Bilanzfälschung, Geschenkannahme: So korrupt sind Österreichs Manager

Zwei Drittel der Manager in Österreich geben an, dass die Zahlen besser dargestellt werden, als sie sind.
Zwei Drittel der Manager in Österreich geben an, dass die Zahlen besser dargestellt werden, als sie sind.

Zwei Drittel der Manager in Österreich geben an, dass die Zahlen besser dargestellt werden, als sie sind.

Die gestiegenen Compliance-Anforderungen nutzen offenbar nichts. Österreichische Manager lehnen vorgegebene Regeln am stärksten ab und frisieren häufig die Bilanzen. Das und vieles mehr hat die Umfrage "EMEIA Fraud Survey" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY nun festgestellt, wo es auch um Korruption und verbotene Geschenkannahme geht.

Ein alles andere als positives Zeugnis stellt die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (vormals Ernst & Young) heimischen Managern aus, wie aus dem jüngsten „EMEIA Fraud Survey“ hervorgeht. EY befragt jährlich weltweit Führungskräfte zum Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance-Managements aus 38 Ländern Europas - darunter 100 aus Österreich-, des Mittleren Ostens, Indiens und Afrikas zu den Themen Korruption, dem Umgang und der Implementation von Compliance-Richtlinien sowie zu ethischem Verhalten im Unternehmen. Mehr als 3800 Manager wurden hierzu weltweit befragt.

Österreich auf Spitzenposition bei geschönten Finanzzahlen

In Österreich sticht hervor, dass die Manager eine Spitzenposition erreichen, wenn es um die Behübschung und Verschönung von Finanzzahlen und somit Bilanzen geht.

Fast drei Viertel aller Austro-Manager trickst bei Zahlen

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, die befragten Manager in Österreich, es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, wenn es um Bilanzen geht. Geschönte Finanzergebnisse in Österreich besonders weit verbreitet: Mehr als zwei Drittel (68%) der österreichischen Manager geben an, dass Unternehmen hierzulande ihre Zahlen oft besser darstellen, als sie sind. Damit liegt Österreich im internationalen Vergleich ganz knapp hinter Serbien und Slowenien (jeweils 69%) auf dem dritten Platz und deutlich über dem Durchschnitt (37%). In Westeuropa gibt überhaupt nur ein Drittel (33%) der Manager an, dass Unternehmen in ihrem Land Zahlen „frisieren“. Dementsprechend zurückhaltend werden in Österreich negative Finanzergebnisse kommuniziert: Nur 38 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass diese offen und transparent dargestellt werden, durchschnittlich sind es 42 Prozent.

Gegenseitiges Misstrauen stark verbreitet

„Gerade weil diese Ergebnisse so alarmierend sind, ist es umso wichtiger, sie richtig einzuordnen. Man kann daraus nicht schließen, dass in Österreich deutlich öfter Zahlen geschönt werden als in anderen Ländern. Aber diese extremen Einschätzungen zeichnen ein Stimmungsbild, das von Verunsicherung und Misstrauen gekennzeichnet ist. Das verdeutlicht auch die große Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild: Auf der einen Seite bezeichnen mehr als zwei Drittel das Frisieren von Finanzergebnissen in Österreich als weit verbreitet, beim eigenen Unternehmen glaubt auf der anderen Seite aber nur ein Fünftel an geschönte Zahlen in den letzten zwölf Monaten“, sagt Andreas Frohner von EY.

Umsätze werden vorzeitig verbucht

Jeder zehnte Manager in Österreich gibt zudem an, es sei im eigenen Unternehmen im vergangenen Jahr zur Untererfassung von Kosten gekommen. Im westeuropäischen Durchschnitt liegt der Anteil bei nur sechs Prozent. Jeder 14. Manager hierzulande berichtet von vorgezogenen Verbuchungen von Umsätzen (Westeuropa: sechs Prozent).

73 Prozent der Manager macht lahme Wirtschaft zu schaffen

Aus Sicht von Frohner ließe sich aus diesen Ergebnissen kein Rückschluss auf mangelndes Unrechtsbewusstsein bei österreichischen Managern ziehen: „Selbst wenn das Überleben des Unternehmens davon abhinge, würden es nur vier Prozent der österreichischen Manager vertretbar finden, Geschäftsergebnisse vorsätzlich falsch anzugeben." Es fehle an Vertrauen in das wirtschaftliche Umfeld im eigenen Land. 73 Prozent – und damit erheblich mehr als der internationale Durchschnitt von 58 Prozent – kämpfen damit, dass sich die heimische Wirtschaft langsamer entwickelt als erwartet, 57 Prozent spüren deutlichen Druck zur Verbesserung der Unternehmenszahlen. Die Kombination aus fehlendem Optimismus, steigendem Leistungsdruck und einer unterentwickelten Kultur des Scheiterns ist aus Sicht vieler heimischer Führungskräfte ein Nährboden für Bilanztricks“, so EY-Partner Frohner.

