Milder Winter: Sporthandel sucht nach Alternativen

Der milde Winter bringt Österreichs Sportartikelhändler ins Schwitzen. Die Branche kämpft mit zweistelligen Umsatzeinbußen, hofft auf das Christkind und vor allem auf Schnee. Die Skihersteller gehen wegen der frühen Rabattschlacht mit dem Handel stark ins Gericht. Gleichzeitig werden Alternativen gesucht, um die Abhängigkeit vom Wetter zu reduzieren.

Milder Winter: Sporthandel sucht nach Alternativen

Ski, Wintersport-Zubehör und Winterkleidung sind im Winter 2014/15 noch keine Verkaufsschlager.

In kaum einer Handelsbranche spielt das Wetter eine so große Rolle wie im Sportartikelhandel. Das milde Novemberwetter hat den Händlern bereits Umsatzeinbußen im zweistelligen Prozentbereich beschert.

Bis Oktober liefen die Geschäfte noch gut. Einzig Eybl (nunmehr Sports Direct) soll von den großen Playern ein Drittel seines Umsatzes verloren haben. Der Sporthandel in Österreich ist stark konzentriert und wird im Grunde von vier Firmen beherrscht: Sport 2000/Gigasport, Intersport, Hervis und dem britischen Diskontriesen Sports Direct, der sich die Marken Eybl und Sports Experts einverleibte. Bis Oktober waren alle zusammen noch 4 bis 5 Prozent im Plus, dann machte ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

Um von der hohen Winterlastigkeit wegzukommen, setzt der Sporthandelsverbund Sport 2000 auf andere Sportarten. "Wir haben schon jetzt Räder im Zentrallager, falls der Winter nicht kommt. Darauf können unsere Händler jederzeit zurückgreifen", erklärt Sport 2000-Chef Holger Schwarting. Im vergangenen Jahr sei die Nachfrage nach Rädern aufgrund des milden Winters bereits früh sehr hoch gewesen. Doch man hatte kaum welche vorrätig. Daraus hat Schwartnig Lehren gezogen: Sport 2000 will nun verstärkt auf Ganzjahressportarten setzen. Allerdings: Das lukrative Geschäft mit WIntersportartikeln und Winterbekleidung wird die Branche damit nicht ersetzen können.

Warten auf den Schnee ...

Österreichs Handel reagiert bereits mit Rabatten von bis zu 70 Prozent. Bei Sports Driect, der Eybl übernommen hat, werden im aktuellen Angebot Head-Skie um 349,99 statt 699,99 Euro angeboten. Zum Ärgernis der Skindustrie. "Das ist eine Katastrophe, weil das Produkt total entwertet wird", kritisiert Fischer-Chef und Branchensprecher Franz Föttinger die Rabattpraxis des Handels. Die Skihersteller fürchten sehr Jahren den milden Herbst, der nur schwer die Kauflaune in Schwung bringt.

"Schleuderpreuse sind für uns nicht lustig. Der Abverkauf müsste nicht so früh starten. "Schnee ist noch immer gekommen", sagt Atomic-Österreich-Chef Wolfgang Mayrhofer. Allerdings sind die Nachbestellungen des Handels "nicht berühmt". Die Läger der Händler seien noch sehr voll. Üblicherweise läuft das Rennen genau in der Vorweihnachzeit

Warten auf das Christkind

Noch will aber niemand den Teufel an die Wand malen, das wichtige Weihnachtsgeschäft ist eben erst angelaufen. Auch die letzte Möglichkeit, an der Preisschraube zu drehen, kann noch ausgeschöpft werden. "Trotz milden Wetters gibt es noch keinen wilden Abverkauf. Alle wollen noch um das Weihnachtsgeschäft kämpfen. Aber spätestens danach beginnt die Preisschlacht", meinte Schwarting.

Österreichs Sporthandel erwirtschaftet im Jahr einen Umsatz von 1,6 bis 1,7 Mrd. Euro. In den vergangenen zwei Jahren ist die Branche gehörig umgekrempelt worden. Sports Direct kaufte Sport Eybl/Sports Experts, Sport 2000 rückte mit Gigasport zusammen. Intersport Österreich ging an Intersport Deutschland. Da Sports Direct beschloss, die Marken Eybl und Sports Experts bis auf ganz wenige Standorte einzustampfen, kam es zu einer Umverteilung. Ehemalige Eybl-Kunden vermissen beim Diskonter Sports Direct die Beratung und das frühere Sortiment, heißt es. Der britische Riese hat kaum Hartware wie Skier, Skischuhe oder Räder, dafür umso mehr Schuhe und Bekleidung. Die Waren, die noch von Eybl übrig sind, werden seit einigen Monaten zu Schleuderpreisen verkauft.

Die oberösterreichische Einkaufsorganisation Sport 2000 sieht sich als einen Gewinner dieser Umstrukturierungen. An Sport 2000 (483 Mio. Euro Umsatz) sind in Österreich, Tschechien und der Slowakei Händler an 475 Standorten angeschlossen, darunter auch 17 Gigasport-Geschäfte. Bis Ende 2015 soll die Standortzahl auf 500 wachsen. Beim Umsatz soll heuer die 500-Millionen-Euro-Marke geknackt werden. Knapp zwei Drittel des Umsatzes machen Sport-2000-Händler in Tirol, Vorarlberg und Salzburg.

Schätzungen zufolge gibt es 200 bis 300 Sporthändler in Österreich, die keinem Verband zuzurechnen sind. Einige davon will Sport 2000 gewinnen und unter sein Dach bringen, so Schwarting. "Das sind vor allem Spezialisten in den Bereichen Outdoor, Laufsport und Räder."