Industrie: Stimmung ist so schlecht wie noch nie

Industrie: Stimmung ist so schlecht wie noch nie

Im Magna-Motorenwerk.

Die Industriellenvereinigung (IV) macht sich Sorgen um den Industriestandort Österreich. IHS-Chef Felderer sieht die Lohnstückkosten stärker steigen stärker als die Produktivität. Die Brutoeinkommen würden zwar ansteigen, unterm Strich bleibe netto aber nicht mehr übrig.

Wien "Die Sorge um den Industriestandort war, seitdem ich aktiv bin, noch nie so groß wie jetzt. Auch die Stimmung in den Unternehmen ist so schlecht, wie ich sie in den vergangen zwei Jahrzehnten nicht erlebt habe", sagte Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), am Donnerstag in Wien vor Journalisten.

Der Start der Kollektivvertragsverhandlungen habe eine "surreale Situation" gebracht. Während die Stimmung in den Unternehmen schlecht sei, würden Rituale gepflegt, "die wir seit Jahrzehnten kennen" und die der Realität von 2015 nicht mehr entsprächen. "In der Sozialpartnerschaft wird nicht mehr verstanden, was man dem Gegenüber zumuten kann", kritisiert Neumayer. Forderungen nach einer Arbeitszeitverkürzung oder mehr Lohnnebenkosten seien "unzumutbar". "Die Idee, dass Arbeit eine fixe Größe ist, die gerecht verteilt werden kann, ist Dummheit", so wie es auch "dumm" sei zu glauben, dass automatisch mehr Arbeitslosigkeit entsteht, wenn mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt kommen.

Neumayer lässt keinen Zweifel, dass auch die sechste Urlaubswoche für alle nach 25 Dienstjahren, die zuletzt eine Forderung der Gewerkschaft war und in Regierungspapieren vorkommt, aus Sicht der Industrie nur kostenneutral in Frage komme. Man müsse sich von der "Abtauschmentalität verabschieden. Es gibt nichts mehr abzutauschen", so Neumayer und fordert zugleich: Die Politik müsse Signale senden, die den Unternehmen Lust zum Investieren liefere.

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Zahlen, um die Probleme zu untermauern, lieferte Fiskalratschef Bernhard Felderer in der gemeinsamen Pressekonferenz. Zwischen 2008 und 2014 seien die Lohnstückkosten in der Industrie zwar um 15,1 Prozent gestiegen, was europäisches Mittelfeld bedeute. Zugleich habe die Produktivität aber nur um 9,3 Prozent zugelegt - eine der geringsten Zuwachsraten in Europa. Es sei auch kein Widerspruch, dass zugleich die Realeinkommen der Menschen stagniert haben - denn diese würden netto, also ohne Steuern und Abgaben, berechnet. Dazwischen stehe eine "überzogene Steuerbelastung".

Früher wurden Arbeitszeitverkürzungen wie auch Lohnerhöhungen immer durch Produktivitätsfortschritte finanziert, sagte Felderer. Diese seien aber derzeit mit knapp mehr als einem Prozent nur mehr "mager". Auch werde deutlich weniger investiert. Die Investitionen seien heute in Österreich - wie auch in der Eurozone insgesamt - noch nicht auf Vorkrisenniveau (2008). In Deutschland hingegen schon.

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