Experten: Österreichs Wirtschaft wächst heuer kaum

Experten: Österreichs Wirtschaft wächst heuer kaum

Die Wirtschaftsexperten Christian Keuschnigg (IHS) und Karl Aiginger (Wifo).

Laut Prognosen von Wifo und IHS wird Österreichs BIP heuer nur rund 0,8 Prozent wachsen, im kommenden Jahr geht es nur geringfügig bergauf. Der wichtigste Grund dafür sind einbrechende Exporte - die Wirkung der gesenkten Zinsen, die ursprünglich Investitionen ankurbeln sollten, ist hingegen überschaubar.

Österreichs Wirtschaft wird heuer weniger als ein Prozent wachsen. Die Konjunktur hat sich so stark eingetrübt, dass Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und Institut für Höhere Studien (IHS) nur noch von 0,8 Prozent realem BIP-Plus ausgehen. Die internationale Nachfrage und damit der Außenhandel sind schwach, und die schlechte Stimmung drückt die Investitionen. Das schadet auch dem Arbeitsmarkt.

Für kommendes Jahr, 2015, erwarten die Institute eine Beschleunigung des BIP-Wachstums auf real 1,2 (Wifo) bzw. 1,6 Prozent (IHS), wie am Donnerstag erklärt wurde. Die Dynamik dürfte aber auch dann nur verhalten ausfallen. Ein Risiko für die Konjunktur liegt laut Wifo vor allem in einer möglichen Verschärfung der Russland-Krise; eine Belebung der Konjunktur könnte in Gang kommen, falls die neue EU-Kommission deutliche Stimulierungsmaßnahmen setzt.

Mit ihrer neuen Prognose haben die Wirtschaftsforscher ihre nicht einmal drei Monate alten Vorhersagen von Ende Juni für Makulatur erklärt. Damals gingen sie für 2014 noch von einem Zuwachs von 1,4 bzw. 1,5 Prozent für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus, doch kippte die Stimmung seither in Einfluss der internationalen Krisen stark. Dadurch kommt heuer das Wachstum der Ausrüstungs- und Anlageinvestitionen fast zum Erliegen. Zwischenzeitig hatten auch Bankvolkswirte und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) schon Revisionen nach unten vorgenommen. Ende Juni erwarteten Wifo und IHS für 2015 noch 1,7 bzw. 1,9 Prozent reales Wachstum für Österreich.

Auf den Arbeitsmarkt schlägt die stark eingetrübte Konjunktur voll durch. Trotz eines weiteren - wenn auch schwächeren - Anstiegs der Zahl unselbstständig aktiv Beschäftigter, dürfte in Österreich die Arbeitslosenrate heuer nach heimischer Rechnung auf über 8 Prozent und nach Eurostat-Kriterien auf 5 Prozent klettern. 2015 könnte dann, zumindest aus Sicht des Wifo, nochmals eine weitere leichte Verschlechterung drohen.

Enttäuschende Schwellenländer

Durch die Importschwäche der Schwellenländer werden die österreichischen Ausfuhren heuer und kommendes Jahr stark gedämpft, sodass die Exportzuwächse spürbar geringer ausfallen als zuletzt angenommen. Teils machen sich diese Effekte auch über Drittländer bemerkbar, insbesondere den Euro-Raum, erklärte das Wifo am Donnerstag.

Statt der erwarteten Beschleunigung verlangsame sich das heimische Außenhandelswachstum 2014 wieder - Wifo und IHS rechnen für heuer nur mit 2,3 bzw. 3,8 Prozent realem Warenausfuhr-Plus. Grund: Die Aufwärtsdynamik des Welthandels endete jäh, er dürfte heuer wie die wichtigsten heimischen Außenhandelsmärkte lediglich um 3,5 Prozent real expandieren.

