Flüchtlingshilfe: Feldbetten und Facebook

Die großen Hilfsorganisationen haben in der Flüchtlingskrise Enormes geleistet. Hinter dem Erfolg von Caritas, Rotem Kreuz & Co. stehen neben Menschlichkeit ein straffes Management und moderne Kommunikation. Ein Blick hinter die Kulissen des Hilfs-Business.

Flüchtlingshilfe: Feldbetten und Facebook
Flüchtlingshilfe: Feldbetten und Facebook

Eines von zahlreichen Flüchtlingslagern, betreut von Helfern des Roten Kreuz.

Wie kann es organisatorisch und logistisch gelingen, dass von heute auf morgen 20.000 Notschlafstellen entstehen, dass Betreuungszentren an Bahnhöfen aufpoppen, es Hilfe gibt, wo man sie braucht? FORMAT hat den Kraftakt der Hilfsorganisationen unter die Lupe genommen, um zu zeigen, das hinter Nächstenliebe und Hilfe toughes Management steckt: straffe Organisation, viel Koordination, rasche Entscheidungen, viel Einsatz, viel Unterstützung, ein wenig Konkurrenzdenken - und auch die Hilfe von Facebook, Twitter & Co.

Caritas: Der Wunderwirkkonzern

Umsatz: 700 Mio. Euro, Spenden: 63 Mio. Euro Mitarbeiter: 14.000 hauptamtliche Mitarbeiter, davon derzeit 200 bis 300 hauptamtliche Mitarbeiter für die Flüchtlingsbetreuung, die von 1.000 bis 1.500 Freiwilligen unterstützt werden. Facebook: 51.675 Likes (Caritas Österreich) Die Caritas hat ihre Wurzeln in den sozialen Hilfsorganisation der römisch-katholischen Kirche und ist Teil der Caritas Internationalis, die im Jahre 1903 gegründet wurde. Die Organisation betreibt u. a. Sozialberatungsstellen, Obdachloseneinrichtungen, Mutter-Kind-Häuser, Einrichtungen für die medizinische Betreuung von Menschen ohne Krankenversicherung, Hospize, Familienberatungsstellen und organisiert Jobs für Langzeitarbeitslose und Hilfe für Familien. Dazu gibt es Senioren- und Pflegehäuser, von der Caritas betriebene Schulen für Sozialberufe, Wohn- und Hilfsprojekte für Flüchtlinge sowie Kinderbetreuung.

"Für uns ist Facebook ein Segen“, sagt Samariterbund-Geschäftsführer Reinhard Hundsmüller. Kaum ist bekannt, dass eine Unterkunft entsteht, werden über diesen Kanal freiwillige Mitarbeiter gesucht. Nur ein paar Stunden später sind hundert Personen im Einsatz, helfen bei der Essensausgabe, beim Abservieren und Spenden sortieren. Auch anderswo die gleiche Erfahrung: Braucht man am Westbahnhof Socken oder Wasser, wird eine Twitter-Nachricht abgesetzt und der Nachschub funktioniert. Fehlen Arabisch-Dolmetscher, werden sie ebenfalls über ein kurzes Posting rekrutiert.

Volkshilfe: Solidarität und Sozialarbeit

Umsatz: 306 Mio. Euro, Spenden: 2,6 Mio. Euro Mitarbeiter: 8.000 hauptamtliche Mitarbeiter, 3.000 Freiwillige Facebook: 4.145 Likes Die Volkshilfe entstand 1947, gilt als SPÖ-nah. Die Organisation bietet mobile Dienste im Gesundheits- und Pflegebereich, Seniorenangebote, Kinderbetreuung an und versucht, Armut zu lindern. Bei der Flüchtlingshilfe derzeit gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Samariterbund. Daneben wird ein großes Projekt vorbereitet, das Solidaritätskonzert "Voices for Refugees“.

Auch intern setzt man auf Handy und Internet: Die Caritas hat Doodle-Kalender im Einsatz, um die Einteilung der Helfer zu organisieren, die Abstimmung der verschiedenen Koordinatoren läuft über What’s-App-Gruppen. "Wir versuchen, die Informationen ständig zu aktualisieren“, sagt Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter. Damit eben Salzburg schon früh weiß, wenn ein Zug von Wien aus mit Flüchtlingen startet.

Samariterbund: Rettung aus jeder Not

Umsatz: 100 Mio. Euro, Spenden: 3 Mio. Euro Mitarbeiter: 2.000 hauptamtliche Mitarbeiter, 1.400 Zivildiener, 6.500 fixe Ehrenamtliche Facebook: 7.586 Likes Der Samariterbund geht auf Initiativen von Arbeitern in Notfällen zurück und leistet Rettungs- und Krankentransporte, Sanitätsdienste bei Großveranstaltungen, humanitäre Hilfe und Einsätze bei Katastrophen. Daneben gibt es Tagesbetreuungseinrichtungen, Essen auf Rädern, Wohnungslosenhilfe, Lern-Cafés, Flüchtlingsbetreuung und mehrere Senioren- und Pflegezentren.

Lesen Sie den ganzen Artikel in Format Nr. 38/2015
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