und Beratungsunternehmen Venionaire Capital legt gerade einen eigenen Venture-Capital-Fonds in Höhe von 100 Millionen Euro auf.

Auch Crowdfunding soll nun mit einem neuen Gesetz endlich an Fahrt gewinnen (Link). Hier wurden bereits recht unterschiedliche Erfahrungen gemacht: So musste etwa das über Crowdfunding finanzierte Start-ups Woodero vor kurzem das Handtuch werfen (Link), während das über die Plattform conda.at finanzierte Low-Carb-Bier nun den Ausbau nach Deutschland plant – erneut mit Hilfe von Crowdfunding. (Link)

Besucht man Veranstaltungen von conda.at, so ergibt sich wiederum ein anderes Bild als das zuvor beschriebene: Auf den Events mit dem Namen „Let them pitch“ präsentieren die Unternehmer per Powerpoint ihre Konzepte potenziellen Investoren. Im Kapuzenpulli erscheint hier niemand; die Teilnehmer sind großteils älter als 40 Jahre, tragen Sakkos und Abendkleider. Nach Abschluss der Präsentationen erfolgen Investorengespräche bei Zimmerlautstärke zu einem gepflegtem Glas Weißwein. Die Szene, so glaubt man an Abenden wie diesen, ist mit dem Wachstum der vergangenen Jahre eine gute Spur braver geworden – eine These, die aber wohl spätestens bei der Pioneers-Abschlussparty am Freitagabend falsifiziert wird.

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