Bus fährt ab: ÖBB vor Einstieg in den Fernbusmarkt

Die ÖBB bereiten den Einstieg in den Fernbusmarkt vor. Eine weichenstellende Entscheidung soll in der Aufsichtsratssitzung am 6. Oktober fallen.

Bus fährt ab: ÖBB vor Einstieg in den Fernbusmarkt

ÖBB-Chef Christian Kern sieht die private Konkurrenz auf der Straße als ernsten Gegner der Bahn. Es sind die Fernbusse, die der Schienen Konkurrenz machen. Signalwirkung hat die Entsicklung in Deutschland, wo sich die Zahl der Fernbuspassagiere im letzten Jahr auf 20 Millionen mehr als verdoppelt hat. Fernbusanbieter wie FlixBus/MeinFernbus haben ihre Fühler nun auch nach Österreich ausgestreckt.

Nun will Kern aktiv gegensteuern. Wie das Wirtschaftsmagazin trend in Erfahrung bringen konnte, steht bei der ÖBB-Holding-Aufsichtsratssitzung am 6. Oktober der Einstieg der Bundesbahnen in den Fernbusmarkt auf der Tagesordnung. Diskutiert wird nicht mehr, ob, sondern in welcher Form. "Wir bereiten den Einstieg in den Fernbusmarkt vor", bestätigt ÖBB-Sprecherin Sonja Horner und verweist darauf, dass schon jetzt rund die Hälfte der ÖBB-Passagiere mit dem Bus chauffiert werden.

Offen lässt die Sprecherin, unter welcher Marke die neue Aktivität erfolgen soll und wie international die Ausrichtung sein soll. Die ÖBB-Tochter Postbus verbindet man wohl zu stark mit dem Nah-und Regionalverkehr. Auf den Strecken Graz-Klagenfurt und Klagenfurt-Venedig fahren bereits ÖBB-Intercitybusse. Eine neue Marke würde die meist junge, technikaffine Klientel der Fernbusse wohl besser ansprechen. Organisatorisch wäre der ÖBB-Fernbus vermutlich unter dem Dach der Personenverkehr AG angesiedelt.

Konkurrenten

Auf den ertragreichsten Strecken sind mit Blaguss und Dr. Richard zwei heimische Busunternehmen sehr aktiv. Dr. Richard fährt die vor einem Jahr gestartete Route Wien-Graz unter der Dachmarke Mein-Fernbus für neun bis 14 Euro. Schienenkonkurrent Westbahn wiederum betreibt mit dem burgenländischen Busunternehmen Blaguss ein eigenes Bus-Joint-Venture: Westbahn ist 49-Prozent-Partner von Blaguss bei der Westbus GmbH, die unter anderem Wien-Klagenfurt, Linz-Prag und ab Oktober mit zusätzlichen Verbindungen Linz-Graz verbindet.

Blaguss-Geschäftsführer Thomas Blaguss wäre aber "in jedem Fall offen", sollten die ÖBB Kooperationspartner für ihren Fernbus suchen. Blaguss fahre schon "seit Jahrzehnten" nach Berlin, München, Mainz, Frankfurt oder Zagreb. Innerhalb Österreichs gäbe es aber "gerade einmal eine Handvoll Strecken", die interessant seien - jene zwischen den größeren Städten.

Nach Blaguss' Markteinschätzung erfolgt der ÖBB-Einstieg jedoch "etwas spät". Mitbewerber Ludwig Richard hat "gerüchteweise von den ÖBB-Plänen gehört" und gibt sich gleichfalls kooperationsbereit: "Wenn etwas konkret wird und man auf uns zukommt, werden wir uns das anschauen."