Arbeitslosigkeit steigt weiter - fast 400.000 sind ohne Job

Arbeitslosigkeit steigt weiter - fast 400.000 sind ohne Job
Arbeitslosigkeit steigt weiter - fast 400.000 sind ohne Job

Arbeitslosigkeit steigt weiter. Sozialminister Hundstorfer: "Die Wirtschaft wächst zu wenig."

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist auch im Mai wieder gestiegen: Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren um 6,9 Prozent mehr Menschen ohne Job.

Damit belief sich die Zahl der Arbeitslosen (vorgemerkte Arbeitslose und Schulungsteilnehmer) auf 395.518 Personen, teilte das AMS am Montag mit. Die (nationale) Arbeitslosenquote lag bei 8,6 Prozent, um 0,9 Punkte höher als im Vorjahr.

Überdurchschnittlich stark stieg im Mai wieder die Arbeitslosigkeit von Personen ab 50 Jahren mit 16,8 Prozent und bei Ausländern mit 24,2 Prozent. Bei Männern (+15,3 Prozent) war der Zuwachs deutlich stärker als bei Frauen (+11,4 Prozent).

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt zeigt ein deutliches Ost-West-Gefälle: Während die Zuwachsraten in Westösterreich eher gering sind, sind sie in Ostösterreich durchgehend zweistellig. Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen stieg in Tirol zum Vorjahr nur um 0,2 Prozent, in Vorarlberg um 3,3 Prozent und in Salzburg um 4,8 Prozent. Auch Kärnten zeigt mit 5,5 Prozent nur moderaten Zuwachs.

Höher lag die Zuwachsrate in der Steiermark mit 7,6 Prozent. Zweistellig war der Zuwachs im Burgenland (+11,1 Prozent), in Oberösterreich (12,2 Prozent) und in Niederösterreich (13,9 Prozent). Besonders stark stieg die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen in Wien, wo Ende Mai um 23,9 Prozent mehr Personen gemeldet waren. Dieser Zuwachs ist laut AMS allerdings zu rund 40 Prozent auf die rückläufigen Schulungszahlen zurückzuführen.

Per Ende Mai waren 330.326 Arbeitslose beim AMS gemeldet, weiters besuchten 65.192 Personen ohne Job eine Schulung des AMS. Während die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen um 39.434 Personen (+13,6 Prozent) stieg, ging die Zahl der Schulungsteilnehmer um 14.059 Personen (-17,7 Prozent) zurück.

Gleichzeitig hat die Zahl der Arbeitsplätze mit 3.434.000 (plus 24.000 bzw. 0,7 Prozent) wieder einen neuen Höchststand (für Ende Mai) erreicht. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen ging um 1,5 Prozent auf 29.502 zurück. Im April hatte es nach längerer Zeit wieder ein kleines Plus von 0,2 Prozent gegeben.

Ältere sind besonders stark betroffen

Im Vergleich günstiger als am gesamten Arbeitsmarkt schaut die Lage für Junge aus: Bei Jugendlichen von 15 bis 24 Jahren blieb die Zunahme der Arbeitslosigkeit mit 6,0 Prozent deutlich unter dem Schnitt. Bei den 15- bis 18-Jährigen betrug der Anstieg 4,8 Prozent. Den 4.792 Lehrstellensuchenden standen 2.950 gemeldete Lehrstellenangebote gegenüber - die Lehrstellenlücke betrug also 1.842.

Demgegenüber haben es Menschen ab 50 Jahren am österreichischen Arbeitsmarkt besonders schwer: Bei Personen ab 50 beträgt der Anteil jener, die schon mehr als ein Jahr keine dauerhafte Beschäftigung aufnehmen konnten, aktuell 44 Prozent. Fast jeder Vierte der vorgemerkten Arbeitslosen ist über 50 Jahre alt, in absoluten Zahlen sind es 88.479 Menschen über 50, die einen Job suchen.

Wer keine Arbeit hat, findet immer länger keine neue: Die durchschnittliche Verweildauer in der Arbeitslosigkeit ist zum Vorjahr um 10 Tage auf 113 Tage gestiegen. 29.293 Menschen waren als langzeitarbeitslos registriert, das heißt dass sie länger als 12 Monate keinen Job hatten - im Vorjahresvergleich ein massiver Anstieg um 176,1 Prozent.

Schwaches Wirtschaftswachstum

"Wir haben in Europa nach wie vor die Situation, dass das Wirtschaftswachstum zu gering ist, um die Arbeitslosigkeit zu senken", kommentierte Sozialminister Rudolf Hundstorfer die Arbeitsmarktdaten für Mai. Trotzdem sei im Mai ein weiterer Beschäftigungshöchststand erreicht worden.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den Dienstleistungen zeige deutlich, dass neben dem weiter steigenden Arbeitskräfteangebot (plus 50.000) vor allem die verhaltene Binnennachfrage eine wesentliche Ursache für die Gesamtentwicklung darstelle. Entlastungen ab dem nächsten Jahr erwartet der Minister durch die konjunkturbelebende Wirkung der Steuerreform, den Ausbaus des Breitbandnetzes und Initiativen im Wohnbau. Nach den Prognosen der Forschungsinstitute sollte dann das reale Wachstum der Wirtschaft erstmals seit 2011 wieder deutlich über die 1-Prozent-Marke kommen.

Der Sozialminister urgiert mittelfristig "neue budgetäre Spielräume für langfristig wirksame Infrastrukturmaßnahmen" im gesamten europäischen Umfeld. Die Europäische Zentralbank und die Europäische Kommission seien in den letzten Monaten erste Schritte in diese Richtung gegangen - "es bleibt zu hoffen, dass noch weitere folgen werden".

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