Grassers-Wörthersee-Villa: "Eine Liebhaberei als Deckgeschäft“

Der Verkauf der berühmten Wörthersee-Villa von Karl-Heinz Grasser brachte einen Millionengewinn. Die Steuerfahnder wollen das Geld. Der Korruptionsstaatsanwalt ließ Konten öffnen.

Grassers-Wörthersee-Villa: "Eine Liebhaberei als Deckgeschäft“

Die Steuerschulden von Karl-Heinz Grasser werden aktuell auf rund 4,9 Millionen Euro taxiert. Die genaue Höhe muss noch berechnet werden.

Die Transaktionen rund um die Wörthersee-Villa von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser beschäftigen die Finanz weiter. Das immobile Schmuckstück in Maria Wörth am Wörthersee gehört nun Primarius Harald Lang. Der Experte für medizinisch-chemische Labordiagnostik zahlte für die von Karl-Heinz Grasser und seiner Familie benutzte Villa am Lindenplatz in Maria Wörth exakt 3,9 Millionen Euro, wie aus dem Kaufvertrag vom 3. Juli 2014 hervorgeht.

Für den Verkäufer war das ein exzellentes Geschäft: Die Villa-Besitzgesellschaft SMW OG zahlte ab 2008 für Grundstück, Haus und dessen Sanierung rund 1,8 Millionen Euro. Unterm Strich schauen somit rund zwei Millionen Euro Gewinn heraus.

Die lukrative Transaktion beschäftigt nun das Finanzamt, die Staatsanwaltschaft und Karl-Heinz Grasser. Das belegt der FORMAT exklusiv vorliegenden Schriftverkehr zwischen Erste Bank und Steuerfahndung Wien sowie eine strafbehördliche Anordnung zur Kontoöffnung.

Der Ermittlungsradius wurde ausgeweitet. Im Visier: Personen, die Grasser aus Sicht der Finanz bei der Vertuschung der Abgabenhinterziehung unterstützt haben. Darunter fällt etwa auch "Wahlonkel“ Burkhard Graf, der etwa als Vertreter der SMW OG fungiert. "Aufgrund gerichtlicher Bewilligung wird die Erteilung der Auskunft über Bankkonten und Bankgeschäfte durch die Erste Bank der österreichischen Sparkassen angeordnet“, heißt es Anordnung vom 18. Mai 2015. Darin wird Grasser vorgeworfen, durch die "Nichterklärung von erzielten Einkünften in den Einkommensteuererklärungen eine Verkürzung an bescheidmäßig festzusetzenden Abgaben (…) von rund 4,9 Millionen Euro bewirkt (…) zu haben.“ Betroffen sind die Jahre 2007 bis 2010.

Verdacht der Steuerhinterziehung

Es geht nicht nur um die Frage, wem der Millionengewinn zufällt - KHG oder dessen Stiftungen -, sondern auch um den Verdacht der fortgesetzten Steuerhinterziehung von KHG und darum, welche Personen ihm dabei geholfen haben.

Kurze Rückblende: Die Justiz ermittelt seit Herbst 2009 gegen KHG wegen Korruptionsverdacht im Zusammenhang mit der Privatisierung von Bundeswohnungen (Buwog) und der Einmietung von Finanzämtern in den Linzer Terminal Tower (TT). Im Jahr 2010 kam der Verdacht der Abgabenhinterziehung hinzu.

Denn bereits im ersten Buwog-Ermittlungsjahr fand die Polizei heraus, dass Grasser nach seiner Zeit als Finanzminister zahlreiche Stiftungen und Briefkastenfirmen aufgezogen hatte.

Das unübersichtliche Geflecht reicht von Liechtenstein bis in die Karibik. Grassers Provisionsdeals und Investments in Millionenhöhe wurden "offshore“ abgewickelt - hinter dem Rücken des Fiskus.


Lesen Sie den ganzen Artikel ab Freitag, 27.11. in der Format-Ausgabe 48/2015