Finale im Kampf um die Casinos

Finale im Kampf um die Casinos

Tschechische Oligarchen oder Novomatic? Auf der Hauptversammlung der Casinos Austria wird nach heftigen Machtkämpfen die neue Eigentümerstruktur besiegelt.

Glücksspiel. Tschechen-Konsortium oder Novomatic? Bei der Aktionärsversammlung der Casinos Austria fällt die Entscheidung. Finanzminister Hans Jörg Schelling setzt auf den Glücksspielriesen aus Gumpoldskirchen.

Im Studio 44 der Österreichischen Lotterien wird um die Zukunft der Casinos Austria AG (Casag) gepokert. Am Montag, dem 5. Oktober, um Punkt 10 Uhr werden alle Casag-Aktionäre zur außerordentlichen Hauptversammlung am Wiener Rennweg eintrudeln. Zentraler Tagesordnungspunkt ist die Neuordnung der Eigentümerstruktur. Konkret geht es um die Frage, wer in Zukunft bei den Casinos das Sagen hat: Novomatic oder die tschechischen Interessenten.

Dem langersehnten Glücksspiel-Gipfel ging eine wohl beispiellose Schlacht der Milliardäre voraus (FORMAT 38/15 berichtete über"Die Schlacht der Milliardäre" . Auf der einen Seite steht Johann Graf, der fünf Milliarden Euro reiche Gründer der Novomatic Group, ihm gegenüber die Tschechen Karel Komarek (KKCG) und Jiri Smejc (EMMA), die jeweils mehr als 1,5 Milliarden Euro schwer sind.

Beide Gruppen haben sich über die Monate in den Casag-Aktionärskreis hineingeschlichen: Mit Hilfe findiger Anwälte wurden Überraschungsangebote gelegt und Gegenofferte ausgesprochen sowie Aufgriffs- bzw. Vorkaufsrechte geltend gemacht. Nun liegen alle Karten am Tisch. "Genehmigungserfordernisse, Informationspflichten und Beschlussfassung für die Zustimmung der Gesellschaft zur Übertragung von Aktien", lautet die Formulierung in der HV-Einladung.

Die Anker-Aktionäre, also die Staatsholding ÖBIB, die MTB-Stiftung von Maria Theresia Bablik und die Beteiligungsgesellschaft Medial, haben sich entschieden. Alles deutet in Richtung Novomatic. Denn der Glücksspielkonzern aus Gumpoldskirchen verfügt über bessere Referenzen als die Glücksritter aus Tschechien.

"Unfreundlicher Akt": So bezeichnet Finanzminister Hans Jörg Schelling den Casag-Einstieg von Komarek und Smejc.

Der Jolly Joker

Hans Jörg Schelling ist somit der Jolly Joker im Casag-Poker. Seine Präferenzen machte der Finanzminister im "Kurier" zuletzt deutlich: Er will keine Oligarchen und präferiert eine österreichische Lösung. Als "unfreundlichen Akt" bezeichnete Schelling den Eigentümerwechsel bei der CAME Holding. Zur Erinnerung: Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die Donau Versicherung ihre CAME-Anteile an eine Austrian Gaming Holding a.s. (AGH) verkauft hat. AGH ist eine Prager Zweckgesellschaft , die Komarek und Smejc gehört. So wurden die Tschechen indirekte Gesellschafter der Medial GmbH. Als neue CAME-Eigner wollen sie alle Mitgesellschafter (LLI, Uniqa, Schelhammer) schrittweise auskaufen und die Medial Gmbh kontrollieren. Gestützt auf diverse Vorkaufsrechte sahen sich Komarek und Smejc auf der Siegerstraße zur Casag-Übernahme.

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Doch zu früh gefreut. In der Medial gibt es keine Einigkeit, weder zum Verkauf der Gesellschaftsanteile noch zum Stimmverhalten in der bevorstehenden Casag-HV. Während CAME - klarerweise - die Tschechen präferiert, sind die Raiffeisen-nahen Firmen Leipnik-Lundenburger und Uniqa pro Novomatic. Zu allem Ärger besitzt die Kirchenbank Schelhammer & Schattera, die 10,8 Prozent an Medial hält, eine "Golden Share": Wegen einer 90-Prozent-Klausel im Syndikatsvertrag können wesentliche Gesellschafterbeschlüsse blockiert werden. Ohne Schelhammer-Okay geht somit bei der Medial nichts. Bittere Konsequenz für die Tschechen: In der außerordentlichen Casag-Hauptversammlung ist die Medial GmbH de facto handlungsunfähig, was weitreichende Folgen hat.

Die Eigentümerstruktur der Casinos Austria.

ÖBIB entscheidet

"Die Übertragung von Aktien ist an die Zustimmung der Gesellschaft gebunden", heißt es im Paragraf 6 der Satzung der Casinos Austria AG. "Die Zustimmung gibt die Hauptversammlung mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Die Zustimmung darf nur aus wichtigem Grund (!) verweigert werden." Das Aussetzen der Medial-Stimmen hat zur Folge, dass rund 62 Prozent des Aktienkapitals stimmberechtigt sind. Die ÖBIB hält exakt 33,2 Prozent an der Casag. Damit besitzt sie in der HV die einfache Mehrheit -und kann so alle Entscheidungen am Montag dominieren.

Der Auftakt wird dennoch spannend. Denn die erste Abstimmung über den Aktienverkauf der MTB-Stiftung von Maria Theresia Bablik wird wegweisend sein. MTB will ihre Casag-Anteile an Novomatic abtreten. Die Niederösterreicher bieten rund 85 Millionen Euro für 16,8 Prozent. Torpediert wird der Deal nun von der CAME Holding. Sie bietet - als Treuhänder für die Tschechen - den gleichen Preis wie Novomatic an und pocht auf vertragliche Vorkaufsrechte.

