Bawag soll Teile der Bank Austria übernehmen

Bawag soll Teile der Bank Austria übernehmen
Bawag soll Teile der Bank Austria übernehmen

Bank Austria Chef Willibald Cernko.

Die UniCredit hat dem Vernehmen nach vor, sich von einigen relevanten Geschäftsteilen der Bank Austria, darunter dem mit dem Privatkunden zu trennen. Käufer könnte die Bawag sein. Deren Eigentümer Cerberus würde mit diesem Schachzug die Bawag stärken. Die UniCredit erklärt, dass noch "keine Beschlüsse gefasst" wurden.

Die Bank-Austria-Mutter UniCredit soll angeblich den Verkauf des Geschäfts mit Privatkunden und kleinen und mittelgroßen Unternehmen ihrer Österreich-Tochter an die BAWAG planen. Das Geschäft mit wohlhabenden Kunden und Großunternehmen soll bei der Bank Austria verbleiben.

In Finanzkreisen hält man es sogar für möglich, dass in Österreich letztlich bis auf die Schoellerbank gar nichts mehr von der Bank Austria übrigbleibt. Die derzeit in Wien situierte Ost-Zentrale der UniCredit-Gruppe käönnte nach Italien wandern.

Es wird davon ausgegangen, dass der Bawag-Investor Cerberus somit die Bawag noch weiter aufwerten will, um seinerseits ebenfalls mit einem baldigen Ausstieg einen höheren Verkaufspreis zu erhalten.

Die Bank-Austria-Mutter UniCredit will vorerst die Berichte über den Verkauf des Privatkunden- und KMU-Geschäft ihrer Österreich-Tochter an die BAWAG nicht kommentieren. Die Bank bestätigte allerdings, dass sie im Zusammenhang mit niedriger Profitabilität laufend Lösungen suche, um die allgemeine Ertragskraft der Gruppe zu steigern. Es soll außerdem bereits Gespräche zwischen UniCredit-Finanzchefin Marina Natale und dem BAWAG-Miteigentümer Cerberus geben.

Ghizzoni baut um

UniCredit-Chef Federico Ghizzoni hatte bereits Anfang September laut über Veränderungen in Österreich und Deutschland nachgedacht. "Jeder wird aufgerufen, seinen Beitrag zu leisten. Ziel ist, ein schlankerer, effizienterer und produktiverer Konzern in all seinen Elementen", sagte Ghizzoni damals auf im Interview mit der Tageszeitung "La Repubblica".

"Bezogen auf die Geschäfte der Bank Austria ist noch keine Entscheidung getroffen und es liegt keine bevorzugte Lösung gegenüber anderer am Tisch", hieß es jetzt aus dem Hauptquartier in Mailand.

"Entwicklungspläne für drei bis fünf Jahre halten nicht mehr. Das Umfeld zwingt uns zur ständigen Erneuerung", meinte Ghizzoni. Er arbeite noch am neuen Entwicklungsplan, der am 11. November vorgestellt werden soll. "Natürlich werden wir noch an Kosten und an der Neuorganisation, aber auch am Wachstum der Bank, sowie an der Entwicklung der Handelsaktivitäten arbeiten", betonte Ghizzoni.

UniCredit will in den kommenden Jahren mehr als 10.000 Stellen streichen, fast sieben Prozent der gesamten Belegschaft. Die italienische Bank hatte zuletzt insgesamt knapp 147.000 Beschäftigte in 17 Ländern.

9.375 Mitarbeiter in Austria

Der Personalstand der Bank Austria Gruppe inklusive der bei Tochtergesellschaften der UniCredit Gruppe in Österreich beschäftigten Mitarbeiter belief sich per Ende Juni 2015 auf 57.316 Mitarbeiter, davon 9.375 Vollzeitarbeitskräfte in Österreich und 47.941 in Osteuropa.

Der Kartellexperte der Arbeiterkammer, Helmut Gahleitner, rechnet bei einem Teilverkauf des Privatkundengeschäfts der Bank Austria an die BAWAG mit einer vertieften Prüfung der Wettbewerbshüter. Die Bank Austria sei deutlicher Marktführer bei Privatkunden in Wien und die BAWAG auf Rang zwei

Ein Verkauf würde nach Ansicht von Verbraucherschützern für die bestehenden Kunden nichts ändern: Girokonto-Verträge würden von der Käufer-Bank, die auch die Rechtsnachfolge antritt übernommen werden und seien genauso einzuhalten wie vom bisherigen Eigentümer.