Österreichs Manager stehen Regularien besonders kritisch gegenüber

69 Prozent der Manager in Österreich stellen einen Zuwachs der Regularien in ihrer Branche in den letzten zwei Jahren fest – international sind es nur in Kenia und Nigeria mehr. Nirgendwo stehen Manager Eingriffen durch Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden kritischer gegenüber als in Österreich: Für 62 Prozent stellen sie eine Hürde für das Wachstum oder den Erfolg ihres Unternehmens dar. Nur sieben Prozent meinen, dass Compliance-Regelwerke einen positiven Einfluss auf ethische Standards in ihrem Unternehmen haben, nur drei Prozent bescheinigen ihnen einen positiven Einfluss auf das Geschäftsergebnis.

„In keinem anderen Land stehen die befragten Manager Regelwerken so ablehnend gegenüber", sagt EY-Partner Frohner. "Mehr als jeder fünfte Manager in Österreich ist überzeugt, dass es dem Geschäftserfolg schadet, wenn das Unternehmen seine eigenen Regeln befolgt. Das ist ein klarer Hinweis auf überkomplexe und nicht praktikable Regelwerke, die das Unternehmen im Würgegriff halten und seine Handlungsfähigkeit einschränken. Das ist meistens dann der Fall, wenn die Compliance-Richtlinien in Form eines hunderte Seiten langen ‚Romans‘ aufbereitet sind, den keiner liest. Ein gutes, praktikables Regelwerk sollte hingegen eher eine Landkarte sein.“

Prävention: Österreich holt im internationalen Vergleich auf

Die EY-Studie zeigt einen deutlichen Anstieg der Präventionsmaßnahmen in Österreich: Während 2013 nicht einmal ein Drittel (27%) der Unternehmen über ein eigenes Whistleblower-System verfügte, sind es heuer bereits fast zwei Drittel (63%). Damit liegen Österreichs Unternehmen trotzdem immer noch hinter dem internationalen Durchschnitt (76%).

EY-Partner Andreas Frohner: „Auch wenn die österreichischen Unternehmen in den letzten Jahren bereits einige Maßnahmen zum Schutz der eigenen Vermögenswerte realisiert haben, besteht gerade bei der Prävention noch deutlicher Nachholbedarf. Hinweise aus dem Unternehmen sind fast immer der Auslöser, um Verstöße gegen Unternehmensregeln aufzudecken. Die Existenz eines Verhaltenskodex reicht dafür noch lange nicht aus – entscheidend ist, dass dieser auch gelebt und mit entsprechenden Schulungen an die Mitarbeiter vermittelt wird. Es ist bedenklich, dass in Österreich erst die Hälfte der Unternehmen Anti-Korruptions-Schulungen durchgeführt hat, wenn der internationale Durchschnitt bereits bei fast zwei Drittel liegt.“

Geschenke und Geldkoffer: Manager im Oman würden am ehesten bestechen

Insgesamt gibt rund ein Drittel (34%) der Befragten an, dass sie irgendeine Form von Bestechung als letzten Ausweg zur Rettung ihres Unternehmens grundsätzlich vertreten könnten, in Österreich sind es 28 Prozent. Fragt man hingegen die Bereitschaft zu konkreten Verstößen ab, wird die Zustimmung deutlich weniger: Am geringsten sind die Skrupel international noch bei persönlichen Geschenken (Gesamt: 19%, Österreich: 14%), je 17 Prozent würden als letzten Ausweg Bargeld bezahlen (Österreich: 12%) oder ein „Unterhaltungsprogramm“ spendieren (Österreich: 14%).

Sowohl bei persönlichen Geschenken (82%) als auch bei Bestechung mit Bargeld (67%) haben Manager aus dem Oman die geringsten Gewissensbisse. In Europa hätte jeder neunte Manager kein Problem damit, Bargeldzahlungen anzubieten, um Aufträge zu akquirieren. Innerhalb Europas liegen die Türkei und Griechenland mit 43 bzw. 37 Prozent an der Spitze. Im internationalen Durchschnitt sind 56 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass unethisches Verhalten von der Unternehmensführung nicht bemerkt wird, in Österreich sind es sogar 66 Prozent.

Österreichs Lehrer verbringen nur wenig Zeit mit Unterrichten

Österreich

Österreichs Lehrer verbringen nur wenig Zeit mit Unterrichten

Wirtschaft

Rewe will 30 Zielpunkt-Filialen übernehmen

Wirtschaft

Mateschitz und Benko checken bei Checkrobin ein