Damit es richtig kompliziert wird, muss bei der Casag-HV auch geklärt werden, ob CAME überhaupt ein Casag-Vorkaufsrecht besitzt. Eine Rechtsmeinung im Casag-Syndikat sagt, dass nur die Medial GmbH die syndizierten Vorkaufsrechte ausüben kann, aber nicht deren Gesellschafter. Weil Medial nicht mitgeboten hat, ist das Vorkaufsrecht erloschen. Die Kirchenbank Schelhammer &Schattera gab ein bedingtes Angebot an MTB ab. Weitere Interessenten gibt es nicht. Sollte CAME tatsächlich kein Vorkaufsrecht besitzen, dann wäre der Novomatic-Einstieg bei der Casag perfekt. Denn die ÖBIB hätte nichts dagegen. Schellings frühere Zweifel wurden aus dem Weg geräumt.

Rechtsstreit droht

Im Fall des Zuschlags an Novomatic würden die Tschechen wohl vor das Handelsgericht ziehen und ihr (vermeintliches) Vorkaufsrecht einklagen, was zu langwierigen Gerichtsverfahren führen würde. Die Casag wäre damit wohl strategisch lahmgelegt.

Deutlich schwieriger wird es für die Tschechen, ein Njet aus dem Aktionärskreis zu bekämpfen. Wenn ÖBIB & Co einen "wichtigen Grund" nennen können, dürfen sie laut Satzung ihre Zustimmung zur Anteilsübertragung verweigern. Der Casag-Traum von Smejc und Komarek wäre dann endgültig geplatzt.

Im Finanzministerium wird eifrig an einem entsprechenden Argumentarium gearbeitet. Geringe Erfahrung im Spielbanken-Geschäft könnten so ein Grund sein. Komarek und Smejc sind erfolgreiche Unternehmer mit Engagements in Öl, Gas und Immobilien (KKCG) sowie Banken und Einzelhandel (EMMA). Ein Casino haben die beiden noch nicht geführt. Im Glücksspielbereich sind Komarek und Smejc zwar in Tschechien ("Sazka") und Griechenland ("OPAP") investiert, doch geht es dort nur um Lotterien und Sportwetten.

Milliardär, Feindbild von Syriza und eng verbandelt mit der liberal-konservativen Nea Demokratia: Milliardär Dimitris Melissanidis.

Das Hellas-Engagement OPAP sorgte für Schlagzeilen. Dort sind Komarek und Smejc mit niemand geringeren als Dimitris Melissanidis verbandelt. Dabei handelt es sich um einen schillernden Milliardär, dessen Konflikte mit der griechischen Justiz legendär sind.

Betrug, Schmuggel und Steuerhinterziehung wurden ihm zum Vorwurf gemacht. Doch Melissanidis, der zu den Erzfeinden der linken Syriza-Partei von Premier Alexis Tsipras gehört, blieb stets frei. Gemeinsam mit Melissanidis stiegen die Tschechen 2013 bei OPAP ein - Kaufpreis: 650 Millionen Euro. Der Einstieg war laut "Financial Times" auffallend, weil er ohne Zuverlässigkeitsprüfung durch die Glücksspielbehörde durchgewunken wurde. Gerüchte, dass Melissanidis auch in Österreich mitmischt, dementiert KKCG-Sprecher Stephan Dlouhy: "Unser griechischer Partner ist nicht involviert in den Casag-Deal."

Risiko Anleihe

Auch finanzielle Risiken stehen auf der Gefahrenliste des Finanzministers. Denn die Casag-Tochter Casinos Austria International Holding (CAIH) hat zwei Anleihen mit einem Volumen von rund 139 Millionen Euro begeben. Bei einem "Kontrollwechsel" dürfen die Anleihengläubiger die "sofortige Rückzahlung zum Nennwert" verlangen, wenn der Neo-Casag-Eigentümer nicht Investmentgrade-Status besitzt. Diesen Standard erfüllt die Austrian Gaming Holding a.s. der tschechischen Bieter nicht, weil sie nur ein Casag-Takeover-Vehikel ist. Heikel für Schelling: Die CAIH ist ein Defizitbetrieb. Wenn die ÖBIB bei einem Kontrollwechsel verpflichtet wird, die Anleihengläubiger auszuzahlen, würde das Budget abermals belastet werden.

Bedenken haben Finanzminister Schelling und die für die Casag zuständige ÖBIB-Chefin Martha Oberndorfer auch bezüglich der AGH-Strategie über die Grenzen hinaus. "Wir sehen eine passende und sehr starke strategische Gemeinsamkeit zwischen Casag auf der einen Seite und unseren Aktivitäten mit der tschechischen und griechischen Lotteriegesellschaft Sazka und OPAP auf der anderen Seite", sagt KKCG-Sprecher Dlouhy. Eine Fusion mit OPAP oder Sazka wäre interessant, aber schwer realisierbar. Die Idee eines "Logistik-Zentrums" in Wien, wie es die Tschechen nennen, ist Schelling zu wenig. Für ihn sind Komarek und Smejc beinharte Finanzinvestoren, die schnelles Geld machen wollen. Ein strategischer Investor wie Novomatic ist ihm da lieber. Nicht nur weil der Standort gesichert ist, sondern auch die Casag-Steuern, eine halbe Milliarde Euro. Für Schelling sicher ein "wichtiger Grund", für Novomatic und gegen die Tschechen zu stimmen.

Lesen Sie den ganzen Artikel in FORMAT Ausgabe 40/2015
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