Checkrobin, Helpling und MyHammer im Visier der Arbeiterkammer

Moderne Plattformen im Web vermitteln Handwerker, Reinigungskräfte oder Transporteure und erleichtern dadurch vielen Konsumenten das Leben. Experten fürchten jedoch eine Aushöhlung des Arbeitsrechts und Druck auf die Löhne.

Checkrobin, Helpling und MyHammer im Visier der Arbeiterkammer

Neue digitale Arbeitsvermittlungen machen vielen Konsumenten das Leben einfacher, doch es mehrt sich auch die Kritik an Plattformen wie der Reinigungskräfte-Vermittlung Helpling oder der Transport-Vermittlung Checkrobin. So bemängelte ein Artikel aus Format Nr. 37/2015 etwa die Qualität von Helpling nach einem ausführlichen Selbstversuch. Und nun warnen auch die Arbeiterkammer-Experten Sylvia Kuba und Michael Heiling in einem Blog-Beitrag, dass der Druck auf arbeits- und sozialrechtliche Standards im Kontext von Online-Vermittlungsplattformen durch den digitalen Wandel dynamisiert wird.

Zahlreiche Rechte von Arbeitnehmern wie kollektiver Mindestlohn, Zuschläge für Nacht- oder Feiertagsarbeit, Überstundenzuschläge, Sozialversicherung, Arbeitslosengeld, Urlaubsgeld und etliche mehr gelten für viele Arbeitsleistende auf diesen Plattformen nicht, heißt es auf dem Blog Arbeit-Wirtschaft. Letztlich handle es sich in vielen Fällen um prekäre Arbeit, die von gewinnorientierten Unternehmen unter Zuhilfenahme digitaler Technologie angeboten oder vermittelt wird.

Menschen werden zu Tigern

Auffallend sei die Kreativität, mit der die Unternehmen Menschen "benennen", deren Arbeitskraft über die Plattformen beworben wird. So werden bei Helpling die Reinigungskräfte als "Helplinge" bezeichnet, Helplings Konkurrent "Book a Tiger" nennt sie "Tiger" oder "Professionals". Anderswo werden Begriffe wie "Experten" oder "Mitnehmer" verwendet. Nur auf der Plattform von MyHammer wird der traditionelle Begriff "Handwerker" verwendet. Ansonsten wird der Begriff der "Arbeit" und der "Arbeitnehmer" umschrieben. CheckRobin bringt dies schon in seinem Slogan "Private bringen's" zum Ausdruck.

"Nicht zuletzt scheint es integraler Bestandteil der Kommunikationspolitik dieser Plattformen zu sein, explizit auf die "Privateigenschaft" der Arbeitsleistenden hinzuweisen", so die AK-Experten. Dementsprechend bezeichnen sich die Plattformen selber auch nicht als Arbeitgeber oder Auftraggeber. Sie charakterisieren sich selbst als "Marktplatz" (Helpling), "Online-Vermittlungsportal" (Book a tiger) oder "technische Plattform" (Lass-andere-schreiben). In seinen AGBs beschreibt sich Clickworker als "Workplace, auf dem angemeldete Teilnehmer verschiedene Leistungen anbieten können".

Weder Angestellter noch Auftragnehmer

Von Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen wird nicht gesprochen, aber es wird auch eine Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehung vermieden, so dass letztlich nur noch von "Nutzern" oder "Teilnehmern" gesprochen wird. Für die AK-Experten wirkt dies wie ein Streben nach der "höchstmöglichen Privatisierung von Rollen".

Demgegenüber stehe aber die Festlegung von Löhnen und Standards für Leistungserbringung. Dieses Faktum widerspreche der Selbstdarstellung als reiner Marktplatz oder Vermittler von Selbstständigen. In einigen Fällen (Helpling, Book a tiger, clickworker) werden sowohl die Löhne, als auch Standards für die Leistungserbringung (bei clickworker sogar eine Leistungskontrolle) vorgegeben.

Lohndumping durch "Versteigerungen"

Dort wo Werklöhne dezentral dargestellt werden (MyHammer, Lass-andere-schreiben) komme es zu intensivierter Konkurrenz durch "Versteigerungen" der Arbeitsleistung durch jene, die ihre Arbeit anbieten. Durch den Wettbewerb um Aufträge werde der Lohndruck steigen, erwarten die AK-Experten Kuba und Heiling.

Dazu trage noch bei, dass es bei allen untersuchten Plattformen die Möglichkeit für die Kunden gibt, die erbrachte Arbeitsleistung zu bewerten. Umgekehrt gibt es für die Arbeitnehmer aber meist keine Möglichkeit die Kunden zu bewerten. Die AK-Experten sehen hier eine deutliche Schieflage, insbesondere da die Arbeitenden ihre Leistungen oftmals in Privatwohnungen völlig unbekannter Auftraggeber erbringen.

Wochenend- und Feiertagsarbeit werde nicht gesondert behandelt bzw. besser entlohnt. Dies gehe aus den Informationen auf den Homepages bzw. den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Plattformen hervor.

Finanzriesen agieren im Hintergrund

Die neuen Arbeitsvermittler in Form von Online-Plattformen werden oft von äußerst finanzkräftigen Eigentümern gehalten, geben die Arbeiterkammer-Experten zu bedenken. Sie sind also keineswegs Hinterhof- oder Garagen-Start-ups, sondern meist Teile großer Konzerne.

So ist an der deutschen Mutterfirma der Reinigungsvermittlungsplattform "Helpling" das deutsche Unternehmen Rocket-Internet - laut Medienberichten mit rund 43 Millionen Euro - beteiligt. Der Unternehmenswert aller von Rocket-Internet (ISIN: DE000A12UKK6) gehaltenen Beteiligungen hat laut Geschäftsbericht im Jahr 2014 3,1 Milliarden Euro betragen. Für Helpling werden im März 2015 eine Gesamtbeteiligung von 33,8 Prozent und ein Portfoliowertbeitrag von 36,5 Millionen Euro ausgewiesen. Als weitere Investoren werden auf der Homepage von Helpling unter anderem Mangrove Capital Partners, Phenomen Ventures sowie Point Nine Capital angeführt.

Auch die Online-Task-Plattform Clickworker hat in mehreren Finanzierungsrunden Geld von finanzstarken Investoren eingesammelt. Laut unternehmenseigenen Angaben investierten Klaus Wecken sowie europäische Investmentunternehmen, darunter die KfW Bankengruppe, Corporate Finance Partners und die Odeon Venture AG.

Die Checkrobin GmbH, die Paketmitnahme vermittelt, hat neben Hannes Jagerhofer prominente Co-Eigentümer. Mit rund 10 Prozent ist die Attila Dogudan Privatstiftung investiert, die dem ehemaligen Rennfahrer und Luftfahrtunternehmer Niki Lauda zuzurechnende L3M Investments GmbH hält über 20 Prozent. Fast 10 Prozent wiederum hält der Medienunternehmer und Kaufhauseigentümer (Steffl) Hans Schmid.

Die MyHammer AG, deren Geschäftsmodell auf der Vermittlung von Heimwerk- und Handwerkstätigkeiten fußt, ist die Tochter der in Frankfurt börsennotierten MyHammer Holding AG. 26,5 Prozent an der MyHammer AG hält "ein Unternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck", die auch mit 70,1 Prozent Mehrheitseigentümerin der MyHammer Holding AG ist. Bekannte Marken der Verlagsgruppe sind die Wochenzeitung "Die Zeit" und die Buchverlage "Rohwolt" und "Kiepenheuer & Witsch".