Der Druck auf den Exportsektor sollte 2015 aber abnehmen, sodass dann 3,5 bzw. 5,3 Prozent Zuwachs möglich sein sollen. Dies steht laut Wifo aber unter der Prämisse, dass sich etwa die Ukraine-Krise - die bisher im Außenhandel eine untergeordnete Rolle gespielt habe - nicht verschärfe. Den Euroraum sieht das Wifo 2014/15 um 0,8 bzw. 1,1 Prozent wachsen, die EU-28 um 1,3 bzw. 1,4 Prozent. Die Eurozone war 2013 um 0,4 Prozent geschrumpft, und die EU stagnierte praktisch (+0,1 Prozent).

Wirkung der Niedrigzinsen verpufft

Die niedrigen Absatzerwartungen bremsen in Österreich die Investitionstätigkeit - trotz weiter sinkender Zinssätze. Die Ausrüstungsinvestitionen werden laut Wifo heuer stagnieren und auch dem IHS zufolge nur um 0,5 Prozent zulegen. Für 2015 wird dann ein etwas stärkeres Anspringen mit plus 2,0 bzw. 3,8 Prozent erhofft. Voriges Jahr sind die Ausrüstungsinvestitionen um rund drei Prozent geschrumpft.

In der Sachgütererzeugung werde die Warenproduktion nicht durch Strukturfaktoren, sondern die Nachfrage-Schwäche gehemmt, so das Wifo. Das Institut rechnet daher für heuer nur mit 0,8 Prozent mehr Wertschöpfung und für 2015 mit 2,5 Prozent Anstieg, einhergehend mit mehr Export- und Investitionsnachfrage. Für ein Anheben des Arbeitsvolumens sei das aber zu wenig, das Wirtschaftswachstum beruhe zur Gänze auf Produktivitätsverbesserungen.

Der Privatkonsum weitet sich nach Einschätzung der Experten nur verhalten aus. Nach einem realen Rückgang um 0,2 Prozent im Vorjahr gehen Wifo und IHS für heuer von 0,4 bzw. 0,5 Prozent Plus aus und für 2015 dann von 0,8 Prozent.

Gedämpft werde die Kaufkraft durch die Teuerung und die hohe Abgabenlast, erläutert das Wifo dazu und verweist dazu etwa auch auf die "kalte Progression". Die ungünstige Situation auf dem Arbeitsmarkt und die Verringerung der Arbeitszeit würden den Lohnanstieg pro Kopf dämpfen. Dieser werde mit 1,7 Prozent heuer und 2,0 Prozent 2015 (nominell, brutto) geringer ausfallen als 2012 (2,4) und 2013 (2,1 Prozent). Zwischen 2009 und 2013 sei in Österreich laut OECD die Abgabenquote für ein durchschnittliches Lohneinkommen um 1,2 Prozentpunkte auf 49,1 Prozent gestiegen.

Die Zinssenkungen entlasten die öffentlichen Haushalte etwas, so das Wifo, das für 2014 von einem Maastricht-Defizit von 2,9 Prozent des BIP ausgeht (nach -1,5 Prozent voriges Jahr) und von 1,9 Prozent nächstes Jahr. Das IHS prognostiziert für 2014 und 2015 ein Haushaltsdefizit von 2,8 bzw. 1,6 Prozent des BIP.

Die für 2014 veranschlagten Bankenhilfen im Umfang von 4,4 Mrd. Euro (davon 4 Mrd. für die Kärntner Hypo) würden die öffentlichen Haushalte belasten, so das Wifo und auch das IHS. Für 2015 rechnet das Wifo mit defiziterhöhenden Unterstützungsmaßnahmen von zusätzlich 1 Mrd. Euro. Neben Einmalerträgen aus dem Steuerabkommen mit Liechtenstein (2014: 0,5 Mrd. Euro) würden Mehreinnahmen aus dem Abgabenänderungsgesetz 2014 (heuer 0,7 Mrd. Euro, 2015: 1,1 Mrd. Euro) sowie Kürzungen der Ermessensausgaben sowie Einsparungen im Pensionsbereich defizitsenkend.

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