Erste Group: „Start-ups öffnen schon bei 10.000 Kunden die Champagnerflasche“

Erste Group: „Start-ups öffnen schon bei 10.000 Kunden die Champagnerflasche“

Boris Marte, Erste Group: "Benchmarken bei den anderen Banken"

Die Erste Group nutzte die Bühne des Pioneers Festival in Wien, um vor Journalisten die Vorteile des hauseigenen eBanking-Systems "George" gegenüber Fintech-Startups zu bewerben. Die Gründerszene sieht sich gegenüber den alten Playern hingegen klar im Vorteil.

Die Zeiten, in denen Banken ohne Innovationsdruck absurd hohe Umsätze einfahren konnten, sind vorbei. Nicht nur, dass die Finanzkrise neue regulatorische Vorgaben geschaffen hat, auch das Umfeld der Mitbewerber hat sich geändert – so nagen nun IT-Konzerne wie Facebook und Apple ebenso am Kuchen der Geldhäuser wie junge Start-ups, die an der „Bank der Zukunft“ arbeiten: „Fintech“ (die Abkürkung für „Financial Tech“) ist nun das Schlagwort, das vielen Marktbeobachtern auf den Lippen liegt, wenn sie gefragt werden, welche Branchen der Start-up-Szene wohl das meiste Potenzial besitzen.

Die Erste Group lud daher im Rahmen des Pioneers Festival in Wien zu einer Pressekonferenz unter dem Titel „We are ready to take the challenge“ – inmitten der Gründerveranstaltung nutzten die Banker die Bühne, um ihr eigenes eBanking-System „George“ zu bewerben und zu erläutern, warum man sich gegenüber den Newcomern noch immer überlegen fühlt.

„Start-ups können ihre Ideen nicht am Markt testen“

Start-ups hätten zwar den Vorteil, auf Grund ihrer Größe rasch agieren zu können – ansonsten fühle man sich aber weniger bedroht, heißt es von dem börsennotierten Unternehmen. George habe seit dem Start am 1.1.2015 rund 250.000 Kunden, die sich pro Monat 6,4 Millionen Mal einloggen, heißt es von der Erste Group. „Start-ups hingegen öffnen bereits bei 10.000 Kunden die Champagnerflasche“, sagt Maurizio Poletto, Head of Design beim Erste Hub – einer Art Innovations-Thinktank des Konzerns. Ein Start-up habe vielleicht großartige Ideen, könne diese aber nicht am Markt testen: „Denn die meisten haben vielleicht bloß 5000 Kunden“, sagt Poletto: „Und das auch bloß, weil sie den Service gratis anbieten.“

Angesprochen darauf, vor welchem Start-up die Banker sich am meisten fürchten, gaben sie sich ebenfalls gelassen: Die Frage sei viel mehr, wann ein großer Mitbewerber eines der Start-ups kaufe und erfolgreich in sein eigenes Kernbank-System integriere. „In Sachen Technologie benchmarken wir vielleicht mit den Start-ups“, sagt Boris Marte, Leiter des Innovaton Lab Erste Hub: „Aber in punkto Integration haben wir keine andere Wahl, als mit den anderen Banken zu benchmarken.“

Zehn Millionen Euro für Number26

In der Szene der Start-ups ist man freilich anderer Meinung: Ein von den Pioneers-Organisatoren initiierter Fonds hat etwa auch spezifisch das Segment der Fintech-Unternehmen im Visier; vor wenigen Wochen wurde verkündet, dass das von Wienern in Berlin gegründete Fintech-Startup „Number26zehn Millionen Euro Investment erhalten hat – 20.000 interessierte Neukunden finden sich den Gründern zufolge auf der Warteliste. Bis zu zehn Millionen Menschen weltweit verwenden bereits die alternative Internetwährung Bitcoin, heißt es auf einem Vortrag im Rahmen des Pioneers Festival.

Auch der legendäre Business Angel Gil Penchina, der mit Investments in Unternehmen wie Ebay, LinkedIn und Paypal reich wurde, sieht im Gespräch mit format.at die Stellung der Banken mehr bedroht, als diese annehmen: „Ich mag es ganz besonders, wenn die große, langsame, in höchstem Maße regulierte Bank verkündet, sie fürchte sich nicht vor innovativen Start-ups“, sagt er lächelnd: „Denn dann werden sie nicht wachsam sein, während wir ihnen den Markt wegnehmen.“ In den USA gebe es etwa ein mit sechs Milliarden Dollar bewertetes Unternehmen namens „Lending Club“, bei dem man online Darlehen beantragen kann; beim Unternehmen „Vouch“ hingegen revolutioniere man Bonitätsbewertungen. Mobile Banking-Lösungen sprießen wie Pilze aus dem Boden.

Vor 20 Jahren seien Bankomaten noch undenkbar gewesen, so Penchina – heute vertraue jedermann den Maschinen, die an jeder Ecke stehen. Basierend auf dieser Entwicklung zeichnet er selbst eine recht radikale Zukunftsvision: „In zehn Jahren wird man daher deutlich mehr mit Bitcoins bezahlen und sein Geld über ein Smartphone-Konto verwalten“, sagt Penchina: „Und sich fragen, wozu die Menschen früher Banken überhaupt gebraucht haben.“

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