Karl Wlascheks Nachlass: Immobilien-Privatstiftung für die Ewigkeit

Karl Wlascheks Nachlass: Immobilien-Privatstiftung für die Ewigkeit
Karl Wlascheks Nachlass: Immobilien-Privatstiftung für die Ewigkeit

Bei der Auswahl seiner Frauen zeigte der Milliardär weniger Geschick als bei seinen Immobilien. Sagte er selbst. Im Bild mit Ehefrau Nummer fünf, Friederike.

Der weitblickende Milliardär, Immobilien-Tycoon und Billa-Gründer Karl Wlaschek hat über seinen Tod hinaus vorgesorgt: Nahezu das gesamte Vermögen des Selfmade-Milliardärs wurde in die "Karl Wlaschek Privatstiftung" eingebracht. Eine Zerschlagung des von ihm aufgebauten Reiches ist damit praktisch unmöglich.

Mehr als 200 Immobilien zählen zum Portfolio des am 1. Juni verstorbenen Milliardärs Karl Wlaschek. Der Gesamtwert beläuft sich auf über vier Milliarden Euro. Das Schlosshotel Velden war Wlascheks emotionalster Kauf. In Wiens Innenstadt umfasst das Imperium mehr als 60 Luxusobjekte, darunter die Palais Ferstel und Kinsky, das frühere Grasser-Penthouse am Wiener Ring sowie die historische Wiener Börse am Ring.

Eigentlich hätte Karl Wlaschek ja 100 Jahre alt werden wollen. Und diejenigen, die in den letzten Jahren Kontakt zu ihm hielten, hätten ihm das auch zugetraut. "Er war nach wie vor rüstig und bis zuletzt völlig klar im Kopf", berichtet ein Freund der Familie. Zwar kam es vor, dass der 97-Jährige gelegentlich während eines Gesprächs einschlief. Auch der Rollator wurde immer öfter sein Begleiter, doch der Tod des drittältesten Milliardärs der Welt kam für alle in seinem Umkreis überraschend.

Wlaschek, dessen Vermögen zum Zeitpunkt seines Todes auf 4,7 Milliarden Euro geschätzt wurde, hat hingegen nicht daran geglaubt, dass er einmal so alt werden könnte. Weil der steinreiche Selfmademan mit einem viel früheren Ableben rechnete, brachte er auch schon vor Jahren Ordnung in sein Vermögen. Nahezu alle Vermögenswerte, überwiegend Immobilien, liegen in seiner 1994 errichteten Karl Wlaschek Privatstiftung. In den drei unter der Stiftung angesiedelten Immobiliengesellschaften Amisola, Estrella und Novoreal befinden sich die insgesamt mehr als 200 Immobilien, die im Besitz von "KaWe", wie Wlaschek unter Freunden genannt wurde, standen. Die Stiftungslösung ist auch Garant dafür, dass es zu keinem Abverkauf der Immobilien kommen wird.

Vier Prachtimmobilien aus dem Wlaschek-Nachlass: Die Wiener Börse am Ring, das Palais Ferstel, das Schlosshotel Velden und das Palais Kinsky (von links oben im Uhrzeigersinn).

Von Anwälten kontrolliert

In dieser Stiftung haben als Vorstände drei Berater das Sagen: Anwalt Albert Birkner, Steuerberater Günter Cerha und Wirtschaftsprüfer Cornelius Kodrnja. Ihnen zur Seite steht ein Beirat, der sich aus Familienmitgliedern und Immobilienexperten zusammensetzt. Als Begünstigte der Stiftung gelten Wlascheks letzte Frau Friederike Schenk, die er erst 2012 geehelicht hat, sowie die beiden Kinder, Karl Philipp Wlaschek junior, inklusive deren Nachkommen sowie Tochter Maria-Luise samt ihrer Tochter. Allerdings wird darum - so wie um die genaue Zusammensetzung des Beirats - ein großes Geheimnis gemacht.

In der Ausgestaltung seiner Stiftung war Wlaschek, der in seinen Geschäftsentscheidungen von Weggefährten als äußerst "unprätentiös und unsentimental" beschrieben wird, sehr präzise: Primärer Zweck ist die Begünstigung der Allgemeinheit, etwa durch die Sanierung wichtiger Palais, nur zweitrangig ist die Ausschüttung von Einnahmen an Begünstigte. Einer der wichtigsten Grundsätze in der Stiftung: Sie darf keine Kredite und Darlehen aufnehmen. Und für den Fall der Veräußerung einer Immobilie muss binnen drei Jahren wieder eine neue hinzukommen. Alles wohl durchdacht also.

