Tourismus: In Österreich sagen die Urlauber nun rascher "Baba"

Tourismus: In Österreich sagen die Urlauber nun rascher "Baba"
Tourismus: In Österreich sagen die Urlauber nun rascher "Baba"

Kurzfristige Buchungen von Skiurlaub im Februar: Der Schnee ist die beste Werbung.

Im Jahr 2014 verbrachten 37,55 Millionen Menschen ihren Urlaub in Österreich - damit wurde der Rekordwert aus dem Vorjahr sogar noch übertroffen. Doch die Gäste bleiben nicht mehr so lange wie früher, und die Nächtigungen in kleinen Betrieben fallen gegenüber teuren Luxushotels stark zurück. Zahlen, Daten und Fakten zu Österreichs Tourismus.

Die gute Nachricht zuerst: Österreichs Berge, Täler, Wälder und Wiesen ziehen mehr Menschen an als je zuvor. Im Vorjahr verbrachten 37,55 Millionen Menschen ihren Urlaub in der Alpenrepublik – damit wurde der bisherige Rekordwert aus dem Vorjahr (132,63 Millionen) sogar noch um 1,9 Prozent übertroffen. Vor allem die Österreicher selbst entspannen gerne im eigenen Land: Die Zahl der inländischen Gästeankünfte, die 2007 mit 10,37 Millionen erstmals die 10-Millionen-Marke überschritten hatte, erreichte im Jahr 2014 ein neues Höchstniveau von 12,26 Millionen Urlaubern – das sind 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der ausländischen Gäste stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent auf 25,29 Millionen.

Schlecht allerdings für die Gastgeber: Zwar nimmt die Zahl der Urlauber zu – die Gäste bleiben aber nicht mehr so lang. Mit einem Minus von 800.000 Nächtigungen (-0,6 Prozent) wurde 2014 der Rekordwert aus dem Vorjahr leicht unterboten. Sowohl inländische (-0,3% auf 35,65 Millionen) als auch ausländische Gästenächtigungen (-0,7% auf 96,21 Millionen) waren dabei rückläufig.

Schwacher Rubel, starker Franken

Bei der zahlenmäßig großen Gruppe der deutschen Touristen ging die Zahl der Nächtigungen um 2,6 Prozent zurück; auch die Niederländer bleiben kürzer (minus 1,4 Prozent). Das relativ gesehen stärkste Minus gibt es aber bei denen russischen Gästen, die – wohl auf Grund politischer Spannungen und des schwachen Rubels – ihre Nächtigungen um 7,9 Prozent auf 1,8 Millionen Nächte zurück fuhren. Analog dazu gibt es allerdings ein Plus an Schweizer Touristen; und dieser Trend wird sich durch den starken Franken zumindest mittelfristig wohl fortsetzen. Zudem gab es Nächtigungssteigerungen bei Gästen aus Tschechien (+3,1 Prozent), Polen (+7,0 Prozent) oder den USA (+9,0 Prozent).

In den Bundesländern entwickelten sich die Nächtigungen 2014 unterschiedlich: Während in Wien (+6,4 Prozent), Niederösterreich (+2,9 Prozent), dem Burgenland (+2,1 Prozent) und der Steiermark (+0,8 Prozent) Zuwächse erzielt wurden, sank die Nächtigungszahl in den übrigen Bundesländern im Vergleich zum Vorjahr. Das prozentuell größte Minus gab es in Vorarlberg (- 3,8 Prozent); beim Minus ausländischer Gäste schlossen Vorarlberg und Kärnten gleich schlecht ab (jeweils -4,1 Prozent). Im Bundesländervergleich liegt Wien mit 13,52 Millionen Nächtigungen nach Tirol (44,32 Millionen) und Salzburg (25,48 Millionen) an dritter Stelle.

Laut Statistik Austria bestätigt der erneute Rückgang bei Nächtigungen in Kombination mit steigenden Ankunftszahlen den langjährigen Trend zu kürzeren Aufenthaltsdauern. Lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer 2004 noch bei 4,1 Nächtigungen, so verringerte sich diese im Jahr 2014 auf 3,5 Nächtigungen.

