Billa-Gründer Karl Wlaschek verstorben

Billa-Gründer Karl Wlaschek verstorben

Der Gründer der österreichischen Einzelhandelskette und Immoblieninvestor Karl Wlaschek ist im 97 Lebensjahr verstorben. Beigesetzt wird Wlaschek in seinem Mausoleum im Palais Kinsky auf der Freyung in Wien.

Der Billa-Gründer und Immobilieninvestor Karl Wlaschek ist tot. Er verstarb am gestrigen Sonntag im Alter von 97 Jahren, wie der APA aus seiner Immobilienfirma ein "Standard"-Bericht bestätigt wurde. Wlaschek hat nicht nur die Lebensmitteleinzelhandelskette Billa gegründet, sondern verfügte auch über ein umfangreiches Immobilienimperium. Der Milliardär zählte zu den reichsten Österreichern.

Wlaschek zählte viele Jahre lang zu den reichsten Österreichern. Laut dem US-Magazin "Forbes" belief sich Wlascheks Vermögen 2014 auf 4,2 Mrd. US-Dollar (3,83 Mrd. Euro). Damit lag er weltweit auf Platz 393 der vermögendsten Menschen. Nur zwei Österreicher waren noch reicher als Wlaschek: Dietrich Mateschitz (Red Bull) mit 10,8 und Johann Graf (Novomatic) mit 6,6 Mrd. US-Dollar.

Wlaschek ist am 4. August 1917 in Wien geboren. Nach der Matura studierte er sechs Semester Chemie. Mit einem Startkapital von 30.000 Schilling hat er seine Karriere im Einzelhandel gestartet. Als 36-Jähriger machte er sich selbständig. 1953 begann er zunächst mit einer Diskontparfümerie seine kaufmännische Karriere. Das Geld für die Unternehmensgründung hatte sich Wlaschek als Musiker verdient und auf die hohe Kante gelegt.

Aus der einstigen Parfümerie WKW im Jahr 1953 wurde acht Jahre nach der Gründung Billa - Abkürzung für "Billiger Laden". Zur Firmenänderung im Jahr 1961 hat Wlaschek auch die Farben Gelb und Rot für das neue Logo eingeführt. Die Inspiration dafür will er durch das Beobachten von Autos bekommen haben. Besonders Autos mit den beiden Farben sollen ihm besonders ins Auge gestochen haben. Die Farben werden damals unter anderem auch von Maggi oder dem Ölkonzern Shell verwendet.

Karl Wlaschek, Mr. BILLA

Im Jahr 1996 hatte Wlaschek sein gewachsenes Imperium an die Rewe-Gruppe verkauft. 1,1 Milliarden Euro soll der Wiener Kaufmann erhalten haben. 45,8 Milliarden Umsatz (rund 23,3 Milliarden Euro), 18.000 Mitarbeiter sowie 1340 Filialen zählte der Wlaschek-Konzern damals. Er stellte das Management vor vollendete Tatsachen und teilte selbst seinen engsten Vertrauten den Verkauf mit als der Deal bereits unterzeichnet war.

Unter der Konzernholding BML Vermögensverwaltung AG hatte er Billa sowie die später erworbene Handelskette Merkur und die von ihm einst gegründete Büroartikel- und Buchhandelskette Libro zusammengefasst. Daneben zählten zu der von Rewe übernommenen BML die Marken Mondo und Emma, die Parfümerie-Kette Bipa, ferner die Billa-Töchter in Ungarn, Polen, Tschechien, der Slowakei, Italien und Deutschland.

Das verdiente Geld investierte Wlaschek in Immobilien. Rasch stieg er zum größten privaten Hausherrn Österreichs auf, derzeit umfasst der Immobilienbesitz der Karl Wlaschek Privatstiftung österreichweit mehr als 150 Objekte.

1994 brachte der in Geschäftsdingen medienscheue Handels-Guru die Billareal Immobilieninvest AG in Wien an die Börse und lud dazu - erstmals seit mehr als einem Vierteljahrhundert - wieder zu einer Pressekonferenz. Das Unternehmen mit Erhard Schaschl als Aufsichtsrats-Chef notierte allerdings nur drei Jahre, bis 1997, am Aktienmarkt, weil es von der Karl-Wlaschek-Stiftung zurückgekauft wurde.

Karl Wlaschek war auch ein Lebemann.

Nachdem er bei der Privatisierung der damals zweitgrößten Bank des Landes, der Creditanstalt (CA), nicht zum Zug kam, begann Wlaschek sein Vermögen in Immobilien anzulegen. Sein beachtlicher Realitätenbesitz ist über zahlreiche Gesellschaften und Stiftungen mit teils klangvollen Namen ("Amisola", "Estrella", "Ermione", "Novoreal") gemanagt. Neben etlichen herrschaftlichen Palais (darunter Kinsky, Ferstel, Esterházy und Harrach) in der Wiener Innenstadt besitzt der Immo-Tycoon rund 250 Objekte in ganz Österreich.

Wlascheks Immobilienreich ist 1,94 Mrd. wert, hieß es zuletzt im Oktober 2011. Allein die drei Bilanzen von Amisola, Novoreal und Estrella wiesen für das Jahr 2010 einen Gewinn von 35 Mio. Euro aus, was rechnerisch einer Rendite von nur 1,8 Prozent entsprach (Buchwert/Jahresgewinn) - etwas unter der Inflation von 1,9 Prozent. An Mieterlösen spielten die drei Immo-Firmen 126 Mio. Euro ein. Zugekauft hatte 2010 nur die Amisola, die 14 Liegenschaften im Wert von 113 Mio. Euro erwarb; Novoreal und Estrella veräußerten marginal.

Jüngster Mega-Deal war im Herbst 2011 der Erwerb des Schlosshotel Velden, das er der notverstaatlichten Hypo Alpe Andria Bank um kolportierte 50 Mio. Euro abkaufte. Im Juli 2014 kaufte Wlaschek der Vienna Insurance Group (VIG) das Wiener Ring-Palais an der Ecke zur Babenbergerstraße für 17,5 Mio. Euro ab. Bekannt geworden ist das Gebäude durch sein Penthouse, das Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser gemietet hatte.

Die Nachfolge

Kronprinz für das Wlaschek-Vermögen ist der 40-jährige Sohn aus Wlascheks zweiter Ehe, Karl Philipp, der seit Jahren wichtige Positionen im Firmen-Imperium innehat. Als weitere Begünstigte der Stiftungen galten nach früheren Berichten Maria-Luise Bittner, Wlascheks Tochter aus erster Ehe, sowie Stieftochter Claudia Hönigsberger, deren Mutter Karin, die vierte Ehefrau des Milliardärs, im Herbst 2003 verstorben ist.

Insgesamt brachte es Wlaschek samt der überraschenden Heirat mit seiner Lebensgefährtin Ricki Schenk im April 2012 in Velden auf fünf Ehen und drei Scheidungen. Wegen der Vielzahl von Lebensgefährtinnen in früheren Jahren nannte ihn eine Zeitung einen Womanizer. Er selbst sah dies offenbar gelassen: "Beim Gschäft bin i guad, bei de Weiber bin i a Depp", lautete ein legendärer Spruch Karl Wlascheks.

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