Finanzminister Hans Jörg Schelling hat die Gerüchte, wonach die Bank-Austria-Mutter UniCredit den Verkauf des Geschäfts mit Privatkunden und kleinen und mittelgroßen Firmen ihrer Österreich-Tochter an die BAWAG plant, noch nicht kommentiert. Er meinte grundsätzlich, dies sei "Angelegenheit der Bank". Das Finanzministerium sei darüber auch nicht informiert - dies sei aber auch nicht erforderlich.

Bewegte Geschichte

Die Ursprünge der "neuen" Bank Austria reichen bis weit ins 19. Jahrhundert zurück. Die Banken-Gruppe ging aus dem Zusammenschluss der traditionsreichen Institute Länderbank, Zentralsparkasse und Kommerzialbank Wien (Z) sowie der Creditanstalt (CA) hervor. Erstmals entstanden ist die "Bank Austria" im Jahre 1991 aus dem Zusammenschluss der Länderbank mit der "Z". 1997/98 wurde die Creditanstalt übernommen.

2001 wurde die Banken-Gruppe von der Münchener HypoVereinsbank (HVB) übernommen und war für Österreich und Zentral-und Osteuropa (CEE) zuständig. 2002 erfolgt der Zusammenschluss zur Bank Austria Creditanstalt (BA-CA). 2005 wird die italienische UniCredit nach der Übernahme der HVB zum neuen Eigentümer der Bank Austria.

Kurz vor der Wirtschaftskrise 2008/2009 kaufte die Bank Austria noch Banken in Russland, der Ukraine und Kasachstan. Im Jahr 2008 verschwand der Name Creditanstalt aus dem Firmennamen und die Aktie wurde von der Wiener Börse genommen.

2013 verkaufte die Bank Austria die defizitären kasachischen ATF Bank wieder an kasachische Investoren. Für das Geschäftsjahr 2013 vermeldete die Bank Austria nach einer 2-Milliarden-Abschreibung bei ihren Osteuropatöchtern einen Rekordverlust von 1,6 Mrd. Euro. Im Jahr 2014 wurde der Verkauf der Bank-Austria-Zentrale in der Wiener Schottengasse an den Investor Ronny Pecik und die Unternehmerfamilie Leiner und Koch fixiert. Seitdem ist die Bank an ihrem Firmensitz in der Inneren Stadt nur noch Mieter.

Heute, Dienstag (20. Oktober 2015), berichtete die Tageszeitung "Der Standard", dass die Bank Austria ihr Privatkunden- und KMU-Geschäft an die BAWAG verkaufen könnte. Das Geschäft mit wohlhabenden Kunden und Großunternehmen soll bei der Bank Austria verbleiben. 2018 will die Bank Austria ihre neue Zentrale in Wien-Leopoldstadt mit 6.000 Leuten beziehen.

UniCredit Aktie legt zu

Am Dienstagvormittag hat der Kurs der UniCredit-Aktien an der Mailänder Börse kräftig angezogen. Das UniCredit-Papier legte zum Beginn des Handels um 3,7 Prozent zu, kurz nach Mittag hatte sich das Plus auf 1,72 Prozent eingependelt.

Damit überschritt die UniCredit-Aktie (ISIN IT0004781412) wieder die Schwelle von sechs Euro. Das deutliche Plus erfolgte in einem ansonsten schwierigen Umfeld. Die Aktienkurse in Mailand sanken am Dienstagvormittag um 0,5 Prozent gegenüber Montag.

Analysten sehen für die Unicredit Aktie noch viel Luft nach oben. Der aktuelle Kurs von 5,81 Euro liegt nur knapp über dem minimalen Kursziel von 5,50 Euro. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 6,70 Euro, das maximale bei acht Euro.

Analysten sehen bei der UniCredit Aktie noch Potenzial nach oben.

Österreichs Lehrer verbringen nur wenig Zeit mit Unterrichten

Österreich

Österreichs Lehrer verbringen nur wenig Zeit mit Unterrichten

Wirtschaft

Rewe will 30 Zielpunkt-Filialen übernehmen

Wirtschaft

Mateschitz und Benko checken bei Checkrobin ein