Schlechte Nachrichten gibt es bei langfristiger Betrachtung außerdem für kleine Herbergen: „Im Zehnjahresvergleich zeigt sich auch ein Trend zu höherwertigen Kategorien in Hotels und ähnlichen Betrieben,“ heißt es von der Statistik Austria: Lag der Nächtigungsanteil der 5-/4-Stern-Kategorie bezogen auf die Gesamtübernachtungen im Jahr 2004 bei 30,0 Prozent, erhöhte sich dieser im Jahr 2014 auf 36,1 Prozent. Gleichzeitig fiel der Nächtigungsanteil in Hotels der 2-/1-Stern Kategorie von 10,0 Prozent im Jahr 2004 auf 7,9 Prozent im Jahr 2014. Einen stetigen Marktanteilszuwachs verzeichnen laut Statistik Austria auch Ferienwohnungen (privat und gewerblich); ihr Nächtigungsanteil stieg von 16,5 Prozent im Jahr 2004 auf 18,8 Prozent im Jahr 2014.

"Nicht dramatisch"

Nach Bekanntgabe der jüngsten Zahlen folgte prompt eine Reaktion aus der Wirtschaftskammer: "Die Situation ist keinesfalls dramatisch, aber doch herausfordernd", kommentiert, Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, in einer Presseaussendung: Denn rückläufige Zahlen bedeuten rückläufige Umsätze und Erträge. Allerdings spiele sich der leichte Nächtigungsrückgang - bei genauerer Betrachtung - bei den gewerblichen Beherbergungsbetrieben in einem überschaubaren Bereich von 0,2 Prozent ab.

Auch blickt Nocker-Schwarzenbacher hoffnungsfroh in die nahe Zukunft, wobei die stärksten Hoffnungen im Februar - dem stärksten Wintermonat - liegen: "Der Schneefall ist die beste Werbung für uns", sagt sie - denn die momentane winterliche Stimmung könnte noch kurzfristige Buchungen für die Ferien auslösen. "Der Februar ist bis dato gut gebucht, ebenso wie der März, und wir rechnen damit, dass sich auch durch die frühen Osterferien und den genau zum richtigen Zeitpunkt verstärkt einsetzenden Schneefall, noch einige Skifahrer motivieren lassen", so Nocker-Schwarzenbacher.

Jobmotor Tourismus

Nocker-Schwarzenbacher rechnet damit, dass der Tourismus auch für 2014 einen einen Überschuss von sechs bis sieben Milliarden Euro in die österreichische Leistungsbilanz einzahlen wird. Dem Rückgang der gewerblichen Nächtigungen von 0,2 Prozent stehe ein Plus von durchschnittlich 1.838 Beschäftigten, beziehungsweise rund ein Prozent im Beherbergungs- und Gaststättenwesen - ohne geringfügig Beschäftigte - gegenüber. Wird die Beherbergung allein betrachtet, gibt es noch ein Plus von rund 0,5 Prozent oder 350 Beschäftigten. Kern dieser Erfolge, so Nocker-Schwarzenbacher, sind die rund 90.000 Betriebe, denn ohne diese gäbe es kein Angebot.

Positive Nachrichten gibt es in Sachen Jobs schließlich auch auf europäischer Ebene: Denn laut Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat (Download unter diesem Link) haben in der EU 2014 die Übernachtungen mit 2,7 Milliarden (+1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) einen neuen Höchstwert erreicht. Zu Beginn der Finanzkrise hatte es noch einen eklatanten Rückgang gegeben, seit fünf Jahren wächst Europas Tourismus aber stetig, heißt es von Eurostat. An der Spitze der Zielländer steht nach Frankreich (403 Millionen Übernachtungen) das von hoher Arbeitslosigkeit geplagte Spanien (401 Millionen). Einen starken Zuwachs an Nächtigungen gab es nach Lettland (+11,1 Prozent) und Belgien (+7,2 Prozent) auch bei den Euro-Sorgenkindern Portugal (+7,1 Prozent) und Griechenland (+6,9 Prozent). Knapp 80 Prozent der Touristen in Griechenland kommen aus dem Ausland.

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