Vorsorgen statt verprassen: So geben Österreicher ihr Geld (nicht) aus

Erstmals haben Österreicher heuer durchschnittlich über 20.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Das ist gut für die Bürger - für den Handel gibt es aber schlechte Nachrichten: Denn das Geld fließt weniger in den Konsum, sondern in Vorsorgeprodukte oder Fixkosten wie Miete und Energie.

Vorsorgen statt verprassen: So geben Österreicher ihr Geld (nicht) aus
Vorsorgen statt verprassen: So geben Österreicher ihr Geld (nicht) aus

Die Österreicher haben mehr Geld zur Verfügung als jemals zuvor. Bis Ende 2014 wird die durchschnittliche Kaufkraft erstmals die 20.000-Euro-Marke überschritten haben; das ist eine nominelle Steigerung von circa 2,1 Prozent, was inflationsbereinigt ein Plus von 0,3 Prozent ausmachen wird. Im kommenden Jahr wird ein weiterer Anstieg um nominell 1,9 Prozent prognostiziert, was einem realen Plus von 0,2 Prozent entspricht. Ende 2015 stehen dem durchschnittlichen Österreicher dann 20.780 Euro pro Jahr zur Verfügung.

Die Entwicklung der österreichischen Kaufkraft, inklusive Fixkosten für Wohnen und Energie.

Das sind gute Nachrichten für das Volk – doch für den Einzelhandel hat Marktforscher RegioData, der jährlich Daten zur Kaufkraft in Österreich und Europa ermittelt, schlechte Nachrichten. Denn der Anteil der der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft geht zurück: Rund 30 Prozent gibt ein Österreicher heuer im Schnitt für Einzelhandelsprodukte aus, vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei 40 Prozent. Das hat mit dem wachsenden Wohlstand zu tun; denn je mehr Geld zur Verfügung steht, desto weniger wird anteilsmäßig im Einzelhandel ausgegeben. Dies zeigt sich vor allem im europäischen Vergleich, denn in Ländern mit geringerer Kaufkraft liegt der Anteil deutlich höher – in Rumänien, Bosnien und Serbien liegt der Anteil bei jeweils 55 Prozent.

Europäischer Vergleich: Je geringer die Kaufkraft, desto höher der Anteil des Einzelhandels.

Statt in Konsum wird das Geld der Österreicher vermehrt in immaterielle Güter, Dienstleistungen und Finanzprodukte gesteckt. Im Jahr 2003 lag der Anteil nicht-privater Konsumausgaben (Sparen, Versicherungen, private Pensionsvorsorge, Aktien, etc.) noch bei circa neun Prozent, während er im Vorjahr bei 13 Prozent lag.

Im Jahr 2010 lag der Anteil nicht-privater Konsumausgaben sogar bei 15 Prozent – Vorsorge und sparen fielen jedoch in den vergangenen Jahren anderen Ausgaben zum Opfer, etwa dem Anstieg der Wohnungskosten (+0,8 Prozentpunkte), sowie höheren Ausgaben in den Bereichen Ernährung (+0,8 Prozentpunkte) und Verkehr (+0,4 Prozentpunkte). Leichte Steigerungen sind auch im Bereich Bildung und Erholung (+0,2 Prozentpunkte) zu beobachten - während die Ausgabenanteile für klassische Einzelhandelsbereiche wie Bekleidung (-0,4 Prozentpunkte) oder Einrichtung und Hausrat (-0,2 Prozentpunkte) rückläufig sind.

In Summe kann also gesagt werden, dass den Österreichern zwar mehr Geld zur Verfügung steht - das Geld aber entweder angespart wird oder in Fixkosten fließt, die sinnvoller erscheinen. Etwa Mieten, Bildung oder Erholungsangebote.