Deutsche Fernbusse nehmen Kurs auf Österreichs Schiene

Drei Jahre nach der Marktfreigabe in Deutschland stoßen die Fernbus-Unternehmen an ihre Wachstumsgrenzen. Sie suchen ihr Heil in der Expansion. In Österreich haben sie bereits einen Fuß in der Tür. Nun wollen sie auch auf die Schiene. André Schwämmlein, Chef von MeinFernbus Flixbus, sieht noch viele weiße Flecken.

Deutsche Fernbusse nehmen Kurs auf Österreichs Schiene

MeinFernbus will in Österreich auch Bahn fahren.

Mit dem Zusammenschluss von MeinFernbus und Flixbus haben die beiden Anbieter Anfang 2015 die Machtverhältnisse auf dem boomenden deutschen Fernbusmarkt geklärt: Sie dominieren die Autobahnen - und zunehmend auch die Kreis- und Landesstraßen.

Doch das Wachstum hat seine Grenzen. Seit der Liberalisierung im Jahr 2013 hat sich der Markt zwei Mal verdoppelt bis auf 16 Millionen 2014. In diesem Jahr wird die Zahl um die 20 Millionen liegen, die Phase des rasanten Wachstums ist somit vorüber. Und Gewinne sind bei dem Marktführer auch noch keine in Sicht. "Wir sind bereit, Verluste zu zahlen", sagt Geschäftsführer André Schwämmlein, "Wann wir Gewinne machen werden kann ich noch nicht sagen. Solange wir glauben, dass wir damit auch Wert schaffen, sind wir bereit, zu investieren."

Preis der Expansion

MeinFernbus Flixbux zahlt auch den Preis der Expansion. Der Markteintritt in Frankreich, wo der Fernbusverkehr eben erst liberalisiert wurde, war teuer erkauft. Und man musste sich gegen Wettbewerber mit Null-Euro-Ticket-Aktionen matchen.

Doch die Busse sollen bald in noch mehr Ländern unterwegs sein. Schwämmlein: "Wir internationalisieren." Nach Frankreich, Italien, die Niederlande - wo immer sich eine Gelegenheit ergibt." Seit Paris den Fernbusverkehr im August freigab, sind nach Angaben des französischen Wirtschaftsministeriums eine halbe Million Menschen in die Busse gestiegen, drei Mal so viele wie im gesamten Vorjahr.

Nun wollen die Fernbusse auch die Schiene erobern. "Wir haben uns die Domain "flixtrain" und "meinfernzug" gesichert. 2016 starten wir erst mal in Österreich und Tschechien", sagte Geschäftsführer Torben Greve Mitte Dezember dem Wirtschaftsmagazin "Capital".

Laut einem Sprecher gibt es dazu Vertriebspartnerschaften mit Privatbahnen in beiden Ländern. Damit könnten beispielsweise kombinierte Fahrten mit Bus und Zug verkauft werden. Und MeinFernbus Flixbus fährt inzwischen auch nach Österreich. Das Unternehmen bietet auch auch saisonale Angebote, etwa den Transport von Skifahrern in die Gebiete in den Alpen. Flixbus kooperiert dabei mit den Busunternehmen Blaguss und Dr. Richard.

Billiger Sprit heizt Konkurrenzkampf an

Die Marktführer matchen sich mit günstigen Preisen. "Der Kunde definiert den Preis", ist Schwämmleins Credo. Der Wettbewerb bleibe intensiv. So lange Sprit so günstig sei, müssten auch die Busse günstig sein, um mehr Menschen aus den Autos zu locken. Zuwider laufen den Busfahrern Aktionen wie der Deutschen Bahn, die 2015 hunderttausende Fahrscheine um 19 Euro verkauft hat.

In Österreich hat sich zudem mit Westbus ein weiterer Anbieter etabliert. Von Wien aus fahren die Westbusse im Süden bis nach Klagenfurt, Richtung Westen nach Salzburg und Richtung Norden nach Prag. Über Kooperationen bietet Westbus Fahren bis nach Berlin, Mainz, München, Triest, Zagreb und Budapest an.

Die Bahnen wollen dem rasanten Wachstum der Fernbusse auch nicht länger zusehen. Die ÖBB sind mit der neu gegründeten Tochtergesellschaft ÖBB Fernbus GmbH in in das Fernbus-Geschäft eingestiegen. Der Aufsichtsrat hatte diesen Schritt im Oktober gebilligt. Ein Geschäftsführer soll demnächst offiziell bestellt werden. Bisher fuhren die sogenannten Intercitybusse der ÖBB, zwischen Klagenfurt und Graz sowie zwischen Klagenfurt und Venedig.

Auch Berlin Linien Bus, der Fernbus-Ableger der Deutschen Bahn, will sein Linienangebot bis Ende 2016 vervierfachen. Die Bahn ist außerdem mit der Marke IC Bus unterwegs und betreibt unterm Strich etwa jeden zehnten Fernbus-Kilometer in Deutschland.