Rechnungshof-Bericht: Einkommensschere wird größer

Der Rechnungshof hat seinen Einkommensbericht 2014 zur Entwicklung der durchschnittlichen Einkommen in Österreich vorgelegt. Der Vergleich mit den Vorjahren zeigt: Die Einkommssschere zwischen den Wenigverdienern und den Spitzenverdienern klafft immer weiter auseinander. An der Diskrepanz der Einkommen von Männern und Frauen hat sich in den letzten 15 Jahren kaum etwas geändert.

Rechnungshof-Bericht: Einkommensschere wird größer
Rechnungshof-Bericht: Einkommensschere wird größer

Rechnungshof-Präsident Josef Moser

Die niedrigen Einkommen in Österreich sinken, die hohen steigen. Das attesttiert der Rechnungshof in seinem neuen Einkommensbericht 2014: Der Vergleich der Entwicklung der hohen und niedrigen Einkommen zeigt, dass die Einkommensschere seit 1998 auseinanderging und sich dieser Trend nach einer kurzen Gegenentwicklung 2006 und 2007 in den letzten vier Berichtsjahren fortgesetzt hat. Während die hohen Einkommen real nur leicht stiegen, fielen die niedrigen Einkommen sehr stark ab.

Eine Analyse der zeitlichen Entwicklung der Einkommen zeigt, dass seit 1998 die mittleren Einkommen der unselbständig Erwerbstätigen inflationsbereinigt um 4 vier leicht gesunken sind. In einigen Gruppen war ein deutlicher Rückgang der inflationsbereinigten Einkommen zu verzeichnen. Vor allem ArbeiterInnen und niedrige Einkommensgruppen sind davon betroffen. Arbeiter haben seit 1998 einen Reallohnverlust von 14 Prozent hinnehmen müssen.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Auch die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen manifestieren sich im Bericht des Rechunngshofes. Nicht nur, dass Farauen überproportional in Branchen mit niedrigem Einkommensniveau tätig sind. Auch innerhalb der Branchen verdienen Frauen im Mittel zwischen 54 % (Erbringung von sonstigen Dienstleistungen) und 81 % (Erziehung und Unterricht) der mittleren Männereinkommen.

Auch wenn nur ganzjährig Vollzeitbeschäftigte berücksichtigt werden, sind deutliche Differenzen sichtbar: Der Frauenmedian beträgt zwischen 62 % (Erbringung von sonstigen Dienstleistungen) und 95 % (Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden) des Männermedians. Im Vergleich 1998 zu 2013 ergibt sich keine nennenswerte Verbesserung der relativen Einkommenssituation der Frauen, kritisiert der Rechnungshof: Das Medianeinkommen der Frauen lag 1998 bei 60,6 %, 2013 bei 60,9 % des mittleren Männereinkommens.

Einkommensunterschiede in Branchen

Die Höhe des Einkommens hängt zudem stark vom Wirtschaftsbereich ab, in dem eine Person beschäftigt ist. Die Branchen mit den höchsten Einkommen sind die Bereiche Energieversorgung (Median 2013: 53.236 EUR), Erbringung von Finanz– und Versicherungsdienstleistungen (42.726 EUR) sowie Information und Kommunikation (40.847 EUR).

Die niedrigsten Einkommen werden in den Bereichen Beherbergung und Gastronomie (Median 2013: 10.069 EUR) Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (13.921 EUR) sowie Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (15.480 EUR) erzielt.

Niedrige Einkommen gesunken

Die Kluft zwischen Gut- und Schlechtverdienern wächst, so die zweite Diagnose des Rechnungshofs: Die niedrigen Einkommen fielen "sehr stark ab", die hohen stiegen, wenn auch "real nur leicht". In Zahlen bedeutet das, dass jener Wert, unter dem die niedrigsten zehn Prozent aller Einkommen ("Dezil") liegen, gesunken ist: von 2.761 Euro auf 2.433 Euro (Bruttojahreseinkommen). Inflationsbereinigt beträgt der Wert überhaupt nur mehr 65 Prozent von 1998. Auch für die untersten 25 Prozent zeigt sich dieser Trend: Inflationsbereinigt sank die entsprechende Grenze auf 81 Prozent des Vergleichswerts von 1998.

