Österreichs Inflation sinkt auf 5-Jahres-Tief

Österreichs Inflation sinkt auf 5-Jahres-Tief

Der Ölpreis kommt europaweit beim Konsumenten an - auch in Österreich: Hierzulande fiel die Inflation im Dezember auf 1,0 Prozent, also den niedrigsten Wert seit 2010. Die Währunghüter der EZB sind besorgt, sie fürchten eine langfritige Deflation.

Die Inflation ist in Österreich im Dezember auf Grund des Ölpreisrückgangs auf 1,0 Prozent gesunken, nach noch 1,7 Prozent im November. Es ist das die niedrigste Teuerungsrate seit Februar 2010. Ohne Öl- und Spritpreisrutsch hätte die Inflation jedoch 1,6 Prozent betragen, wie die Statistik Austria am Freitag erklärte. Im Gesamtjahr 2014 betrug die Rate 1,7 Prozent, nach 2,0 Prozent 2013.

Der für die Eurozone errechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) Österreichs sank im Dezember auf 0,8 Prozent - im November hatte die Teuerung im Jahresabstand noch 1,5 Prozent betragen. Der meist über dem allgemeinen VPI liegende Preisanstieg beim Pensionisten-Warenkorb betrug im Dezember 1,2 Prozent, nach 1,7 Prozent im November. Im Monatsabstand, von November auf Dezember, blieb das allgemeine Preisniveau (VPI) und jenes gemäß HVPI unverändert, beim Pensionisten-Preisindex gab es einen Rückgang um 0,1 Prozent.

Haupttreiber im Dezember waren im Jahresabstand "Restaurants und Hotels" mit im Schnitt 2,7 Prozent Preisanstieg. Bei "Wohnung, Wasser, Energie" dämpfte sich das Plus auf 1,0 Prozent ab - nach 1,6 Prozent Jahres-Anstieg im November -, weil die 5,1-prozentige Verteuerung der Mieten durch Haushaltsenergie-Verbilligungen von 2,9 Prozent kompensiert wurde (Heizöl -19,8 Prozent, Strom -0,9 Prozent, Gas +0,6 Prozent, Fernwärme +5,7 Prozent).

Tanken als Preisdämpfer

"Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke" waren im Dezember ebenfalls "nur" um 1,0 Prozent teurer als ein Jahr davor (November-Rate 1,5 Prozent), Nahrungsmittel allein legten 0,7 Prozent zu (Brot/Getreideerzeugnisse +2,2 Prozent, Milch/Käse/Eier +1,6 Prozent, Fleisch +0,7 Prozent, Obst -0,5 Prozent). Alkoholfreie Getränke verteuerten sich im Schnitt um 3,1 Prozent, etwa Bohnenkaffee um 9,3 Prozent. Um 1,6 Prozent markant rückläufig waren die Preise der Ausgabengruppe "Verkehr" infolge der Sprit-Verbilligung von 11,2 Prozent binnen Jahresfrist; im November war Verkehr im Jahresabstand noch 0,4 Prozent kostspieliger gewesen. Heizöl kam im Dezember 19,8 Prozent günstiger als ein Jahr davor. "Bekleidung und Schuhe" verbilligten sich um 1,8 Prozent, dabei Bekleidungsartikel um 2,5 Prozent. Im Monatsabstand - von Dezember auf November - war ebenfalls der Sektor Verkehr mit -1,3 Prozent der Hauptpreisdämpfer, Sprit verbilligte sich in der kurzen Zeit um 6,5 Prozent. Haupttreiber waren mit +1,9 Prozent Restaurants und Hotels, saisonal wurden Beherbergungsdienstleistungen 11,6 Prozent teurer.

Der "Mikrowarenkorb", der vor allem Nahrungsmittel enthält und den typischen täglichen Einkauf widerspiegelt, kostete im Dezember im Jahresabstand um 0,8 Prozent mehr (November +1,3 Prozent). Der "Miniwarenkorb" für den wöchentlichen Einkauf (neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Sprit) kam im Jahresabstand um 1,2 Prozent billiger (November +0,6 Prozent).

Viertniedrigste Teuerung in diesem Jahrtausend

Die Teuerungsrate von 1,7 Prozent im Gesamtjahr 2014 war laut Statistik Austria die bisher viertniedrigste in diesem Jahrestausend, noch tiefer lag sie lediglich 2009 (+0,5 Prozent), 2006 (+1,5 Prozent) und 2003 (+1,3 Prozent). Zudem war die Inflation in Österreich voriges Jahr auch geringer als in den drei vorhergehenden Jahren 2013 (+2,0 Prozent), 2012 (+2,4 Prozent) und 2011 (+3,3 Prozent). Im Jahresverlauf 2014 ging die Teuerung von 1,6 Prozent im Jänner auf 1,5 Prozent im Februar zurück, um danach kontinuierlich bis Juni auf den Jahreshöchstwert von 1,9 Prozent anzusteigen. Danach sank sie im September und Oktober bis auf 1,6 Prozent. Die stärksten Preisschübe kamen 2014 von Wohnen, Bewirtungsdienstleistungen und Nahrungsmitteln, während es bei Sprit die deutlichsten Preisrückgänge gab. "Wohnung, Wasser, Energie" übte mit im Schnitt +1,6 Prozent Verteuerung den massivsten Einfluss auf den VPI nach oben aus (rein rechnerisch +0,30 Prozentpunkte); dabei stachen vor allem die um 4,0 Prozent teureren Mieten ins Auge.

