Sauteuer, aber wirkungslos: WIFO kritisiert mangelnde Effizienz

Sauteuer, aber wirkungslos: WIFO kritisiert mangelnde Effizienz

Ressourcen werden in Österreich oft schlecht genutzt.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO sieht österreichweit erhebliches Potenzial für Effizienzverbesserungen. Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und zur weiteren Verbesserung des Lebensstandards sollten diese nicht ungenutzt bleiben.

Ein zügiger Aufholprozess führte Österreich in die Gruppe der Länder mit dem höchsten Lebensstandard. Eine weitere Verbesserung erfordert allerdings, dass die Effizienz wesentlich gesteigert wird. Denn - wie eine Studie des WIFO zeigt - wurden und werden die Erfolge auf fast allen Gebieten mit einem überhöhtem Aufwand erkauft, beziehungsweise stehen dem hohen Aufwand unzureichende Erfolge gegenüber.

In der öffentlichen Verwaltung und im Subventionswesen könnten die relativ guten Leistungen den Wirtschaftsforschern zufolge mit erheblich geringerem Aufwand erzielt werden, in Bildungs- und Gesundheitswesen führt falscher Mitteleinsatz zu unzureichenden Ergebnissen, und die Innovationsförderung übersieht, dass die Erhöhung der Forschungs- und Entwicklungsquote bloß bei beträchtlichen Anpassungen der Organisation die erwünschten Innovationen bringen kann. Insgesamt könnten laut WIFO Effizienzreserven von zumindest zehn bis 20 Prozent gehoben werden.

Mit Verwaltungsreformen wie etwa der Zusammenführung von Entscheidungs- und Finanzierungsebene oder der Verbesserung der organisatorischen Abläufe oder Restrukturierung der Aufwendungen sei das allerdings nicht zu schaffen. Reformen müssten an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Politik ansetzen. Notwendig sei es, so Emeritus Consultant Gunther Tichy, auf politischer Ebene ein Grundverständnis über wünschenswerte Entwicklungen zu erarbeiten, diese auf konkrete und konsistente Ziele herunterzubrechen und deren Realisierung zu kontrollieren.

Die Kritikpunkte

  • Öffentliche Verwaltung: Die erbrachten Leistungen sind zwar laut WIFO überdurchschnittlich gut, erfordern aber einen bis zu einem Drittel überhöhten Aufwand.
  • Subventionen: Das Subventionswesen wird aufgrund seines Ausmaßes (7 % des BIP) und seiner Zersplitterung - es gibt 695 Aktionen des Bundes und 1.698 der Länder - als unkoordinierbar und dadurch äußerst ineffizient bezeichnet.
  • Schulwesen: Es gelingt in Österreich weder die Begabten zu fördern, noch die Schwachen auf ein akzeptables Niveau zu heben. Die Bildungsvererbung ist zudem in Österreich markant ausgeprägt, der Aufstieg in höhere Bildungsschichten findet viel zu selten statt. Die als "unzureichend" bezeichneten Ergebnisse des Bildungssystems erfordern überdies einen relativ hohen Aufwand, der vor allem in der Primär- und Sekundarstufe deutlich höher ist als in den Vergleichsländern. Maßgebend dafür ist laut WIFO vor allem die schlechte Organisation infolge der Zersplitterung der Kompetenzen und überschneidender Zuständigkeiten.
  • Schüler: Internationale Vergleiche wie PISA zeigen, dass Österreich im Durchschnitt schwache Schüler und Schülerinnen produziert.
  • Hochschulen: Die Effizienz der leidet unter dem Andrang inaktiver Studenten. 40 Prozent der Studienanfänger legen in den ersten beiden Semestern kaum Prüfungen ab. 24 Prozent sind völlig inaktiv und absolvieren keine einzige Prüfung, 16 Prozent bloß ein Minimum (weniger als 16 ECTS-Punkte). Die Studiendauer ist überdurchschnittlich lang, die Abschlussquoten sind trotz des der hohen Zahl von Anfängern niedrig. Dementsprechend
    ist der Anteil von Hochschulabsolventen an den 25- bis 34-Jährigen mit 39 Prozent geringer als in den Vergleichsländern.
  • Forschung: Die Forschung liefert zwar relativ gute Ergebnisse, aber es mangelt an der Umsetzung in Innovationen:
    Österreich hat zwar mit 3,1 Prozent die nach Schweden (3,3 Prozent) zweithöchste F&E-Quote der EU und liegt um gut ein Drittel über der der EU 28 (2,0 Prozent). Im European Innovation Scoreboard (EIS) liegt Österreich trotzdem nur auf Platz 10. Es ist bloß ein "Strong Innovator", nicht, wie erwünscht und erforderlich, ein "Innovation Leader".
  • Gesundheitswesen: Österreich wendet pro Kopf mehr für die stationäre Versorgung auf als alle anderen Länder, ohne vergleichsweise niedrigere Ausgaben im ambulanten Sektor. Die Spitalsbettendichte ist um zwei Drittel höher ist als die der Vergleichsländer, die Zahl der Spitalsaufenthalte ist um zwei Fünftel, die Aufenthaltsdauer im Spital um ein Drittel länger.
  • Wirtschaft: Verschiedene Indikatoren lassen das WIFO vermuten, dass auch die Effizienz der Wirtschaft steigerungsfähig ist. Das
    Potential wird auf ein Fünftel geschätzt.

Download

Den WIFO-Bericht "Mangelnde Effizienz als Erfolgsbremse" von Gunther Tichy finden Sie HIER ZUM DOWNLOAD.

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