Equal Pay Day: "Österreichs Wirtschaft ist weiblich"

Equal Pay Day: "Österreichs Wirtschaft ist weiblich"

Kind oder Karriere? Um Beides zu vereinen, fordert Adelheid Moretti längere Öffnungszeiten und kürzere Schließzeiten bei der Kinderbetreuung.

Im Schnitt verdienen Frauen in Österreich 23,85 Prozent weniger als Männer - das wird mit dem heutigen "Equal Pay Day" deutlich demonstriert. Zahlen aus der Wirtschaft zeigen aber auch, wie gut sich Frauen durchsetzen können: 2014 wurde knapp die Hälfte der neuen Unternehmen von Frauen gegründet; und Betriebe mit starker Frauenförderung wachsen stärker als ihre Konkurrenten.

Heute, am 31. März, findet in Österreich der „Equal Pay Day“ statt – das ist jener Tag, bis zu dem Frauen in das Jahr 2015 hinein verdienen müssten, damit sie so viel verdient haben wie Männer im Jahr 2014. Ein zweiter Aktionstag dieser Art findet auf Grund unterschiedlicher Berechnungsmethoden im Herbst statt. Im Schnitt verdienen Frauen in Österreich um 23,85 Prozent weniger als Männer; somit müssten sie um 62 Tage länger arbeiten, um den gleichen Lohn zu erhalten – das besagen Daten aus dem jüngsten Rechnungshofbericht (2014) zu Einkommen auf Basis von Vollzeitgehältern.

Wie groß die Gehaltsunterschiede in den jeweiligen Branchen sind, das können sich die Bürgerinnen und Bürger selbst auf der von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) initiierten Website www.gehaltsrechner.gv.at ausrechnen. Eher an jüngere Interessierte wendet sich die Website www.ronja-verdient-mehr.at des SPÖ-nahen Marie Jahoda-Otto Bauer Instituts – hier wird anhand eines fiktiven Lebenslaufs erläutert, wann und wie im Lauf eines Frauenlebens Diskriminierung stattfindet. Infografiken und Tabellen bieten hier auch Informationen zu Frauenanteil und Gehaltsunterschieden in den unterschiedlichen Branchen.

Laut Adelheid Moretti, Vertreterin der Unternehmerinnen in Österreich, liegt eine Ursache der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen auch darin, dass Frauen in Branchen mit unterschiedlichen Löhnen überproportional vertreten sind. Deshalb gelte es dringend, tief verwurzelte, traditionelle Rollenmuster aufzubrechen. Ansetzen müsse man hierzu bereits im Vorschulalter, in der pädagogischen Erziehung und in weiterer Folge in der Berufsberatung.

"Nach wie vor orientieren sich Männer und Frauen bei der Berufswahl an traditionellen Rollenbildern - Stereotype setzen sich leider noch immer durch", so Moretti. Initiativen wie der Wiener Töchtertag am 23. April (www.toechtertag.at) haben zum Ziel, Mädchen auch für Berufe zu begeistern, die keine typischen Frauenberufe sind. Die unterschiedliche Orientierung bei Männern und Frauen zeigt sich schon in der Ausbildung: Der Mädchenanteil an der technisch-gewerblichen Berufsbildenden Mittleren Schule liegt bei nur 20 Prozent; in der Kinderpädagogik hingegen sind 94 Prozent weiblich.

Als eine andere starke Ursache für die Lohnungerechtigkeit wird die Entscheidung zwischen Kind und Karriere gesehen. „Österreichs Frauen müssen bei Beruf und Karriere oft zurückstecken, weil die Verantwortung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer noch weitgehend Frauensache ist und die Rahmenbedingungen einfach mangelhaft sind“, so Moretti.

So stellen etwa die wenig flexiblen Öffnungs- und Schließzeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen eine Hürde für jede berufstätige Frau dar, sagt die Vertreterin der Unternehmerinnen – und fordert daher eine „qualitativ hochwertige, leistbare und flexible Kinderbetreuung“. Die Schließzeiten sollten auf maximal drei Wochen pro Jahr reduziert und gleichzeitig die Öffnungszeiten auf maximal 50 Stunden pro Woche ausgeweitet werden.

„Weitere Kraftanstrengungen“

Frauenministerin Heinisch-Hosek verweist auf bereits erzielte Erfolge – darunter der zuvor erwähnte Online-Gehaltsrechner, die Einführung der Einkommensberichte und verpflichtende Gehaltsangaben in Stelleninseraten. Es brauche aber noch „weitere Kraftanstrengungen“, so die Ministerin. Derzeit werden die Maßnahmen evaluiert und auf Basis dieser Ergebnisse sollen die Instrumente weiterentwickelt werden. "Ich baue hier auf die gute Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern", erklärt Heinisch-Hosek.

ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm fordert indes einen Gender-Check, der aufzeigen soll, welche Berufe nach wie vor nicht entsprechend entlohnt werden, sowie ein verpflichtendes Pensionssplitting. Dadurch würden Kindererziehungszeiten entsprechend berücksichtigt werden – „denn auch Familienarbeit ist Arbeit“, stellt Schittenhelm fest.

„Österreichs Wirtschaft ist weiblich“

Dabei sind Österreichs Frauen laut Moretti „top ausgebildet“ und nehmen trotz aller Hindernisse gerne das Ruder in die Hand: „Denn Österreichs Wirtschaft ist weiblich, und darauf sind wir stolz“, sagt Moretti: „Jedes dritte Unternehmen wird von einer Frau geführt, und der Frauenanteil bei Unternehmensneugründungen steigt kontinuierlich an". Bei den Unternehmensgründungen 2014 konnte mit 43,5 Prozent Frauenanteil (ohne selbständige Personenbetreuerinnen) sogar ein neuer Rekordwert an Gründerinnen erreicht werden.

Rückenwind bekommt sie durch die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young) unter 400 Führungskräften. Hier zeigten sich zwei Drittel der Befragten überzeugt, dass Unternehmen durch Frauen in Führungspositionen sowohl eine bessere finanzielle als auch nicht-finanzielle - zum Beispiel in Bereichen wie Governance, Corporate Social Responsibility (CSR), Innovation oder im "War for Talent" - Performance erzielen.

Die Studienautoren beobachten eine positive Korrelation zwischen Unternehmenserfolg und Intensität der Frauenförderung: "High Performers" - also Unternehmen, die im letzten Jahr ein mehr als 20-prozentiges Wachstum verzeichnen - bieten überdurchschnittlich oft flexible Arbeitsarrangements (33 Prozent), haben klare und messbare Ziele für den Frauenanteil in Führungspositionen (31 Prozent) und bieten Programme, bei denen Frauen einen Einblick in alle Abteilungen und Funktionen bekommen (28 Prozent).

Einig sind sich die befragten männlichen und weiblichen Führungskräfte weitgehend bei der Frage, wie Frauen ihre Karriere selbst in Schwung bringen können: Sie sollten proaktive Schritte setzen und ihren Aufstieg bewusst vorantreiben (30 Prozent Männer / 33 Prozent Frauen), sowie aktiv Trainings und Weiterbildungen einfordern (Männer: 20 Prozent, Frauen: 27 Prozent).

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