Kundenkampf im Sportfachhandel: Intersport gegen Sports Direct

Kundenkampf im Sportfachhandel: Intersport gegen Sports Direct
Kundenkampf im Sportfachhandel: Intersport gegen Sports Direct

Im Sportartikel-Fachhandel werden die Karten neu gemischt.

Intersport will die früheren Sport Eybl Stammkunden zurück in den Verbund der Sportfachhändler lotsen. Ehemalige Eybl-Stammkunden, die ihre Kundenkarten gegen eine neue Intersport-Stammkundenkarte eintauschen, erhalten 50 Euro als Willkommensgeschenk. Der britische Sportartikelfachhändler Sports Direct, der Eybl im Frühjahr übernommen hat, versucht das mit einer Wettbewerbsklage zu verhindern.

Der britsche Sportdiskonthändler Sports Direct ist dem heimischen Sportfachhandel seit der Übernahme von Sport Eybl und der zu Eybl gehörenden Kette Sports Experts im Frühjahr ein Dorn im Auge. Jetzt vor Weihnachten, da im Sportfachhandel traditionell die besten Geschäfte gemacht werden, spitzt sich die Lage zu. Im Wettbewerb um die Kunden schenken sich Intersport, der Verband der mittelständischen Sportartikelfachhändler, aus dem Eybl einst groß geworden ist, und Sports Direct nichts mehr.

In einer gezielten Werbeaktion ködert Intersport die früheren Sport Eybl Kunden mit einem Willkommensgeschenk von 50 Euro ab einem Einkauf von 100 Euro, wenn gleichzeitig die alte Eybl-Stammkundenkarte gegen eine neue Intersport-Karte eingetauscht wird. Sports Direct hat dagegen eine Klage bei der Wettbewerbsbehörde eingebracht.

Kunden-Werbeaktion von Intersport

Mit Kundenkarten zum Erfolg

Sport Eybl war in Österreich eines der ersten Unternehmen, das auf Kundenkarten setzte, um treue Stammkunden an sich zu binden. 1976 hatte Eybl das erste Großflächen-Sporthaus im Zentrum von Linz eröffnet und bald darauf begonnen, Kundenkarten auszugeben und diesen Stammkunden am Ende jedes Jahres eine Gutschrift von drei Prozent auf sämtliche Einkäufe zukommen zu lassen. Zahlreiche weitere exklusive Angebote und Aktionen für Karteninhaber ließen die Zahl der Stammkunden schnell ansteigen und machten Sport Eybl zum größten Sportartikeleinzelhändler Österreichs mit einem Marktanteil von rund 25 Prozent, insgesamt zuletzt 55 Filialen in Österreich und Deutschland, wovon 26 unter der Marke Sports Experts geführt wurden, und über 2200 Mitarbeitern.

Die Kehrseite der Expansion waren die damit verbundenen hohen Kosten. Im Jahr 2013 war die Kette so weit in die roten Zahlen gerutscht, dass die Familie Eybl die Mehrheit ihres Unternehmens (51 Prozent) an Sports Direct abgeben musste, um die Bankverbindlichkeiten abdecken zu können. Sports Direct zahlte bei der von der Bundeswettbewerbsbehörde genehmigten mehrheitlichen Übernahme 10,5 Millionen Euro für den 51-Prozent.-Anteil an Eybl und brachte zusätzlich 30 Millionen neues Eigenkapital in das Unternehmen ein. Mit 2. April 2014 nutzte Sports Direct das Vorkaufsrecht auf die verbliebenen Sport Eybl Anteile und übernahm die restlichen 49 Prozent des Unternehmens.

Das Ende der Eybl-Karten

Vielen Eybl-Stammkunden war bald darauf klar, dass ihre Stammkundenkarten mit der Übernahme und der darauf folgenden Umbenennung der Sport Eybl und Sports Experts Häuser in Sports Direct wertlos geworden sind. Mitte Oktober erhielten die früheren Eybl-Stammkunden schließlich eine E-Mail, in der Sports Direct offiziell das Ende der Sports Eybl Kundenkarte erklärte.

"Damit ist auch der richtige Zeitpunkt gekommen, das alte Kundenbonus-Programm über eybl-Vorteilskarten auslaufen zu lassen. Es war vor Jahrzehnten eine Innovation, aber inzwischen schleppen wir alle genug Plastikkarten mit uns herum. Und die hohen Verwaltungskosten, die das Kundenkarten-Programm verursacht hat, geben wir ab jetzt lieber als direkte Preisvorteile bei jedem Einkauf an Sie als Kunden weiter", schrieb Sports Direct an die Kunden.

"Zusätzlich schenken wir Ihnen als Dankeschön für die vielen gemeinsamen Jahre auch noch einen Rabatt von minus 10% auf Ihren nächsten Online-Einkauf", heißt es in dem Mail weiter. Und um das Kundenkarten-Programm abschließen zu können wurden die Stammkunden aufgefordert, verbliebene Bonus-Gutschriften bis Jahresende einzulösen, da diese sonst verfallen würden.

Diese Lücke will nun Intersport füllen und bietet den früheren Eybl-Stammkunden mit der neu geschaffenen Intersport-Karte ein neues Zuhause, inklusive des erwähnten 50-Euro-Willkommensgeschenk. Das will Sports Direct nun per Gericht verhindern. Die Briten haben beim Handelsgericht eine Wettbewerbsklage gegen Intersport eingebracht, um die bis zum 29. November 2014 angesetzte Abwerbe-Aktion verbieten zu lassen.

Intersport Vertriebs- und Marketingchef Franz Koll gibt sich indessen gelassen. Dass Sports Direct verhindern will, dass ein Wettbewerber eine Aktion startet, um die, wie er es nennt "offiziell verabschiedeten Kunden" zu gewinnen, amüsiert ihn. Den österreichischen Sportfachhandel sieht er durch den Markteintritt von Sports Direct in einer völlig neuen Situation. Die Karten würden nun neu gemischt. Nicht zuletzt wäre das Weihnachtsgeschäft des Jahres 2014 entscheidend, wie der Markt in Zukunft aufgeteilt wird.

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