Österreich schrammt knapp an der Rezession vorbei

Österreich schrammt knapp an der Rezession vorbei

WIFO-Chef Karl Aiginger

Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO sieht Österreichs Wirtschaft nach wie vor am Boden. Die Schwächephase dauert an, im letzten Quartal des Jahres 2014 ist die heimische Wirtschaft gegenüber dem Vorjahr sogar um 0,1 Prozent geschrumpft. Für das Jahr 2014 hat das WIFO ein Wachstum von nur 0,3 Prozent errechnet. Für 2015 wird ein Wachstum von 0,5 Prozent erwartet. Der günstige Ölpreis wird sich erst mit Verspätung auf die Wirtschaftsleistung auswirken.

Österreichs Wirtschaft kommt einfach nicht in Schwung. Seit dem Sommer 2014 wurden zwei Quartale ohne Wachstum verzeichnet. Ein Alarmzeichen, weil Österreichs Wirtschaft somit nur haarscharf an einer Rezession vorbei geschlittert ist. Die österreichische Wirtschaftsleistung stagnierte gemäß der WIFO-Schnellschätzung im vierten Quartal 2014 gegenüber dem Vorquartal, gegenüber dem Vorjahr war ein Rückgang von 0,1 Prozent zu verzeichnen. Für das gesamte Jahr 2014 ergibt sich ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent, nach fast genauso mageren 0,2 Prozent im Jahr 2013.

Problematisch sieht das WIFO die anhaltend schwache Binnennachfrage sowie das Fehlen außenwirtschaftlicher Impulse. So hat der Konsum der Privathaushalte im vierten Quartal 2014, in das auch das Weihnachtsgeschäft fällt. gegenüber dem Vorjahr real nur um 0,1 Prozent zugelegt. Derjenige der öffentlichen Haushalte um 0,2 Prozent.

Die Erwartungen für das 1. Quartal sind ebenso gedämpft. Dazu hat das Wifo in seiner Prognose ein leichtes Plus von 0,1 Prozent im Quartalsabstand stehen - an dem trüben Konjunkturbild habe sich nichts geändert.

Im Moment sieht es nicht so aus, dass es besser ausfällt - es könnte aber schlechter ausfallen. Für das erste Quartal sind wir eher pessimistischer", sagt Wifo-Experte Marcus Scheiblecker zum Zeitraum Jänner bis März. Die Jänner-Umfrage des Wifo, die teils bis ins 2. Quartal hineinreiche, habe nicht gut ausgesehen.

Deutsche Impulse

Optimistisch stimme aber der deutsche ifo-Index, der drei Mal in Folge gestiegen sei, meint Wifo-Experte Scheiblecker. Da viele große österreichische Unternehmen eher an der deutschen Konjunktur hängen, "hoffen wir, dass die im ersten Quartal etwas davon abbekommen - und auch von der internationalen Konjunktur, die Deutschland stimuliert".

Die schwache Nachfrage belastet die Unternehmen des Landes. Nach einem Anstieg im ersten Quartal 2014, das die Wirtschaftsforscher Hoffnung schöpfen ließ, schwächten sich die Anlageinvestitionen im weiteren Jahresverlauf merklich ab. Zum Jahresschluss hatte sich der Anstieg in einen Rückgang von 0,9 Prozent verwandelt. Die Investitionsschwäche betrifft sowohl dabei die Ausrüstungsinvestitionen wie etwa Maschinen, Geräte oder Fahrzeuge als auch die Bauinvestitionen.

Österreichs Wirtschaft leidet aber nicht nur an der schwachen Inlandsnachfrage. Auch die Exportwirtschaft tut sich schwer. Dazu trägt auch der Abschwung in den osteuropäischen Ländern bei. Im 1. Halbjahr 2014 konnte die Exportwirtschaft noch einen positiven Beitrag zum geringen Wirtschaftswachstum leisten, im weiteren Jahresverlauf verlor sie jedoch erheblich an Dynamik. Im IV. Quartal 2014 sanken die Exporte gegenüber der Vorperiode nach vorläufigen Berechnungen real um ein Prozent.

BIP-Entwicklung 2002 - 2014

Die vom billigeren Öl und - Stichwort Exporte - dem schwächeren Euro absehbaren Auftriebskräfte seien noch nicht eingetreten, das dauere üblicherweise ein halbes Jahr, bis das wirke. Wie stark der Privatkonsum künftig zulege, hänge auch von der Steuerreform ab. Sei die Entlastung stärker, könne das auf Jahre hinaus stimulieren. Doch auch ohne Steuerreform würde es beim Privatkonsum weiter sehr leicht aufwärtsgehen.

Da der Ölpreisrückgang aber kräftiger als erwartet ausgefallen sei, könne man für das 2. Halbjahr nun eher optimistischer sein. Das heurige Jahr sei zwar voraussichtlich "vorne etwas schwächer", aber dafür "hinten stärker". Die Prognose von 0,5 Prozent Realwachstum 2015 sei so "gut abgesichert, nach oben und unten".

Falls die heimische Wirtschaft Ende 2015 kräftig zulege, was jetzt anzunehmen sei, dann könnte es überdies einen kräftigen Wachstumsüberhang für 2016 geben - ähnlich wie beim Jahreswechsel 2013/14. Anders war die Situation jetzt, denn ins neue Jahr 2015 wurde aus dem Vorjahr ein "Wachstumsunterhang" mitgenommen.

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