Crowdinvesting ist nicht nur für Start-ups interessant

Crowdinvesting ist nicht nur für Start-ups interessant

Jürgen Tarbauer, Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Wien: "Lifestyle-Projekte begeistern die Crowd"

Mit dem Crowdfundinggesetz wurde die rechtliche Basis dafür geschaffen, dass sich Unternehmer ihre Finanzierung über die Masse holen. Das ist nicht nur für Start-ups, sondern auch für KMU außerhalb der Tech-Szene interessant.

„Endlich ist Crowdinvesting raus aus dem rechtlichen Graubereich“, freut sich Jürgen Tarbauer, Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Wien: Nachdem der Nationalrat am Dienstag einstimmig das Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) beschlossen hat, sind Österreichs Jungunternehmer in Feierlaune – denn nun gibt es eine gesetzliche Grundlage dafür, sich über Plattformen wie www.conda.eu, www.crowdcapital.at, www.dasertragreich.at, www.greenrocket.com, www.regionalfunding.at und www.1000x1000.at eine Finanzierung über mehrere einzelne Geldgeber zu holen – statt von den Banken abhängig zu sein.

Die von Oppositionspolitikern angekreidete Deckelung, mit der Privatpersonen (mit Ausnahmen) maximal 2000 Euro jährlich pro Projekt investieren können, sieht Tarbauer nicht allzu kritisch: Man wolle mit dem Gesetz die Massen erreichen – und das gehe nur, wenn man einen entsprechenden Konsumentenschutz etabliert.

Crowdfunding – kein Allheilmittel

Auf der anderen Seite sollten die Erwartungen an die neue Finanzierungsform aber wohl gedämpft werden, ein Allheilmittel ist Crowdinvesting sicher nicht – vielmehr glaubt Tarbauer, dass es in Zukunft eine Kombination verschiedener Finanzierungsformen geben wird, bei der etwa die Bank das Unternehmen per se finanziert und über Crowdinvesting Geld für neue Projekte und Produkte gesammelt wird, die den Banken zu riskant sind, bei der Masse aber Anklang finden.

In der Vergangenheit hatten sich Unternehmer mehrfach beschwert, dass Banken ihnen die Kredite verweigern – die Banken ihrerseits konterten, dass jeder einen Kredit bekommt, der die nötigen Sicherheiten mitbringt. Politische Vorgaben – Stichwort: Basel III – müssen hier den Spagat zwischen Erhalt des Systems durch Verhinderung fauler Kredite und Förderung des Unternehmertums schaffen; einzelne politische Stimmen wurden jüngst lauter, die für eine Lockerung dieser Vorgaben plädieren.

Nicht nur für Start-ups – auch für KMU

Auch wird nach Tarbauers Vorstellung wohl nicht jedes österreichische Unternehmen auf den Crowdinvesting-Zug aufspringen – ein etablierter Betrieb mit ein paar Jahrzehnten Geschichte und viel Kapital hat auch eine gute Verhandlungsposition bei der Bank. Zugleich dürfe das Thema aber nicht auf die Startup-Szene reduziert werden; denn auch KMU außerhalb der IT- und App-Szene können beim Crowdfunding punkten.

Das zeigen auch manche Projekte, die bereits über die Plattform conda.eu finanziert werden – wie etwa das Bier „Nixe“ oder „Wohnwaggon“, ein neuartiges Wohnwagen-Konzept. „Solche Lifestyle-Projekte begeistern die Crowd“, sagt Tarbauer: Komplexe Projekte haben es hingegen schwerer, bei der Masse Anklang zu finden. Conda wird in Kürze auf der Website kmu.conda.eu ein Angebot bieten, das sich speziell an KMU anstatt an Start-ups richtet. Es "ergeben sich interessante neue Möglichkeiten für KMUs, den optimalen Finanzierungs-Mix für Wachstums- und Expansionsvorhaben zu gestalten", heißt es dort.

2015 bricht den Rekord

Wieviel in Zukunft via Crowdinvesting gesammelt wird und wie viele Jobs geschaffen werden, darüber kann Tarbauer noch keine genaue Prognose abgeben. Alleine die Plattformen per se dürften aber neue Arbeitsplätze schaffen; und daraus entstandene Projekte tun dem Job ebenfalls gut: Durchschnittlich schafft jedes neue Unternehmen in den ersten zwei Jahren 2,5 neue Jobs.

Fix dürfte sein, dass durch die rechtliche Grundlage das Interesse der Investoren an Crowdinvesting zunimmt, da es nun eine Rechtsgrundlage gibt – das zeigte sich schon im Vorfeld des Gesetzesbeschlusses: Laut Zahlen des Fachverbandes der Finanzdienstleister wurden im laufenden Jahr bereits 3,3 Millionen Euro via Crowdinvesting investiert. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2014 waren es nur 2,4 Millionen Euro.

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