Lufthansa-Chef Spohr bestätigt zentrale Rolle Wiens bei Eurowings

Eurowings, die neue Billigtochter der AUA-Mutter Lufthansa, setzt stark auf die österreichische Bundeshauptstadt. Die Europazentrale wurde vor kurzem in Wien gegründet. , was den Konflikt mit den Lufthansa-Piloten weiter anheizt.

Lufthansa-Chef Spohr bestätigt zentrale Rolle Wiens bei Eurowings

Eurowings: Die Neue Lufthansa-Tochter soll den Billigflugmarkt aufmischen.

Eurowings sei die Antwort auf die zunehmende Billigkonkurrenz am Lufthansa-Heimatmarkt, so Spohr. Dazu zählt der Airlinemanager auch Österreich. Spohr sagte, er halte Eurowings notwendig für die Zukunftsfähigkeit von Europas größtem Luftfahrtkonzern. Die Antwort könne nur sein: "Wir machen mit."

Barcelona ab 39,99 Euro (nonstop ab Wien), auch London, Palma de Mallorca oder Rom werden angepriesen. Geflogen wird ab 9. November. Im Hintergrund formiert sich die Mannschaft. Dieter Watzak-Helmer, erfahrener Pilot mit Management-Know-how, und Consulter Max Kownatzki - beide waren im Lufthansa-Konzern schon tätig - werden den Aufbau der Europazentrale von Eurowings vorantreiben. Eine Eurowings Europe GmbH wurde Mitte August in Wien gegründet.

Die deutsche Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die seit heute wieder mit Streik droht, stört vor allem das Auslagern von Eurowings-Flugzeugen ins Ausland, unter anderem nach Österreich. "Ausflaggen ist das genaue Gegenteil eines Bündnisses für Wachstum und Beschäftigung", erklärte VC-Sprecher Markus Wahl in Frankfurt. Spohrs Konter aus Wien: Die Bereederung von außerhalb eines Landes sei im Low-Cost-Segment normal.

Nicht nur das: 40 Prozent unter den Lufthansa-Kosten sollen die Kosten bei Eurowings liegen. 44.000 Euro Grundgehalt bekommt ein neuer Kopilot bei Eurowings, die Lufthansa zahlt 65.000. Der Druck innerhalb der Gruppe, vor allem auf die gut verdienenden Piloten der Lufthansa, wird dadurch höher werden.

Ehrgeizige Ziele

Mit Eurowings hat sich der Lufthansa-Konzern vorgenommen, unter die top drei der Low-Cost-Carrier Europas vorzustoßen. Mehr als 100 Flugzeuge sind das Ziel. Auch die bisherige Konzerntocher Germanwings soll mittelfristig in Eurowings aufgehen. Spohr ist auch bereit, bei Eurowings andere Fluglinien, die bisher Konkurrenten sind, mit an Bord zu lassen. Der Ansatz eigne sich für Airlines vor ähnlichen Herausforderungen wie Lufthansa und sei eine "offene Plattform", betonte er. Eurowings hat auch Langstrecken im Programm, die ersten starten im Herbst von Köln-Bonn aus in die Karibik, nach Thailand und Dubai.

Am Flughafen Wien werden vorerst zwei Eurowings-Flugzeuge stationiert, das Personal stellt dafür die AUA. Spohr stellte aber mehr Eurowings-Flieger in Aussicht, sollte es entsprechende Marktchancen geben. "Wir sehen hier Bedarf", erklärte Spohr. Es gebe in Wien-Schwechat noch nicht so viel Angebot im Billigsegment. Es gehe darum, das Geschäft nicht den "englischen Konkurrenten" zu überlassen, gemeint sind die Billigflieger easyJet und Ryanair.

Die umstrittene Buchungsgebühr von 16 Euro, die die Lufthansa seit 1. September konzernweit, also auch bei AUA, Swiss und Brussels, auf alle GDS-Buchungen einhebt, verteidigte Spohr. Reisebüros hatten im Vorfeld damit gedroht, Buchung von der Lufthansa-Gruppe "wegzusteuern". "In den Buchungszahlen von heute und gestern sehen und spüren wir da nicht", sagte Spohr.

Zur Sanierung der Austrian Airlines (AUA) sagte Spohr, dass die österreichische Tochterairline zwar keine Verluste mehr mache, aber noch nicht dort sei, wo die Schweizer Tochter Swiss ist. Die Swiss habe eine Bestellung von neuen Langstreckenflugzeugen aus eigener Kraft gestemmt. "Der Gewinn, wo er heute ist, reicht noch nicht. Ich bin mir sicher, da steckt in der AUA noch mehr Substanz", so Spohr. Nichtsdestotrotz stellte er weiteres Wachstum auf der Langstrecke ab Wien in Aussicht.