Zweitstärkster Preistreiber waren 2014 Restaurants und Hotels mit im Schnitt 2,9 Prozent (Einfluss auf den VPI +0,25 Prozentpunkte); Bewirtungsdienstleistungen verteuerten sich dabei um 2,9 Prozent (Einfluss +0,21 Prozentpunkte), Beherbergungsdienstleistungen um 3,3 Prozent (+0,04 %-Punkte). Drittstärkster Preistreiber war der Bereich "Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke" mit 2,0 Prozent Teuerung im Gesamtjahr (Einfluss +0,24 Prozentpunkte); dazu trugen fast ausschließlich Nahrungsmittel bei, deren Preise um 2,1 Prozent anzogen (+0,22 Prozentpunkte).

Der Sektor "Verkehr" stellte sich - dank der Öl- und Spritverbilligungen im zweiten Halbjahr - über das gesamte Jahr gesehen fast preisstabil dar (im Schnitt +0,2 Prozent, dabei Sprit -4,0 Prozent; zum Vergleich: Heizöl -6,0 Prozent).

Auch in Deutschland extrem niedrige Inflation

Auch in Deutschland hat sich der Preisauftrieb am Jahresenede erwartungsgemäß weiter abgeschwächt. Die Verbraucherpreise seien im Dezember um 0,2 Prozent im Jahresvergleich gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt heute, Freitag, mit. Im Vormonat hatte die Teuerungsrate noch bei 0,6 Prozent gelegen. Eine niedrigere Rate wurde zuletzt im Oktober 2009 festgestellt.

Die Statistiker bestätigten somit eine erste Schätzung von Anfang Jänner. Im Monatsvergleich hätten die Verbraucherpreise stagniert, hieß es weiter. Volkswirte hatten diese Entwicklung erwartet.

Im Jahresdurchschnitt stiegen die Verbraucherpreise im vergangenen Jahr um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine geringere Teuerungsrate hatte es zuletzt im Jahr 2009 mit 0,3 Prozent gegeben.

Preisrückgang in der EU

Im europaweiten Vergleich sind die Raten in Österreich und Deutschland allerdings noch relativ hoch - denn im Dezember des Vorjahres sind die Preise sowohl in der EU als auch in der Eurozone 2014 erstmals zurückgegangen. Der Preisrückgang betrug in der EU 0,1 Prozent, in der Eurozone 0,2 Prozent, geht aus den jüngsten Daten von Eurostat vom Freitag hervor. Den höchsten Preisanstieg im Jahresabstand verzeichnete Rumänien mit einem Plus von 1,0 Prozent - gefolgt von Österreichs HVPI mit 0,8 Prozent.

In der Eurozone sind die 0,2 Prozent die niedrigste Rate seit September 2009. In 16 EU-Staaten wurden im Vormonat negative jährliche Raten verzeichnet. Der größte Preisrückgang wurde in Griechenland (minus 2,5 Prozent) registriert, gefolgt von Bulgarien (minus 2,0 Prozent), Spanien (minus 1,1 Prozent), Zypern (minus 1,0 Prozent), Luxemburg (minus 0,9 Prozent), Ungarn (minus 0,8 Prozent), Polen (minus 0,6 Prozent), Belgien (minus 0,4 Prozent), Irland und Portugal (minus 0,3 Prozent), Kroatien, Italien, Litauen, Niederlande, Slowenien und Slowakei (je minus 0,1 Prozent).

Dem stehen 12 Länder mit Preisanstiegen gegenüber. Hinter Rumänien und Österreich folgen Finnland (plus 0,6 Prozent), Großbritannien (plus 0,5 Prozent), Malta (plus 0,4 Prozent), Schweden und Lettland (je plus 0,3 Prozent), Deutschland, Dänemark, Estland, Frankreich und Tschechien (je plus 0,1 Prozent).

Dunkle Wolken über Frankfurt

Die Europäische Zentralbank (EZB), die nächste Woche zu ihrer Zinssitzung zusammenkommt, blickt mit Sorge auf die Entwicklung. Sie will vermeiden, dass die Preise ins Rutschen geraten: Eine Deflation - also ein Preisverfall auf breiter Front - könnte auch Löhne und Investitionen sinken lassen und die Wirtschaft lähmen (mehr dazu unter diesem Link).

Mit einem massenhaften Ankauf von Staatsanleihen könnte sich die EZB gegen den weiteren Verfall stemmen. Das Kalkül dahinter: Die Banken sollen die Papiere verkaufen, sodass sie mehr Mittel zur Vergabe von Krediten zur Verfügung haben. Damit könnte die Konjunktur angekurbelt und letztlich die Inflationsrate nach oben getrieben werden. Die EZB hat bereits im Herbst damit begonnen, sich gegen den Preisverfall zu stemmen - unter anderem durch den Ankauf von Hypothekenpapieren und Pfandbriefen. Schon auf ihrer kommenden geldpolitischen Sitzung am 22. Jänner in Frankfurt könnte die EZB nun weitere Schritte beschließen.

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