"Jodeln und Mozartkugeln werden Wohlstand nicht erhalten"

"Jodeln und Mozartkugeln werden Wohlstand nicht erhalten"
"Jodeln und Mozartkugeln werden Wohlstand nicht erhalten"

Voestalpine-Betriebsrat Hans-Karl Schaller

Voestalpine Betriebsratschef Hans-Karl Schaller mahnt mehr Verständnis für Österreich als Industriestandort ein: "Ein Land ohne Industrie wäre vielleicht besonders idyllisch, aber nur vom Jodeln und Mozartkugeln Verkaufen werden wir unseren Wohlstand nicht halten." Schaller klagt auch die offene Technikfeindlichkeit im Bildungssystem, die schon im Kindergarten ihren Anfang nehme, an.

Aus Sicht des voestalpine-Konzernbetriebsratschefs Hans-Karl Schaller ist im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit ein Pakt zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft notwendig. Dafür brauche es die "drei V" verstehen, vertrauen, verändern. Höre er aber der Politik zu, so orte er eher verordnen, verwirren, verärgern. So sorgte Schaller für einige Lacher im Publikum bei einer AK/ÖGB-Veranstaltung.

Schaller bedauerte, dass Misstrauen vorherrsche, meist glaube jeder, die anderen würden ihn über den Tisch ziehen wollen. Außer Streit müsse das Bekenntnis zur Industrie stehen, so Schaller. Ein Land ohne Industrie wäre vielleicht besonders "idyllisch, aber nur vom Jodeln und Mozartkugeln Verkaufen werden wir unseren Wohlstand nicht halten". "Technikfeindlichkeit" werde aber teils schon im Kindergarten gelehrt, die Industrie sei schmutzig - "und dann wundert man sich, wie schwierig es ist, Frauen in die Technik zu bringen".

Also ist auch aus Sicht Schallers der wesentliche Punkt beim Standortthema die Bildung. "Bildung ist so wichtig, weil die Hirne der einzige Rohstoff der Österreicher sind."

Planungssicherheit sie es zudem, was sein Konzern vor allem brauche. Die voestalpine könne nicht einen Hochofen einfach verlegen, wenn dieser einmal steht, spielte Schaller auf Aussagen seines Chefs Wolfgang Eder vom Jahresanfang an, der angedeutet hatte, dass die voestalpine bei einer Entscheidung über einen Hochofenneubau in einigen Jahren womöglich Abstand vom Sitz in Linz nehmen könnte. Diese Aussagen sorgten durchaus sogar bei Eltern von voestalpine-Lehrlingen für Verunsicherung, so Schaller. Es habe Anrufe gegeben, ob das Kind überhaupt noch bei der voestalpine fertig lernen könne. Auch von Zulieferern habe es Anrufe zum Thema gegeben, "das schreckt auch Investoren ab", deutete Schaller etwas Kritik an. Es gehe darum, wie man die notwendige Planungssicherheit "'umme' bringt unter die Leute".

Problem Klima

Bei der Planungssicherheit für die voestalpine dreht es sich um einen guten Teil um Klimavorgaben. Wenn man heute nicht wisse, was es in Zukunft koste, sei das schwierig, implizierte Schaller. Schließlich gehe es für die voestalpine "ja nicht um die Investition in ein paar neue Schreibtische", betonte der Betriebsratschef doch noch, dass beim Thema Planungssicherheit "kein Blatt Papier" zwischen ihn und den Konzernchef passe. "Wir brauchen um Gottes Willen ein klares Bekenntnis zur Umwelt. Wir sagen es ja immer, wir Voestler sind Greenworker beim Stahlerzeugen."

Die fünf voestalpine-Hochöfen gehörten unter die zehn saubersten der Welt. Das will die voestalpine auch honoriert wissen: "Jene Stahlerzeuger, die saubersten Stahl erzeugen, sollen so honoriert werden, dass sie keine Zertifikate kaufen brauchen", forderte Schaller. Ein solches "Benchmark-Modell" solle beim Weltklimagipfel nächstes Jahr in Paris angeschaut werden.

ÖBB-Chef Christian Kern lobte die voestalpine im Rahmen der AK/ÖGB-Enquete zum Thema "Industriestandort Österreich - Wie geht es weiter?" als Innovationsweltmeister. Kern brachte ein Beispiel, warum öffentliche Investitionen in Forschung und Entwicklung "außer Streit gestellt" gehörten. Derzeit verlege die voestalpine Weichen zwischen Peking und Shanghai sowie zwischen Moskau und St. Petersburg für Hochgeschwindigkeitsstrecken. "Diese Weichen wurden von der voestalpine gemeinsam mit den ÖBB entwickelt", so Kern. "Wir hatten die Gelegenheit hier öffentliches Geld zu investieren - und dahinter steht eine unglaublich innovative heimische Industrie und eine Reihe weiterer heimischer Unternehmen mit der Bahn als Innovationsplattform", spielte der ÖBB-Chef auf Wertschöpfung an, die so in Österreich erzielt werde.

Politik der leeren Kassen

Siemens-Österreich- und IV-Wien-Chef Wolfgang Hesoun erinnerte daran, dass die Politik wegen leerer Kassen derzeit praktisch keinen Handlungsspielraum habe. Also gehe es darum, überhaupt wieder politischen Handlungsspielraum im Sinne eines Wachstumstreibers herzustellen. "Aus meiner Sicht muss, um mittelfristig Erfolge zu erzielen, wirklich bei den Ausgaben angefangen werden - bis tief in den Föderalismus hinein."

"Wir sind gut, wenn wir nicht bald was tun, dann werden wir nicht mehr gut sein", sagte ÖGB-Chef Erich Foglar abschließend. Hier gehe es sehr um die Bildung - es gehe darum, weiterzulernen, das hänge wiederum mit dem altersgerechten Arbeiten zusammen. Die zwei wesentlichen Themen seien erstens die grundsätzlichen Voraussetzungen für die Menschen mit dem Bildungssystem als "Um und Auf"; zweitens gehöre dazu, um "zukunftsfit" zu sein, die Erhaltung des Industriestandortes Österreich. Parteiübergreifend brauche es hier einen nationalen Konsens.

Diese Themen gehörten auch diskutiert, wenn man über eine ÖIAG-Neu diskutiere, so Foglar. Die ÖIAG solle unterstützen können, bis österreichische Aktionäre in einem innovativen Unternehmen einsteigen könnten, um die Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich zu halten.

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