E-Bikes retten dem Fahrradhandel die Saison

E-Bikes retten dem Fahrradhandel die Saison

Der Fahrradhandel ist mit der Saison 2015 nicht ganz zufrieden, Hersteller wie E-Mountainbike-Erfinder KTM hingegen schon.

Fahrradfahren liegt im Trend, die lange anhaltende Schönwetterperiode im Sommer hat das Ihre dazu beigetragen. Der Fahrradhandel konnte davon jedoch nur bedingt profitieren, wie die Saisonbilanz zeigt. In Österreich wurden demnach um rund sieben Prozent weniger Fahrräder verkauft als im Vorjahr. Die Kunden greifen jedoch vermehrt zu höherwertigen Modellen.

Die Fahrradsaison 2015 geht zu Ende, die Räder werden wieder in Abstellräume und Keller gestellt, um dort bis zur nächsten Saison einen Winterschlaf zu halten. Für den Fahrradhandel ist das die Zeit für einen Kassensturz und um Bilanz zu ziehen. Für die Saison 2015 fällt diese zwiespältig aus. Im nun vorgelegten Branchenradar "Fahrräder in Österreich" hat das Consultingunternehmen Kreuzer Fischern & Partner (KFP) für das Jahr 2015 einen Rückgang von knapp sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert. Laut KFP wurden demnach in Österreich 375.000 neue Fahrräder verkauft.

Angesichts der lange anhaltenden Schönwetterperiode im Sommer ist das etwas überraschend. Jedoch hat der Handel ob des sinkenden Absatzes nicht unbedingt Grund zum Klagen. Ganz im Gegenteil: Der Fahrradhandel ist im Umbruch. Die Pleite von Sport Eybl und die anschließende Übernahme der Kette durch Sports Direct hat diesen Trend weiter beschleunigt. Der Handel ist seither dabei, sich neu zu strukturieren: Weg von der Fläche im großen Universal-Sporthandel hin zum Spezialisierten Fachhandel mit großem Know-How, Beratung und einem umfassenden Service-Angebot.

In den Städten ist dieser Trend am besten zu beobachten. Alleine in Wien wurden in den vergangenen fünf Jahren über 90 Fachgeschäfte neu eröffnet. Auch wenn diese Händler gemessen an den verkauften Stückzahlen in einer ganz anderen Liga spielen als große Handelsketten, so können die meisten doch gut davon leben, handelt es sich bei den in diesen Spezialgeschäften angebotenen Fahrrädern doch in der Regel nicht um günstige Einstiegsmodelle. Qualität statt Quantität ist das Motto, mit dem eine ebenfalls recht zahlungskräftige Klientel angesprochen wird.

E-Bikes gegen Drahtesel

Mit ein Grund dafür, dass die Kunden heute bereit sind, statt ein paar hundert ein paar tausend Euro für ein Fahrrad zu zahlen sind die E-Bikes. Das weiß auch Stefan Limbrunner, Verkaufs- und Marketingchef von Österreichs größtem Fahrradhersteller KTM mit Sitz im oberösterreichischen Mattighofen: "Von den 200.000 Fahrrädern, die KTM im letzten Jahr verkauft hat, war bereits jedes vierte ein E-Bike und jeder zweite Euro des Jahresumsatzes von 150 Millionen Euro kommt bereits aus dem Geschäft mit den Elektro-Rädern."

Vor gut fünf Jahren hat KTM praktisch im Alleingang das E-Mountainbike erfunden und war dafür in der Branche zunächst nur belächelt worden. Heute lacht niemand mehr, denn der Erfolg hat den Oberösterreichern Recht gegeben. Die E-Bikes des Unternehmens verkaufen sich nach wie vor wie die warmen Semmeln. Obwohl die Kapazitäten jedes Jahr erweitert werden kann die Produktion kaum mehr mit der Nachfrage Schritt halten. "Wir haben seit eineinhalb Jahren kein einziges E-Bike mehr im Lager und für das Jahr 2016 sind wir praktisch auch schon wieder ausverkauft", sagt Limbrunner.

Das Geschäft wird dadurch für die Hersteller aber nicht einfacher, denn so wie sich der Handel diversifiziert werden auch die Wünsche der Kunden immer individueller. Der KTM-Katalog für das Jahr 2016 ist daher dick wie nie zuvor. Die 350 Modelle gibt es in durchschnittlich sechs Varianten, was ein Sortiment von über 2000 Fahrrädern ausmacht. "Die logistische Herausforderung wächst ständig und die Modellplanung immer aufwändiger", sagt Limbrunner. Weil praktisch alle Hersteller der Welt von einigen Zulieferern wie Shimano oder im Falle der Elektro-Antriebe von Bosch oder Panasonic abhängig sind, müssen sie ihre Bestellungen mittlerweile rund ein Jahr vor Produktionsbeginn abgeben und darauf hoffen, dass sie dann auch die entsprechenden Kontingente bekommen.

Dennoch sieht Limbrunner gerade im Bereich der hochqualitativen Räder in Österreich noch viel Potenzial. Ein Potenzial, das auch mit neuen Konzepten erschlossen werden soll. Etwa mit dem für die urbane, zahlungskräftige Käuferschicht maßgeschneiderten E-Bike "Macina Kapoho", einer Art SUV auf zwei Rädern, dem praktisch kein Weg zu schwer ist. Auch der Anteil der hochwertigen Räder aus Carbon, der aktuell noch unter zehn Prozent liegt, sollte in Zukunft weiter steigen. "Sicher ist, dass die Diversifikation bei den Rädern immer weiter zunimmt", sagt er.

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