Aufgedeckt: Das Leben des Rindfleisch-Papstes Mario Plachutta

Aufgedeckt: Das Leben des Rindfleisch-Papstes Mario Plachutta

Im Hietzinger Nobellokal Mario ist es sehr ruhig an diesem Morgen. Sogar die ansonsten heiß begehrten Nischen- und Hochtische, ideal für einen diskreten morgendlichen Businessplausch, sind weitgehend leer. Um diese Zeit kommen die Kellner üblicherweise gar nicht mit dem Kaffeezubereiten nach, dem laut Werbung besten und mit 1,20 Euro billigsten im ganzen Bezirk. Einige Passanten zeigen mit Fingern angewidert auf das Lokal und flüstern dabei. Der üblicherweise stets präsente Chef, Mario Plachutta, nach dem das Lokal benannt ist, glänzt heute durch Abwesenheit.

Es hat sich etwas verändert in der Welt von Mario. Wir schreiben nämlich Tag sechs nach dem Auffliegen der Zuckeraffäre. Jener verhängnisvollen Affäre, die den Gastronomen Mario Plachutta weit über die Hietzinger Bezirksgrenzen, ja, weit über Österreichs Grenzen hinaus berühmt oder, besser, berüchtigt gemacht hat. Vor Kurzem hat die Arbeiterkammer öffentlich gemacht, dass Plachutta einen slowakischen Kellner gefeuert hat, weil dieser - unerlaubter Weise - seine selbst mitgebrachten Erdbeeren mit Plachutta-Zucker versüßt hat. Das Arbeitsgericht hat die Entlassung für unzulässig erklärt.

Was seitdem rund um Plachutta passiert ist, sprengt alle Dimensionen und teilweise auch die Grenzen des guten Geschmacks. Boykottaufrufe auf Facebook, ein Zucker-Flashmob vor dem Restaurant in der Wollzeile und übelste Beschimpfungen des Gastronomen und seiner zwei Kinder. 113.000 Postings im Netz hat die Arbeiterkammer binnen 48 Stunden als Folge ihrer Aussendung gezählt, normalerweise sind es 15.000 bis 20.000. Als Rassist, Ausländerfeind, der rechten Szene zurechenbar und charakterlos wird Mario Plachutta in vielen Kommentaren angeprangert. Daran ist der Gescholtene nicht unschuldig, hat er doch in Reaktion auf die Arbeiterkammer-Aussendung mit einer Gegenaussendung reagiert, der es an Sensibilität komplett mangelt: Es waren nicht bloß ein paar Gramm Zucker, sondern ein halbes Kilo, und überhaupt handle es sich bei dem betreffenden Mitarbeiter um einen slowakischen Staatsbürger. Niemand, um den sich die AK also scheren sollte. Seither kocht die Volksseele, und der heftig Kritisierte ist auf Tauchstation.

Guter Unternehmer, rüder Chef

In einem jedenfalls sind sich selbst Plachuttas schärfste Kritiker einig: Er versteht etwas vom Geschäft. Das betont sogar Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske: "Er ist ein tüchtiger Unternehmer.“ In nur 20 Jahren hat der 45-Jährige aus einer Rindfleischkultstätte, die sein Vater auf die Beine gestellt hat, ein wahres Gastroimperium geschaffen. Fünf der sechs Lokale gehen auf das Konto des Juniors. Alle vier Jahre kam unter Marios Ägide ein neues Lokal dazu, zuletzt das auf Schnitzel spezialisierte Plachutta zur Oper. "Mario ist ein Ausnahmemanagementtalent und immer voller neuer Ideen“, meint Porr-Chef Karl-Heinz Strauss, langjähriger Freund der Familie und Vorstand der Plachutta Privatstiftung. Dieses Talent hat ihm auch zu hohen Profiten verholfen. Statt der branchenüblichen drei bis fünf Prozent Umsatzrendite schafft man im Rindfleisch-Haus 20 Prozent. Dies sei vor allem auf die straffe Organisation und das harte Verhandeln des Juniorchefs mit Lieferanten zurückzuführen, berichten Branchenkenner. "Mario ist Tag und Nacht in seinen Lokalen, und er verlangt auch von seinen Mitarbeitern sehr viel“, weiß Berndt Querfeld, Besitzer des Café Landtmann, der von Plachutta geschulte Mitarbeiter selber gerne aufnimmt. Als Beleg dafür, dass das Arbeitsklima bei Plachutta dennoch gar nicht so schlecht ist, verweist Ewald Plachutta auf etliche Langzeitmitarbeiter wie etwa einen Küchenchef, den man seit 1979 beschäftigt, oder zwei türkische Hilfsköche, die seit 1987 mit dabei sind.

