Und fertig! Baumax Verkauf ist abgeschlossen

Wie angepeilt vor Weihnachten konnte der Baumax-Vorstand den Verkauf der Heimwerkerkette auch formal abschließen. Sowohl das Closing der tschechischen Baumax-Standorte als auch der Supernova-Deal wurden finalisiert. Es handelt sich um die größte Restrukturierung eines Handelsunternehmens der letzten Jahrzehnte in Österreich. Die Insolvenz wurde vermieden, 80 Prozent der Arbeitsplätze wurden erhalten und der größte Teil der Verbindlichkeiten erfüllt.

Und fertig! Baumax Verkauf ist abgeschlossen

Baumax-Alleinvorstand Michael Seidl

Die Heimwerkerkette Baumax hat endgültig fertig. In Österreich wurden Anfang Dezember die letzten Standorte von den neuen Eigentümer eröffnet und mit dem Verkauf der Märkte in Tschechien und dem Closing mit dem Fachmarkt-Betreiber Supernova am 16. und 17. Dezember ist das Kapitel Baumax am umkämpften Heimwerkermarkt endgültig besiegelt. Ein großer Kahlschlag und eine Insolvenz konnten vermieden werden. Nur neun Märkte wurden geschlossen. 80 Prozent der Mitarbeiter wurden von den neuen Eigentümern übernommen.

In Tschechien werden vier der 22 bestehenden Märkte von Obi weitergeführt. Die weiteren 18 Baumärkte wurden an das große polnische Handelsunternehmen Cesko übergeben. Supernova kaufte 56 österreichische Baumax-Immobilien, die seit November von Obi (49 Standorte), Hagebau (sechs Standorte) und Hornbach (ein Standort) betrieben werden.

Mit dem Closing endet ein Kapitel österreichischer Wirtschaftsgeschichte. Die Gründerfamilie Essl galt in Österreich als Prototyp einer Unternehmerfamilie: Erfolgreich, aber zugleich sozial engagiert und bescheiden. 1959 war der damals 20-jährige Karlheinz Essl in die Firma seines Schwiegervaters, einem Kohlehändler, eingestiegen und begann diese in der Folge konsequent auszubauen. 1976, in dem Jahr, als Franz Klammer Olympia-Abfahrtsgold holte, eröffnet die Familie in Kindberg den ersten Heimwerker-Markt unter dem Namen Baumax, die in der Folge in Österreich zahlreiche Standorte eröffnet und 1992 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs als eines der ersten Handelsunternehmen nach Osteuropa expandiert. Bis zum Jahr 2011 wird daraus ein Unternehmen mit insgesamt 160 Standorten und 9200 Mitarbeitern.

Durch die Wirtschaftskrise werden allerdings die Schwächen und die Risiken der forschen Expansion virulent. 2011 macht die Kette 57 Millionen Euro Verlust, die Familie Essl muss 40 Millionen Euro in das Unternehmen zuschießen. Das reicht allerdings nicht, denn die Kette befindet sich in einer Abwärtsspirale. Ein Jahr später hat sich der Verlust auf 126 Millionen Euro erhöht und in den Folgejahren reißt die Misere nicht ab. Jedes Jahr kommen neue Verluste und Schulden hinzu. Bis die Bankschulden im Jahr 2014 schließlich bei 569 Millionen Euro liegen. Junior Martin Essl scheitert als Unternehmer, er wird als Vorstand abgelöst, die Expansion ist längst gestoppt und Baumax ein Sanierungsfall.

Baumax-Abwicklung

Alleinvorstand Dipl.-Kfm. Michael Seidel blieb am Ende nichts anderes übrig als das Unternehmen abzuwickeln, was Mitte Dezember mit Erfolg erledigt wurde. „Nun haben wir auch formal die Zukunft in die Hände neuer Betreiber gelegt und somit unsere Ziellinie überquert. Für uns als Vorstand war wichtig, die Restrukturierung angesichts der Ausgangslage überhaupt zu schaffen und den Verkaufsprozess überlegt anzugehen um kein Porzellan zu zerschlagen", sagt Seidel. Der größte Erfolg war dabei, dass fast alle Verbindlichkeiten, gegenüber Lieferanten, Partnern und Mitarbeitern erfüllt werden konnten und den Banken ein großer Teil der Kredite zurückgezahlt wurde. „Bei einer Insolvenz wären alle Betroffenen mit leeren Taschen dagestanden – das zu vermeiden war für unser Restrukturierungsteam absolut essenziell“, sagt Seidel.

In Österreich wurden 3.000 der 3.800 Beschäftigten direkt von den neuen Betreibern übernommen. Auch das ist ein Spitzenwert. Die berufliche Sicht von rund 80 Prozent der Mitarbeiter ist somit gesichert. Die Dienstverhältnisse wurden einvernehmlich aufgelöst. Baumax investierte außerdem 7,5 Millionen Euro in ein Sozialpaket, was einer Starthilfe-Leistung von 7.000 bis 8.000 Euro pro Mitarbeiter entspeicht. Von den 800 Mitarbeitern, die in Österreich nicht direkt von neuen Betreibern übernommen wurden, haben dank des Einsatzes des AMS, der Gewerkschaft und der Arbeiterkammer bereits die Hälfte einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Personalchef Michael Pichler: „Wir haben eine Stellenbörse gegründet und den Menschen tatkräftig mit persönlichem Coaching und gratis Bewerbungsfotos unter die Arme gegriffen. Rund 30 bis 50 Mitarbeiter nehmen eine eigens gegründete Arbeitsstiftung in Anspruch, um sich neu zu orientieren und qualifizieren“.

Michael Seidel, der vor zwei Jahren zu Baumax gekommen ist um die Restrukturierung einzuleiten und federführend die Verhandlungen voranzutreiben wird als Alleinvorstand in den ein bis zwei Jahren die finale Abwicklung der Gruppe begleiten.