Überhaupt führte Wlaschek sein Immobilienimperium bis zuletzt mit großer Umsicht. "Die Immobiliengesellschaften sind ausgezeichnet gemanagt. Die Einkaufsüberlegungen sind sehr risikoavers. Diese Strategie ist in den letzten Jahren voll aufgegangen", streut Immobilienmann Michael Ehlmaier, ein Geschäftspartner Wlascheks, diesem Rosen. Bis zuletzt habe sich der rüstige Selfmade-Milliardär in Immobilien-Käufe aktiv eingebracht. Legendär ist auch sein Sager: "Ruh geb ich erst, wenn ich sterb."

Wlascheks Vertraute

Bei Wlaschek genoss Michael Mitterdorfer, den er 1996 von der Immofinanz abgeworben hat, volles Vertrauen. Mitterdorfer ist Vorstand in allen drei Immobiliengesellschaften Wlascheks und soll es auch weiterhin bleiben. Hingegen soll das Verhältnis zu Sohn Karl Philipp, der lange Zeit als Kronprinz galt, beträchtlich abgekühlt sein. Dies soll einerseits an der unterschiedlichen Einstellung der beiden Männer zum Immobiliengeschäft, andererseits aber auch daran liegen, dass beide als sehr starke Persönlichkeiten gelten. Dem Senior soll es nicht gefallen haben, dass der Junior ein großes Immobilienpaket -Citec I -bereits nach zwei Jahren wieder verkauft hat. Immobilien, so Wlascheks Ansicht, sind eine langfristige Investition. Für die Ewigkeit.

Kurze Zeit nach diesem von Wlaschek nicht goutierten Verkauf schied Karl Philipp aus den Aufsichtsgremien der drei Immo-Gesellschaften aus. Doch der Filius werkt auch abseits des väterlichen Imperiums weiter in der Branche. Über seine vom Vater mitfinanzierte "Ermione Privatstiftung" besitzt er rund ein Dutzend Häuser in Wien, einige in Berlin und Shoppingcenter in Bulgarien. Sein Versuch, mit dem Lokal "Orlando di Castello" in der Gastroszene Fuß zu fassen, war hingegen nicht von Erfolg gekrönt. Anders bei der Wlaschek-Enekelin Monika, die in Wien Hernals höchst erfolgreich das Gasthaus Klee etabliert hat.

Der Karl-Wlaschek-Clan: Der verstorbene Milliardär war fünfmal verheiratet.

Wiens Gönner und Stifter

Die Stadt Wien hat von Wlascheks Liebe zu Immobilen sehr profitiert. Allein in der Innenstadt gehören 60 meist luxuriöse Objekte zum Portfolio des umtriebigen Billa-Gründers. "Wlaschek hat zur Weiterentwicklung der Stadt maßgeblich beigetragen", würdigt auch Zinshaus-Experte Günter Kerbler das Wirken seines Vorbilds. Denn Wlaschek hat auch stets darauf geschaut, dass seine Palais gut in Schuss sind. "Die sehr gut gemanagten Häuser und Wohnungen sind für die Mieter immer in erstklassigem Zustand. Er sagte immer, die Kunden müssen gut bedient werden", erinnert sich Makler Eugen Otto, der mit Wlaschek erst vor Kurzem ein Interview führen durfte.

Abseits des beträchtlichen Immobilienvermögens ist über Luxusgüter im Wlaschek-Besitz nichts überliefert. Keine Yachten, keine Privatjets. Er unternahm auch keine superteuren Reisen -der drittreichste Österreicher ist trotz seiner Milliarden nie abgehoben. Lediglich Maßhemden gönnte er sich. "Karl Wlaschek ist trotz seines Erfolgs immer am Boden geblieben. Oft sagte er, er sei dankbar, dass der Herrgott es so gut mit ihm gemeint hat", erinnert sich sein Vertrauter, ÖRAG-Vorstand Stefan Brezovich. Nur das Ziel, 100 Jahre alt zu werden, hat ihm der Herrgott nicht ganz erfüllen wollen.

Artikel aus FORMAT Nr. 23/2015 vom 5. Juni 2015
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