Bei den obersten zehn Prozent gab es dagegen eine Bewegung nach oben: Um 39,31 Prozent von 42.590 Euro auf 59.334 Euro stieg der Schwellenwert. Inflationsbereinigt betrug das insgesamt vier Prozent. Das sogenannte "dritte Quartil", also der Wert, über dem die höchsten 25 Prozent liegen, stieg auf 102 Prozent von 1998.

Daten für Selbstständige veröffentlicht der Rechnungshof nur unter Vorbehalt. Zum einen lägen noch keine Zahlen für 2012/2013 vor, zum anderen seien "aufgrund steuerlicher Besonderheiten die Einkommen von Selbstständigen schwer erfassbar". Deswegen würden diese im Vergleich zu den Bezügen Nichtselbstständiger auch "systematisch unterschätzt".

Pensionen steigen

Bedenklich ist die Entwicklung bei den Pensionen. Die Einkommen der Neuzugänge liegen deutlich über jenen der Abgänge. Die Einkommenszuwächse der PensionistInnen lagen in den meisten Jahren über der allgemeinen Teuerungsrate bzw. dem PIPH, dem Preisindex für Pensionistenhaushalte. Lediglich die Jahre 2004 und 2011 bildeten eine Ausnahme. Die niedrige Wachstumsrate 2004 von 0,1 % war vor allem auf zwei Tatsachen zurückzuführen: In den Jahren 2002 und 2003 bekamen alle PenisonsbezieherInnen Einmalzahlungen, im Jahr 2004 nur mehr BezieherInnen von Pensionen unter 780 EUR. In den Jahren 2005 bis 2009 pendelte sich die jährliche Wachstumsrate der Bruttojahreseinkommen der PensionistInnen bei 3 % bis 4 % ein. Nach einem kleinen Rückgang in den Jahren 2010 und 2011 stieg die Wachstumsrate der mittleren Pensionseinkommen wieder auf 3,69 %. Zuletzt wuchsen die mittleren Einkommen der PensionistInnen um 2,59 % der VPI lag bei 2 %, der PIPH bei 2,28 %.

Auch unter den Pensionisten sind Frauen materiell wesentlich schlechter verorgt. Das Einkommensniveau der Frauen liegt deutlich unter jenem der Männer. Während Pensionistinnen durchschnittlich 14.595 Euro bezogen, erhielten Pensionisten 24.753 Euro. Eine positive Tendenz gibt es allerdings. Es zeigt sich wie bei den unselbständig Erwerbstätigen, dass die Einkommen der Pensionistinnen von 2001 bis 2013 jährlich durchschnittlich etwas stärker wuchsen (2,93 %) als jene der Pensionisten (2,40 %).

Beschäftigungsanalyse

Rund 4,35 Millionen Personen waren 2013 unselbstständig erwerbstätig, das mittlere Bruttojahreseinkommen betrug 25.767 Euro. Bei Arbeitern lag dieses Medianeinkommen bei 18.662 Euro. Das ist zwar auf dem Papier mehr als 1998 (16.100 Euro) und stellt ein durchschnittliches Plus um ein knappes Prozent dar, rechnet der RH vor. Doch um die jährlichen Inflationsraten bereinigt sank das Einkommen in diesen 15 Jahren um 14 Prozent.

Ein leichter Anstieg ging sich für die Angestellten inklusive der Vertragsbediensteten aus. Ihr Medianeinkommen betrug 1998 21.933 Euro und 2013 29.690 Euro, ein Zuwachs um im Schnitt 2,04 Prozent. Inflationsbereinigt ist das um ein Prozent mehr. Bei den Beamten wird ein massives Wachstum von 30.993 Euro auf 51.408 Euro (plus durchschnittlich 3,43 Prozent bzw. um die Teuerung bereinigt plus 23 Prozent) ausgewiesen. Dies hat allerdings damit zu tun, dass die ÖBB-Bediensteten nicht mehr als Beamte gelten. Außerdem hat sich bei dieser Gruppe der Mittelwert verschoben, da - nicht zuletzt durch den Rückgang der Pragmatisierungen - das Durchschnittsalter der Beschäftigten gestiegen ist, womit sie gemäß Gehaltsschema auch mehr verdienen.

Download: Einkommensbericht 2014