Investieren in Start-ups: Tipps von Profi-Investor Hermann Hauser

Hermann Hauser, IT-Pionier und Investor

Hermann Hauser, IT-Pionier und Investor

Der österreichische Ingenieur Hermann Hauser beteiligte sich 1978 an der Firma Acorn, die den berühmten ARM-Prozessor entwickelte - dieser wurde später massenfach in Tablets und Smartphones verwendet. Heute ist Hauser als Investor im Raum Cambridge unterwegs; im Interview mit format.at erklärt er, warum Österreichs Gründerszene floriert und wie man am besten in die jungen Start-ups investiert.

Format.at: Sie haben sich mit dem ARM-Prozessor, der heute weltweit in Tablets und Handys verwendet wird, einen Namen gemacht und sind nun als Investor tätig. Wenn Sie heute als Geldgeber in Europa agieren, worauf achten Sie?

Ich habe immer drei Kriterien, in folgender Reihenfolge: Das wichtigste ist immer die Größe und Wachstumsrate des Marktes – wenn der Markt nicht da ist, kann auch ein gutes Team mit guter Technologie kein großes Unternehmen daraus machen. Zweitens ist die Qualität der Leute wichtig; ich schau mich immer nach einem Star um: Wenn es einen technischen Star oder Management-Star gibt, ist es leicht, darum ein Team aufzubauen. Erst auf dem dritten Platz ist die Technologie; denn ich habe schon viele Fälle erlebt, in denen ein A-Team mit C-Technologie ein C-Team mit A-Technologie besiegt.

Format.at: Sie haben selbst gegründet in einer Zeit, als in Österreich noch niemand wusste, was ein Start-up ist. Wie hat sich aus Ihrer Perspektive die Szene hierzulande entwickelt?

Ich komme immer wieder nach Österreich zurück und wollte schon öfters hier investieren – aber jetzt scheint die Zeit wirklich reif dafür zu sein. Es herrscht Aufbruchstimmung; ich hätte mir niemals träumen lassen, dass sich im Rahmen eines Pioneers Festivals 3000 Leute in der Hofburg mit Entrepreneurship, Start-ups und Hochtechnologie befassen - das ist einfach wunderbar.

Format.at: Welche Faktoren tragen am meisten zum Wachstum der Szene bei?

Die Ökosysteme, die sich aufbauen – es hat auch in Cambridge lange gedauert, bis Anwälte, Steuerberater, Geldgeber und Unternehmen allesamt als Ökosystem zusammenarbeiten, um Start-ups zu unterstützen. Ich sehe jetzt, dass diese Gesellschaft in Österreich aufgebaut wird – das war vor fünf Jahren noch nicht der Fall.

Format.at: Gleichzeitig haben Österreicher noch die Mentalität, dass sie ihr Geld am liebsten aufs Sparbuch legen; „Beamter“ ist der Berufswunsch. Glauben sie, dass sich in der Mehrheit der Bevölkerung auch etwas tut?

Es ist nicht ganz so schlimm, wie Sie es beschreiben. Und man muss ja nicht 100 Prozent der Bevölkerung überreden, Entrepreneure zu werden; wir brauchen nur einen kleinen Prozentsatz der Leute, damit diese sich mit dem Thema auseinandersetzen und etwas unternehmen. Aber es ist natürlich auch wichtig, dass der Rest der Gesellschaft das nicht verhindert, sondern die Unternehmer und das Ökosystem unterstützt. Und ich habe das Gefühl, dass nun Politiker und Unternehmer zusammenarbeiten, um genau das zu ermöglichen.

Format.at: Es gibt auch die Überlegung, dass Crowdfunding eine Alternative zu Aktien und Fonds werden könnte. Ist Crowdfunding das Start-up-Investment für den kleinen Mann?

Ja. Und ich glaube, dass Crowdfunding ein gutes zusätzliches Instrument ist, um Start-ups zu finanzieren. Das wird auch in Österreich gut funktionieren.

Format.at: Auch für jemand, der nicht zur Top-Einkommensschicht gehört?

Der Vorteil des Crowdfunding ist, dass man verhältnismäßig kleine Beträge in Start-ups investieren kann. Über andere Instrumente ist das nicht möglich; über einen Venture Fonds muss man zum Beispiel doch größere Summen investieren – beim Crowdfunding kann man hingegen schon mit ein paar tausend Euro dabei sein.

Format.at: Aber wenn das Geld weg ist, ist es weg.

Stimmt. Aber das ist bei allen riskanten Investitionen so. Deswegen ist es wichtig, dass Leute, die in riskante Technologien investieren, dies nur mit einem kleinen Teil ihres Vermögens machen.

Format.at: Welchen Prozentsatz empfehlen Sie?

Zehn bis zwanzig Prozent des freien Kapitals, nicht mehr. Es kommt aber freilich auf die Größe des Vermögens an.

Format.at: Viele Österreicher fürchten sich vor Investments in neue Technologien, weil die Erinnerung an das Platzen der Dotcom-Blase noch sehr präsent ist. Sehen Sie die Gefahr, dass sich die Geschichte wiederholt?

Die Geschichte wird sich nicht wiederholen – vor allem deshalb, weil es die Dotcom-Blase schon gegeben hat. Die Leute wissen jetzt, was passieren kann und werden es deshalb in Zukunft vermeiden. Wird es Enttäuschungen geben? Natürlich. Und natürlich werden gewisse Firmen bankrottgehen; es gibt Firmen, bei denen man das ganze Geld verlieren wird. Aber im Durchschnitt überleben 70 Prozent der Firmen, in die man investiert – und dieser Prozentsatz der Erfolge wird umso höher, je reifer das Unternehmen ist.

Format.at: Auf wie viele Start-ups sollte man sein Risiko streuen, wenn man investiert?

In der Venture Capital-Industrie ist es üblich, dass ein Fonds zwischen 15 und 25 Firmen hat. Mathematische Modelle belegen, dass man ab 15 Investments eine recht gute Streuung hat.

Format.at: Sollte man sein Investment auch auf verschiedene Branchen streuen?

Je verschiedener die Investments sind, umso effektiver ist die Streuung. Wenn man sich auf einen bestimmten Sektor spezialisiert, kann man das Pech haben, dass dieser Sektor eine schwierige Zeit durchläuft. Solche Dinge sind schwer vorherzusagen; deshalb muss man Geduld haben und genug Geld beiseitelegen. Wenn man sich beteiligt, dann sollte man dies über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren tun und jedes Jahr ein bisschen investieren. Dann hat man auch die Streuung in der zeitlichen Dimension.

Format.at: Welche Sektoren sind zur Zeit bullisch, welche bärisch?

Mich interessieren besonders das Gesundheitswesen und die Anwendung des maschinellen Lernens auf das Gesundheitswesen. Denn durch Genomik und von Spitälern erfasste Daten gibt es einen regelrechten Datenschatz, der noch nicht ausgewertet worden ist. Hinzu kommen Sensoren, wie etwa Wearable Tech, die neue Datenmengen bringen und es erlauben, die Medizin zu personalisieren.

Österreichs Lehrer verbringen nur wenig Zeit mit Unterrichten

Österreich

Österreichs Lehrer verbringen nur wenig Zeit mit Unterrichten

Wirtschaft

Rewe will 30 Zielpunkt-Filialen übernehmen

Wirtschaft

Mateschitz und Benko checken bei Checkrobin ein