OMV rüstet für Russland und gibt türksches Gaskraftwerk auf

OMV rüstet für Russland und gibt türksches Gaskraftwerk auf

OMV-Chef Rainer Seele

Der neue OMV-Chef Rainer Seele krempelt den Öl- und Gaskonzern um. Alte Ziele und verlustbringende Unternehmensteile werden, wie der für das Raffinerie- und Gasgeschäft zuständige Vorstand Manfred Leitner erklärt, aufgegeben. Die Expansion nach Russland ist quasi beschlossen. In fünf Jahren soll die Produktion anlaufen.

Die OMV (ISIN AT0000743059) muss aufgrund der stark gesunkenen Ölpreise ihre Strategie überarbeiten und hat Russland als Wachstumsmarkt für sich entdeckt. Der Fokus soll dabei auf der Suche und Förderung von Öl und Gas bleiben. Verlockend sind vor allem die niedrigen Produktionskosten. In den hochprofitablen Ländern Libyen und Jemen, wo die Produktionskosten ebenfalls günstig wären, kann aufgrund der anhaltenden Unruhen schon länger nicht produziert werden. Die Ölförderung auf den Bohrinseln in der Nordsee ist wiederum deutlich teurer.

Für den geplanten Schritt nach Russland ist die OMV bereits in Verhandlungen mit dem Energieriesen Gazprom. Die beiden Konzerne wollen künftig bei der Ausbeutung von Teilen des sibirischen Öl- und Gasfeldes zusammenarbeiten. Die maximale Produktion bei einem Block des Ölfeldes liegt laut dem bei der OMV für das der für das Raffinerie- und Gasgeschäft verantwortlichen Vorstand Manfred Leitner deutlich über der in der Nordsee, wo die OMV derzeit über 40.000 Barrel pro Tag fördert. Experten schätzen die Ausbeute für die OMV aus Urengoy auf rund 60.000 Barrel. Den Produktionsstart erwartet Leitner ab 2020/21.

Den Deal mit den Russen will die OMV über einen Tausch von Vermögenswerten abwickeln. Die Gespräche seien aber noch im Anfangsstadium. Die Details will die OMV im Zuge einer breiten Strategiepräsentation Anfang nächsten Jahres veröffentlichen. Der seit Juli amtierende OMV-Chef Rainer Seele will die Profitabilität des Unternehmens schnell steigern und nimmt dafür nun alle Bereiche genau unter die Lupe.

Gaskraftwerk zum Vekauf

Zu den Unternehmensteilen, von denen sich die OMV trennen will, gehört das Gaskraftwerk Samsun an der türkischen Schwarzmeerküste. Nach millionenschweren Abschreibungen wird nun auch ein Verkauf geprüft. "Das ist auf dem Tisch", sagt OMV-Vorstand Leitner. Ein Verkaufsprozess sei noch nicht gestartet worden, mögliche Käufer würden wohl vor allem aus der Region kommen.

Hoffnungen auf einen besonders guten Kaufpreis macht sich Leitner nicht: "Ich würde nicht vermuten, dass wir hier wesentlich mehr herausbekommen als wir investiert haben." Für das erst 2013 fertiggestellte Kraftwerk, das nach einem Testbetrieb nun gut ein Jahr läuft, nahm das Unternehmen gut 600 Millionen Euro in die Hand. Der Buchwert liege nach jährlichen Abschreibungen und der jüngsten Wertminderung von rund 200 Millionen Euro bei etwa 300 Millionen Euro.

Die OMV leidet darunter, dass nach regulatorischen Eingriffen die Gewinnmargen bei dem Kraftwerk stark geschrumpft sind. Leitner: "Wir haben zwar das beste Kraftwerk in der Türkei, aber wir sind in letzter Zeit nicht sehr viel gefahren damit." Weitere Wertberichtigungen seien nicht ausgeschlossen: "In diesem Jahr würde ich es nicht sehen, aber ausschließen kann ich sie nicht in der Zukunft."

Neue Ziele

Das noch von Seeles-Vorgänger Gerhard Roiss ausgegebene Produktionsziel von 400.000 Barrel verfolgt die OMV nun nicht mehr. "Wir werden in Zukunft nicht mehr losgelöste Volumenziele haben", sagte Leitner. Zuletzt produzierte die OMV 307.000 Barrel pro Tag.

Das schon in vergangenen Jahren zusammengestutzte Tankstellengeschäft soll nicht weiter reduziert werden. Die OMV hat derzeit 4100 Tankstellen in elf Ländern.

Bei der Ostsee-Pipeline Nord Stream, für deren Bau die OMV Mitglied eines Konsortiums ist, sieht Leitner für die OMV eine Beteiligung im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.

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