"Es geht ums Militärische"

Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny zur Bank Austria, den österreichischen Bankensektor und warum er für eine eigenständige EU-Armee plädiert.

"Es geht ums Militärische"

FORMAT: Sie wollen eine EU-Armee?
Ewald Nowotny: An sich gibt es schon einen Ansatz für eine europäische Armee, eine Rapid Deployment Force. Die wird man ausbauen müssen. Die Situation, wie wir sie jetzt haben, ist nicht mehr zeitgemäß.

FORMAT: Schwer vorstellbar, dass sich die EU auf ein stehendes Heer einigt. Man ist ja schon beim Ukraine-Konflikt gescheitert.

Nowotny: Wahrscheinlich ist die jetzige EU zu groß dafür. Es müssen nicht alle sofort dabei sein. Eine EU-Einsatztruppe könnte der verbindende Teil eines Kerneuropas sein.

FORMAT: Als Österreichs oberster Notenbanker sind sie fürs Wohl der Banken verantwortlich. Exzessive Regulierung und niedrige Leitzinsen bringen ihren Schützlingen mehr Schaden als Nutzen. Bremsen sie das Bankgeschäft?
Nowotny: Banking ist kein ertragloses Gewerbe. Da wird viel gejammert. Richtig ist, dass es im Vergleich zu früher schlechtere Ertragsperspektiven gibt. Die Konkurrenz hat auch zugenommen. Doch da ist die Kreditbranche nicht alleine.

FORMAT: Was sind realistische Renditen für Banken?
Nowotny: In Europa liegt die Renditeerwartung zwischen acht und zehn Prozent, abhängig vom Geschäftsmodell.

FORMAT: Für die UniCredit-Tochter Bank Austria, wo das Privatkundengeschäft Verluste baut, ist das eher unrealistisch.
Nowotny: Ich meine schon, dass zehn Prozent bei einem Geschäftsmodell ohne exorbitante Risiken, also wie es die Bank Austria betreibt, möglich sein sollten.

FORMAT: Overbanked, overbranched, overstaffed. Der "Triple-O"-Status macht Austrobanken nicht konkurrenzfähig. Da sind zehn Prozent Rendite doch unrealistisch.
Nowotny: Wir haben Banken, die sich in diesen Größenordnungen bewegen, aber auch einige, die drunter sind. Die Cost-Income-Ratio ist da wesentlich.

FORMAT: Die Bank Austria hat eine Cost-Income-Ratio von über 80 Prozent. Ist sie verdammt zum Kostensparen, zum Personalabbau?
Nowotny: Bei allen Banken sollte eine Cost-Income-Ratio von 50 Prozent das Ziel sein.

FORMAT: Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo schätzt, dass ein Drittel der Bankjobs bis 2020 verschwunden sein werden. Das wären 25.000. Teilen Sie diese Meinung?
Nowotny: Das ist eine Schätzung, die sicher nicht unfundiert ist. Dass es weniger werden, ist klar. Der Konsoliderungsprozess der Vorjahre wird sich beschleunigen.

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