Doch die gezuckerten Erdbeeren waren nicht der erste Fall für die Arbeiterkammer, bei dem sie um die Rechte der Plachutta-Mitarbeiter kämpfte. "Er ist bei uns amtsbekannt“, sagt Kaske. Der Ton in den Rindfleisch-Küchen ist ruppig. Mal wird ein Abwäscher gefeuert, weil er gelacht hat, mal ist es jemand im Krankenstand, der unfreiwillig das Unternehmen verlassen muss. 2012 bezeichnete Mario Plachutta Lehrlinge als "unbrauchbare Analphabeten“, damals protestierte die Gewerkschaft und organisierte eine Demo.

Schnitzelkrieg

Nicht nur gegenüber Mitarbeitern und Lieferanten kann der gelernte Hotelmanager erbarmungslos sein, auch gegenüber der Konkurrenz, etwa als Inititator des "Wiener Schnitzelkrieges“ mit der Familie Figlmüller. Galt es seit jeher als ausgemacht, dass Figlmüller das Original-Wiener-Schnitzel vom Schwein serviert, so beanspruchte der ehrgeizige Plachutta vor wenigen Jahren dieses Prädikat - allerdings vom Kalb - für sein Haus. Eine Familienfehde war die Folge.

Auch in der Familie Plachutta selbst dürfte nicht alles eitel Wonne sein. Zur Adoptivschwester Daniela, die früher mit HC Strache verheiratet war, unterhält die Familie ein eher unterkühltes Verhältnis. Dies lässt sich auch aus der Plachutta-Stiftungsurkunde herauslesen, die einzig Mario Plachutta und seine Nachkommen als Begünstigte nennt. Auch Marios Ex-Frau Barbara soll auf ihn nicht gut zu sprechen sein. "Er ist sicher kein einfacher Mensch“, gibt einer seiner Freunde zu. Oder, wie es Willy Turecek, Gastronomie-Spartenobmann formuliert: "Die Diplomatenschule hat er sicher nicht besucht.“

Was Plachuttas Kritikern als zusätzliche Nahrung dient, ist sein recht luxuriöser Lebensstil: Jede Menge teure Autos - in Kürze kommt ein McLaren um mehr als eine Million Euro hinzu -, Rolex, goldene Manschettenknöpfe, eine Villa in Wiens Grüngürtel und, wie man seit Kurzem weiß, eine stattliche Sammlung von Habsburger-Devotionalien. Mehrere Millionen Euro hat der Rotarier für die Sammlung, zu der auch eine 13.700-Euro-Haarlocke von Kaiser Franz Josef gehört, ausgegeben. Eine Kuratorin hat er sich gleich mit eingekauft. Ein idealer Nährboden für Neider, also.

Aber nicht nur der Neid hat Mario Plachutta diesen aktuellen Shitstorm eingetragen. WKO-Mann Turecek will einen Zusammenhang des Öffentlichmachens der Zuckeraffäre mit den kürzlich geplatzten Kollektivvertragsverhandlungen erkennen. Die Arbeitnehmervertreter würden so Druck auf die Arbeitgeber ausüben wollen, glaubt Turecek.

Mario Plachutta, der keine Interviews gibt, hat mittlerweile eingesehen, dass er einen Fehler gemacht hat, erklären Leute aus seinem Umfeld. Das könnte nun aber zu spät sein. Denn "Zucker-Gate“ hat für Plachutta wohl ein unangenehmes finanzielles Nachspiel. In der vergangenen Woche wurde im Netz wiederholt vor dem Besuch des Rindfleisch-Tempels gewarnt. "Ich kenne auch viele, die gesagt haben, dass sie die Lokale nicht mehr besuchen wollen“, sagt Kaske. "Denn ein ordentlicher Umgang mit den Mitarbeitern gehört zu guten Häusern dazu.“

Aber dass Plachutta mit Rückschlägen gut umgehen kann, weiß man seit der BSE-Krise, die ihm lediglich einen zehnprozentigen Umsatzrückgang beschert hat. Und auch dieser Sturm ging vorüber, so wie auch der aktuelle Zuckerschock irgendwann vergessen sein wird.

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