Europaweit ist fast niemand so pessimistisch wie Österreichs KMU

Europaweit ist fast niemand so pessimistisch wie Österreichs KMU

Wird es besser? Mitnichten, sagen die Unternehmer: Ein Drittel ist bereit auf konjunkturelle Rückschläge vorbereitet.

In Europa herrscht Aufbruchstimmung, doch an Österreich geht dieser Trend vorbei: Der hiesige Mittelstand ist unzufrieden mit der Gesamtsituation und blickt mit wenig Zuversicht in die Zukunft - schlechter ist die Stimmung nur noch in Griechenland.

Niedriger Ölpreis, wachsende Exporte: Ganz Europa ist in Aufbruchstimmung – wirklich ganz Europa? Leider nein: Laut einer Studie des Consulters EY unter 6000 mittelständischen Unternehmen in Europa bewertet rund ein Drittel der österreichischen KMU die heimische Standortpolitik als „eher negativ“ oder sehr negativ, wobei nur 15 Prozent mit der Politik zufrieden sind – das ist europaweit das zweitschlechteste Ergebnis, nur im krisengeplagten Griechenland ist die Unzufriedenheit noch größer. Mit der heimischen Mittelstandspolitik ist gar fast die Hälfte der Befragten unzufrieden; auch hier belegt Österreich nach Griechenland den vorletzten Platz.

Die Kernaussage des internationalen Consulters deckt mit sich mit dem Ergebnis einer Umfrage unter Mitgliedern der Jungen Wirtschaft – deren Vorsitzender Herbert Rohrmair-Lewis hatte die Stimmung unter Österreichs Jungunternehmern Anfang des Jahres als „grottenschlecht“ bezeichnet. Helmut Maukner, Country Managing Partner von EY Österreich, stimmt dem nun zu: „Abgesehen vom krisengeschüttelten Griechenland gibt es in ganz Europa kein Land, in dem die Mittelstandsunternehmen so unzufrieden mit der heimischen Standort- und Mittelstandspolitik sind.“ Die Politik solle die derzeitigen Sorgen sehr ernst nehmen, meint der Consulter: „Denn gerade der Mittelstand braucht Planungssicherheit.“

Europaweiter Aufschwung – Stillstand in Österreich

Gibt es Chancen auf Besserung? Die Österreicher glauben derzeit nicht daran: Nur 15 Prozent erwarten zumindest eine leichte Verbesserung der Wirtschaftsentwicklung im eigenen Land, während 52 Prozent an eine unveränderte Lage glauben – und ein Drittel sich bereits auf konjunkturelle Rückschläge vorbereitet. Das steht im radikalen Gegensatz zum europaweiten Durchschnitt, wo immerhin 32 Prozent der befragten Mittelständler an einen Aufschwung glauben.

Gründe für die mauen Zukunftsaussichten gibt es derzeit genug. Zum Beispiel hat die Ukraine-Krise nicht nur ihre Spuren bei Größen wie RBI, OMV und Immofinanz hinterlassen, sondern auch im Mittelstand: 22 Prozent geben an, dass sich die aktuellen Spannungen zwischen Russland und dem Westen negativ auf das Geschäft auswirken. Außerdem bereitet der Fachkräftemangel den Unternehmern Kopfzerbrechen: Fast zwei Drittel klagen über den Mangel an hochqualifizieren Mitarbeitern, welche für F&E-Aktivitäten essentiell sind.

Alles schlecht – außer ich selbst

Doch so unzufrieden die heimischen Unternehmer mit der Gesamtsituation auch sind – bei sich selbst sehen die meisten Befragten alles in bester Ordnung: 85 Prozent bewerten die eigene Geschäftslage als grundsätzlich positiv, fast die Hälfte sogar als „gut“; mehr als Drittel der Befragten will heuer gar wachsen, knapp 60 Prozent setzen auf Stabilität. Mehr als jeder zweite befragte Mittelständler rechnet heuer mit höheren Umsätzen als 2014 – im Schnitt wird ein Umsatzwachstum von 1,6 Prozent im laufenden Jahr erwartet.

Dementsprechend fasst Maukner die Studie zusammen: „Diese Ergebnisse zeigen, dass die Stimmung im österreichischen Mittelstand deutlich schlechter ist als die tatsächliche Lage.“ Oder, anders gesagt: So gerne man auch über Politik und wirtschaftliche Gesamtsituation sudert – man wird sich schon irgendwie durchbeißen.

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