Börsengang oder Fusion: Wie geht es weiter mit der Bawag?

Börsengang oder Fusion: Wie geht es weiter mit der Bawag?

Der US-Investor Cerberus hält derzeit 52 Prozent an der ehemaligen Gewerkschaftsbank - und spielt nun hinter verschlossenen Türen Szenarien durch, wie es weitergehen soll. Eine Fusion mit der deutschen Postbank ist ebenso im Gespräch wie ein möglicher IPO.

Der US-Finanzinvestor Cerberus spielt Insidern zufolge mehrere Szenarien für die Zukunft seiner österreichischen Bank Bawag durch. Cerberus hatte die ehemalige Gewerkschaftsbank 2007 gemeinsam mit anderen Investoren für 3,2 Milliarden Euro gekauft und hält nun noch 52 Prozent. Weitere 40 Prozent an Bawag gehören dem US-Fonds Golden Tree. Ende 2014 lag der Buchwert für die fünftgrößte österreichische Bank bei 2,4 Milliarden Euro. Im Folgenden die Optionen im Detail.

1. FUSION MIT DER POSTBANK oder andere ÜBERNAHMEN

Cerberus hat Insidern zufolge bereits vor etlichen Wochen Interesse an der Tochter der Deutschen Bank bekundet - noch bevor das Geldhaus Ende April seine Verkaufspläne für die Postbank öffentlich gemacht hatte. Bislang gebe es auf die Offerte in Höhe von rund 4,5 Milliarden Euro noch keinerlei Reaktion aus Frankfurt. Das könne am Schnäppchenpreis liegen oder daran, dass die Deutsche Bank einen Verkauf der Tochter an einen Finanzinvestor aus regulatorischen Gründen scheue.

Mit einer Übernahme der Postbank könnte Cerberus gemeinsam mit der Bawag ein großes Institut schmieden, dessen Steckenpferd das Brot- und Buttergeschäft mit Privatkunden ist. Beide Banken vertreiben ihre Dienste über Postfilialen - die Postbank ist mit einer Bilanzsumme von 155 Milliarden Euro aber mehr als vier mal so groß wie die Bawag. Allerdings ist die österreichische Bank nach dem Sparkurs der vergangenen Jahre mit einer Eigenkapitalverzinsung von zuletzt 14,9 Prozent deutlich rentabler als die Postbank mit 4,4 Prozent.

Doch Cerberus wolle die Postbank ganz oder gar nicht, sagt einer der Insider. Eine Minderheitsbeteiligung im Zuge eines Börsengangs des Bonner Instituts sei keine Option. Daran könnte ein Deal scheitern - denn "Plan A" der Deutschen Bank ist nach offiziellem Bekunden ein Börsengang der Postbank. Ein weiterer Insider gibt einer Postbank-Übernahme durch Cerberus daher nur sehr geringe Chancen. Noch sei aber nichts entschieden. Alternativ zu einer Übernahme der Postbank könnte Cerberus für die Bawag auch kleinere Zukäufe innerhalb Österreichs oder im Ausland in Angriff nehmen, sagte der Insider.

2. VERKAUF AN EINEN INVESTOR oder BÖRSENGANG

Sollte die Übernahme nicht klappen, dürfte der Finanzinvestor dagegen versuchen, die Bawag loszuschlagen. Möglich sei ein Verkauf an einen anderen Investor oder eine andere Bank, aber auch ein Börsengang. Es gebe Interessenten für das Institut, ein kurzfristiger Verkauf zeichne sich aber nicht ab, sagte einer der Insider. Cerberus und der Co-Investor Golden Tree könnten sich zunächst von einer Mehrheit der Anteile trennen und den Rest in einigen Jahren veräußern. Noch habe sich die US-Firma nicht entschieden, ob sie lieber einen Weiterverkauf oder ein Börsengang des Instituts in Angriff nehmen wolle.

Steckenpferd der Bawag ist das Geschäft mit Privatkunden in Österreich. Verglichen mit anderen Banken besitzt die Bawag mit einer harten Kernkapitalquote von zuletzt 13,5 Prozent ein recht dickes Kapitalpolster. Dieses dürfte mit einem erwarteten Jahresgewinn von 400 Millionen Euro im laufenden Jahr noch steigen.

3. ALLES BLEIBT WIE ES IST

Ob die Beteiligungsgesellschaft mit ihren Plänen Erfolg hat, ist offen. Viele Börsianer scheuen Investitionen in die Bankenbranche, die in gesättigten Märkten wie Österreich und Deutschland mit einer harten Konkurrenz und immer strengeren Auflagen der Aufseher zu kämpfen hat. Zudem haben die umstrittenen Pläne Österreichs für einen Schuldenschnitt bei der Krisenbank Heta viele Anleger vor den Kopf gestoßen.

Scheitern die Verkaufsbemühungen, bleibe Cerberus immer noch, die Bawag einfach zu behalten, sagte einer der Insider. Das Institut könnte künftig Dividenden ausschütten und somit zumindest einen Teil der milliardenschweren Investitionen der Vergangenheit wieder hereinspielen. Eine wirkliche Option sei das aber nicht, hieß es: Es sei klar, dass Cerberus nach acht Jahren den Ausstieg suche.

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