Bank Austria muss 1000 Mitarbeiter, ​300 Millionen Euro und 70 Filialen einsparen

Bei der Bank Austria wird der Rotstift angesetzt: Die Mutter UniCredit hat zwar entschieden, dass die Österreich-Tochter das Privatkundengeschäft weiterführen darf. Allerdings müssen 70 Filialen geschlossen, und rund 1.000 Mitarbeiter abgebaut werden. Bei den Pensionen der Bankmitarbeiter wird es ebenfalls Einschnitte geben. Die Bank sucht für die Zukunft weiter das Glück als Universalbank.

Bank Austria muss 1000 Mitarbeiter, ​300 Millionen Euro und 70 Filialen einsparen
Bank Austria muss 1000 Mitarbeiter, ​300 Millionen Euro und 70 Filialen einsparen

Bank Austria Chef Willibald Cernko

Die Bank Austria muss ihr Privatkundengeschäft nun doch nicht aufgeben, sondern darf dieses unter Auflagen weiterführen. Der Verkauf der rund 200 Filialen an die Bawag ist damit vom Tisch. Ein entsprechender Beschluss wurde am Montag in der UniCredit Zentrale in Mailand gefasst.

Die Zielvorgaben an die Bankenführung unter Bank Austria-Vorstandschef Willibald Cernko sind hart. Das Filialnetz muss allerdings redimensioniert werden: In den kommenden drei Jahren soll die Zahl der Filialen von derzeit 190 auf 120 reduziert werden.

Rund 1.000 Jobs sollen dementsprechend gestrichen werden, die bis zum Jahr 2018 gestrichen werden. 700 sollen durch Pensionierungen wegfallen. Weitere 250 Jobs sollen in der Immobilienholding gestrichen werden, deren Portfolio laut Cernko durch Immobilienverkäufe auf 25 Prozent gesenkt wurde. Zum 30.9. hat die Bank Austria 9.280 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste. Bank Austria-Chef Cernko: "Es wird kein Golden Handshake-Programm, sondern einen fairen Ausgleich geben."

Bis 2018 müssen die Kosten um rund 300 Millionen Euro unter dem Stand von Ende 2014 liegen - das entspricht einer Einsparung von 18 Prozent. Die Lohnkosten und die Zahl der Mitarbeiter müssen sinken, Einsparungen werden auch bei den IT-Kosten erwartet. Signifikant gespart werden soll in gesamten Verwaltungsbereich (Back-Office).

Nach Rechnung der Bank Austria wird das Verhältnis der Kosten zu den Einnahmen (Cost/Income-Ratio) im Kundengeschäft von derzeit 80 Prozent auf dann 60 Prozent (2018) sinken.

"Fairer Ausgleich"

Im Verluste schreibenden österreichischen Privatkundengeschäft der Bank Austria geht es vor allem um die Zukunft von insgesamt rund 2.500 Vertriebs- und Schaltermitarbeitern. Mitsamt damit zusammenhängender Dienste sind es mehr als 3.000 Leute der Bank Austria in Österreich vom Radikalumbau betroffen.

Neben dem Jobabbau soll die Umstellung im bankinternen Pensionssystem wesentliche Kostenvorteile bringen. Von 3.300 der rund 9.280 Bank Austria-Beschäftigten sollen von dem für sie günstigen Pensionssystem der Bank Austria in das staatliche (ASVG-) Pensionssystem übertragen werden. Für die geplante Änderung im Pensionsschema für künftige Bankruheständler gibt es bereits Zustimmung der Belegschaftsvertretung.

Zweistellige Kosteneinsparungen sollen künftig pro Jahr dadurch erzielt werden. Dies soll unter anderem helfen die Kosteneinsparung von rund 300 Millionen Euro bis 2018 zu erzielen. Rund 60 Prozent des Kostenblocks beziehen sich dabei auf Personalkosten, 40 Prozent sind laut Cernko Sachkosten. Die Rückstellungen von insgesamt 2,1 Milliarden Euro reichen aus, um den Übertrag (Pension neu) und den "fairen Ausgleich" für den Personalabbau zu finanzieren.

In die Verträge der rund 6.800 bestehenden Pensionisten der Bank Austria wir nicht eingegriffen. Ebenso unangetastet bleibt das in Banken bisher übliche Definitivum, das dem Beamtenstatus gleichkommt. Dabei geht es um unkündbare Verträge von Inhabern von Altverträgen. Im Jahr 2001 wurden bei der Bank Austria die letzten Definitivstellungen abgeschlossen. Die letzten Pensionierungen nach diesen Verträgen gibt es im Jahr 2042.

"Es geht uns um das Erreichen eines Kosten-/Ertragsziels", betonte BA-Vorstandschef Cernko mehrfach in seinen Ausführungen. "Es geht nicht ums Köpfe rollen, sondern um einen fairen Ausgleich." Oder wie er nochmals meinte: "Es geht nicht ums das Köpfe zählen."

Ein Radikalumbau in der Organisation steht der gesamten Belegschaft bevor, der auch die Zentrale in Wien betreffen wird. "Auch in der Zentrale kommt es zu massiven Anpassungen", sagt Cernko. Die Gespräche mit dem Betriebsrat über den Stellenabbau sind gerade angelaufen. Der Jobabbau werde von den Reformfortschritten und Verhandlungen abhängen.

Weitere bis 700 Jobs wackeln

Vom Umbau betroffen sind noch weitere 500 bis 700 Mitarbeiter der Bank Austria mit Sitz in Wien, die zur Osteuropa-Holding gehören. Insgesamt 9000 Mitarbeiter zählte die Bank Austria mitsamt der Osteuropatöchter. Wie bereits berichtet wurde von der Bank Austria die Führung der Osteuropa-Sparte nach Mailand zur Mutter UniCredit abgezogen. "Wir haben ein Projekt dazu aufgesetzt", so Cernko. Eine Entscheidung wird in den nächsten Monaten fallen. Der Abzug der Osteuropa-Zentrale sei keine leicht gefällte Entscheidung. "Wenn etwas über zweieinhalb Jahrzehnte gewachsen ist, da wird nicht gerade der Stecker gezogen."

Erklärung von Bank Austria CEO Willibald Cernko

Der duale Marktplatz

Die Bank Austria will laut Cernko in einer Doppelstrategie künftig auf "zwei Marktplätzen aus einer Hand" das gesamte Produktportfolio anbieten, wenngleich die Angebotspalette optimiert und gestrafft wird. Der BA-Vorstandschef setzt dabei auf "große, modern ausgebaute Filialstandorte" und auf den "Digitalen Marktplatz mit Online-Filialen und Online-Shop". Im Online-Banking hat die BA bereits 255 Mitarbeiter im Einsatz, die "7 Tage die Woche, 24 Stunden pro Tag" Bankdienstleitungen anbieten.

Neben dem Geschäft mit Firmenkunden soll vor allem auch das Geschäft mit Private Banking und vermögenden Kunden soll weiter ausgebaut werden. Aktuell verwaltet die Bank Austria in diesem Segment 22 Milliarden Euro.

Zur Neuausrichtung meinte Cernko, dass "es zu massiven Anpassungen kommen wird. " Cernko setzt vor allem in der Beratung "massiv auf Spezialisten".

Dass die Bank Austria ihrerseits im Mai auf die Bawag zugegangen sei, um das Privatkundengeschäft zum Verkauf anzubieten, verneinte Cernko: "Wir sind auf niemanden zugegangen." Er räumt allerdings ein, das ein "potenzieller Investor" Interesse am Filialgeschäft der Bank Austria gehabt habe. "Und dann haben wir das geprüft."