„Margen von Tankstellen massiv unter Druck“

„Margen von Tankstellen massiv unter Druck“

Zur Person: Jürgen Roth, ist Obmann des österreichischen Energiehandels und Geschäftsführer des steirischen Heizöl- und Diesel-Tankstellenbetriebs Roth, der auch Tankstellenshops betreibt. Das Unternehmen machte 2013 mit rund 300 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 1,25 Milliarden Euro.

Format: Im Mai gibt es gleich mehrere Feier- und Fenstertage. Der Spritpreiskorridor wird derzeit von der Regierung nicht vorgeben. Werden die Preise vor und während der Feiertage steigen?

Roth: Vor Ostern gab es auch keinen Spritpreiskorridor und die Preise sind aber sogar noch gefallen. Solche Befürchtungen sind also unbegründet. Generell sind die Spritpreise in den vergangenen drei Jahren zurückgegangen. Trotzdem gelten Tankstellenbetreiber als Abzocker, aber das stimmt nicht. Diese Fehleinschätzung wollen wir nun mit einer Imagekampagne ändern. Wir haben dafür die Kunstfigur Superpetro geschaffen, mit Hilfe der wir aufklären wollen was Tankstellen leisten.

Die Menschen müssen, wenn sie Sprit wollen, ohnehin zu einer Tankstelle fahren, die Nachfrage wird ohnehin kaum sinken. Lohnt sich der Aufwand einer Imagekampagne?

Roth: Das Problem ist, dass die Margen der Tankstellen derzeit massiv unter Druck sind und immer mehr Betreiber deshalb ihr Konzept umstellen müssen und statt bemannte auf günstigere unbemannte Tankstellen umsteigen. Denn aufgrund der niedrigen Spritpreisen lässt sich nicht viel Geld verdienen. Der Spritpreis in Österreich liegt verglichen mit anderen EU-Staaten unter dem Durchschnitt. So kostet Eurosuper 95 mit Stand 28. April in Österreich 1,38 Euro. In Deutschland zahlt man dafür 1,60 Euro, in Italien 1,74 Euro und in der Slowakei 1,44 Euro.

Wie hoch sind die Gewinnspannen in der Branche?

Roth: Tankstellenbetreiber verdienen im Schnitt gerade einmal fünf Cent pro Liter Sprit. Zum Vergleich: In der Schweiz sind es 18 Cent. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass der Tanktourismus nach Österreich hoch ist. Dieser macht bereits ein Drittel des Gesamtumsatzes aus.

Das bedeutet wohl auch dass die Spritpreise in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern Europas relativ niedrig sind?

Roth: Ganz genau. Mitte April etwa betrug der Preis für einen Liter Diesel in Großbritannien, dem Land mit aktuell dem höchsten Spritpreis 1,644 Euro. Der Mittelwert in der EU liegt bei 1,408 Euro. In Österreich kostet derselbe Sprit dagegen nur 1,316 Euro.

Warum sind die Margen in Österreich so niedrig?

Roth: Das ist die Macht des Marktes. In Österreich ist die Dichte der Tankstellen mit 2.500 Standorten extrem hoch. In Italien etwa muss man 50 bis 80 Kilometer fahren, um zur nächsten Tankstelle zu fahren. Bei uns sind die Abstände wesentlich kürzer. Damit ist auch der Umsatz pro Tankstelle in anderen Ländern höher. Bei Tankstellen in Ungarn ist dieser etwa doppelt so hoch wie bei österreichischen. Die Spritpreisdatenbank hat das Margenproblem weiter verschärft.

Warum wirkt sich die Spritpreisdatenbank Ihrer Ansicht nach für die Betreiber negativ aus?

Roth: In keiner anderen Branche werden tagesaktuell online die Preise verglichen. Kein Wunder, dass die Betreiber sich gegenseitig unterbieten und die Preisspirale weiter nach unten geht.

Zumindest für den Konsumenten ist die Entwicklung erfreulich.

Roth: Allerdings nur auf den ersten Blick. Kunden sind beim Spritpreis extrem preissensibel und sind bereit für geringfügig billigeren Sprit auch weitere Strecken in Kauf zu nehmen. Aber der Aufwand lohnt sich nicht. Am Ende des Jahres ist die Ersparnis gleich Null. Und weniger Margen bedeuten mehr unbemannte Tankstellen.

Viele Tankstellen sind ohnehin in der Hand großer Ölmultis, viele Betreiber eigentlich nur noch Angestellte dieser Konzerne. Diese müssen auch mit den geringen Margen zurechtkommen.

Roth: Das hat sich in den vergangenen Jahren stark geändert. Denn diese Oligopol Struktur ist aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks in Österreich nicht mehr vorhanden. In anderen Ländern liegt der Anteil der Ölmultis zwischen 80 und 90 Prozent. In Österreich ist dieser Anteil im Tankstellensektor auf nur mehr 40 Prozent geschrumpft. Esso, Aral oder Mobil sind beispielsweise hierzulande schon lange nicht mehr vertreten. Das Geschäft haben österreichische mittelständische Betriebe übernommen. Das gleiche gilt für das Detailgeschäft, wie für Schmiermittel oder Heizöl. Auch aus diesem Bereich haben sich viele Konzerne bereits zurückgezogen.

Sind Tankstellen ohne Personal denn so störend?

Roth: Die Menschen werden erst, wenn es bemannte Tankstellen mit ihren umfangreichen Serviceleistungen nicht mehr gibt, merken was ihnen fehlt. Aber es wird auch die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche, die derzeit bei rund 15.000 liegt, durch diese Entwicklung drastisch zurückgehen.

Wäre es nicht am besten Betriebe, die sich nicht rechnen zu schließen? Dann würden auch die Margen wieder steigen?

Roth: Das ist leider nicht so einfach. Die Schließung einer einzigen Tankstelle kostet, aufgrund der hohen Rückbaukosten, rund 100.000 Euro. Unbemannte Tankstellen sind für Betreiber daher oft der letzte Ausweg.

Welche Tankstellen zählen zu den größten heimischen Betrieben?

Roth: Die Firmen Doppler, Stieglechner, Avia und auch unsere Firma, Roth, zählen zu den größten mittelständischen Tankstellen-/Energieunternehmen Österreichs.

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