Mariahilfer Straße neu: Triste Bilanz für Geschäfte

Kein Verkehr, dafür mehr Flanierer mit weniger Geld in der Tasche: Die Bilanz der Mariahilfer Straße nach der Umgestaltung.

Kein Verkehr, dafür mehr Flanierer mit weniger Geld in der Tasche: Die Bilanz der Mariahilfer Straße nach der Umgestaltung.

Der Preis für die Umgestaltung der Mariahilfer Straße in eine Fußgänger Zone ist hoch: Sinkende Umsätze durch geringere Kaufkraft. Seitengassen veröden, Keiler breiten sich aus. Die vielfältigen Ursachen der schwachen Bilanz.

Die Luxusabteilungen der großen Kaufhäuser in der Mariahilfer Straße und die kleinen Geschäfte im gehobenen Sortiment spüren die Veränderungen, die durch den Umbau in eine Fußgänger- und Begegnungszone von statten ging, bereits deutlich. Sie haben ihre Ware im Top-Segment vielfach zurückgefahren und sich auf die neuen, weniger zahlungskräftigen Kunden eingestellt. Das bestätigt nun auch der Obmann der Wirtschaftskammer, Sparte Handel, Rainer Trefelik. "Wir haben zwar teilweise mehr Frequenz, aber weniger Kaufkraft." Das heiße: Es wird weniger teuer gekauft.

Teure Taschen nun als Ladenhüter

Gerade unter Tags verreibt sich dort nun gerne jüngeres Publikum die Zeit. Das wiederum vertreibt jene, die bereit sind viel Geld auszugeben. Das Kaufverhalten des neuen Publikums hat Auswirkungen auf das Angebot: "Es dreht sich das Segment", analysierte Trefelik. Das veranschaulichte er anhand eines Beispiels: "Wenn ich die teure Tasche nicht verkaufen kann, sondern mehr aus dem billigeren Genre, dann muss ich mich drauf einstellen."

Mangelnde Zufahrt zu Geschäften bremst Großeinkäufe

Der Umsatzrückgang werde aber auch dadurch verursacht, dass schwer transportable Gegenstände nun weniger häufig gekauft würden.

Massive Rückgänge in Nebenstraßen

Noch härter trifft die Veränderung die Geschäfte in den Nebenstraßen. Dort gebe es "massive Umsatzrückgänge": "Die zahlen den Preis." Auch die Garagen seien massiv weniger ausgelastet.

Flaniermeile: Beste Bedingungen für Keiler

Probleme sieht der Interessenvertreter auch durch "Keilerorganisationen", deren Mitglieder auf der Mariahilfer Straße nun verstärkt unterwegs sind. Wenn sich dauernd Keiler vor den Passanten aufbauen, "dann wird das Shoppingerlebnis grenzwertig". Sein Ziel ist es, dies in "geordnete Bahnen" zu lenken und verwies dabei auf bereits bestehende Regelungen für Straßenmusiker.

Ring-Veranstaltungen verursachen bis zu 50 Prozent Umsatzrückgang

Als Problem betrachtet der Handelsobmann außerdem die zahlreichen Veranstaltungen auf dem Ring, für die die Straße auch gesperrt werden muss. Bisher habe es in diesem Jahr bereits 81 Ringsperren gegeben: "Das ist too much", kritisierte Trefelik. Hunderte Lieferanten, Kunden und Geschäftsleute seien dadurch zu Umwegen gezwungen worden und Betriebe hätten Umsatzrückgänge von bis zu 50 Prozent an solchen Tagen gemeldet.

Auch aus diesem Grund hat die Wiener Wirtschaftskammer ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, das sich mit der Frage beschäftigte: Was ist eine Demonstration und was ist eine Veranstaltung? Das Gutachten komme zum Schluss, dass es durchaus eine Interessenabwägung geben könne, so Trefelik. Eine stärkere Trennung von Demonstration und Veranstaltung seitens der Behörde wäre möglich.

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