Digitalisierung: Je näher am Endkunden, desto besser

(vlnr): Stefan Bergsmann, CEO Horváth & Partners Österreich; Jochen Borenich, Vorstand Kapsch BusinessCom; Arne Johannsen, Trend-Moderator; Christoph Kränkl, Geschäftsführer SAP Österreich; Andreas Dörner, Vorstand CNT Management Consulting

(vlnr): Stefan Bergsmann, CEO Horváth & Partners Österreich; Jochen Borenich, Vorstand Kapsch BusinessCom; Arne Johannsen, Trend-Moderator; Christoph Kränkl, Geschäftsführer SAP Österreich; Andreas Dörner, Vorstand CNT Management Consulting

Selbstfahrende Autos, Pflege-Roboter und Häuser aus dem 3D-Drucker: Die Wirtschaft befindet sich in einem gewaltigen Umbruch, vergleichbar mit der Erfindung der Dampfmaschine und der Elektrizität. Aber wo stehen Österreichs Unternehmen bei der Digitalisierung, wo liegen ihre Chancen, wo stehen die Hürden? Der trend bat Branchen-Experten zum Roundtable und fragte sie auch nach der Zauberformel, um die Zukunft zu meistern.

Medienkooperation

(vlnr): Stefan Bergsmann, CEO Horváth & Partners Österreich; Jochen Borenich, Vorstand Kapsch BusinessCom; Arne Johannsen, Trend-Moderator; Christoph Kränkl, Geschäftsführer SAP Österreich; Andreas Dörner, Vorstand CNT Management Consulting

„Gut gestartet, aber dann leider nachgelassen.“ So bringt Stefan Bergsmann die aktuelle Situation vieler Unternehmen bei der Digitalisierung auf den Punkt. „Es wurden Verantwortungen geklärt, Ressourcen reserviert, Budgets geplant und einige Pilotprojekte gestartet, vor allem im Bereich Robotics“, sagt der Geschäftsführer des Beratungsunternehmen Horváth & Partners, „noch selten sind aber breite Anwendungen in der Produktion.“

(vlnr): Arne Johannsen, Trend-Moderator und Christoph Kränkl, Geschäftsführer SAP Österreich

(vlnr): Arne Johannsen, Trend-Moderator und Christoph Kränkl, Geschäftsführer SAP Österreich

Technologische Erneuerungen hat es immer schon gegeben, von der Datenerfassung per Lochkarte bis zum ersten PC, aber seit Jahrzehnten nicht mehr sind die Unternehmen so massiv von der Technologie beeinflusst, ja vor sich hergetrieben worden. „Der Druck auf die Unternehmen ist sehr hoch“, bestätigt auch Christoph Kränkl, Geschäftsführer von SAP Österreich, „die Digitalisierung wirkt sich massiv auf die Geschäftsmodelle aus, es entstehen völlig neue Möglichkeiten. Gleichzeitig kommt Druck von den Konsumenten, die erwarten, dass jeder Prozess so einfach ist wie bei Amazon: Ein Mausklick und erledigt.“

(vlnr): Christoph Kränkl, Geschäftsführer SAP Österreich und Andreas Dörner, Vorstand CNT Management Consulting

(vlnr): Christoph Kränkl, Geschäftsführer SAP Österreich und Andreas Dörner, Vorstand CNT Management Consulting

Aber woran liegt es, das viele Unternehmen trotz gutem Willen und hohem Einsatz nicht recht vorankommen bei der Digitalisierung? „Bei der Verbesserung und Optimierung von Prozessen und Produktivität spielt Österreich in der Champions League, aber wenn Geschäftsmodelle auf den Kopf gestellt und disruptive Modelle entwickelt werden sollen, da haben wir noch hohen Nachholdbedarf“, analysiert Andreas Dörner, Vorstand von CNT Management Consulting. Bergsmann ergänzt: „Viele Unternehmen haben schlicht die Voraussetzungen nicht, um schnell loslegen zu können. Gerade viele Mittelständler sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen, dadurch ist die Komplexität deutlich gestiegen. Plötzlich gibt es sieben verschiedene IT-Systeme mit unterschiedlichen Standards. Da muss man erst seine Hausaufgaben machen und kann nicht gleich mit innovativen Lösungen starten.“ Umgekehrt gilt allerdings auch: Wer diese Hausaufgaben bereits erledigt hat, ist jetzt in der Pole-Position.

Mit dem Ende anfangen

Wichtig ist es, so die Meinung der Experten, vom Ende her zu denken, also vom Nutzerverhalten und dessen Bedürfnissen ausgehend. „Die Digitalisierung bietet die große Chance, Kundenbedürfnisse in einer Form zu befriedigen, die es vorher nicht gab“, sagt SAP-Chef Kränkl – nur müssen dann die Überlegungen eben auch dort beginnen. Kränkl: „Das ganz große Thema heißt: Wie mache ich aus meinen Produkten Dienstleistungen – das beschäftigt alle.“

(vlnr): Jochen Borenich, Vorstand Kapsch BusinessCom und Arne Johannsen, Trend-Moderator

(vlnr): Jochen Borenich, Vorstand Kapsch BusinessCom und Arne Johannsen, Trend-Moderator

Jochen Borenich, Vorstand von Kapsch BusinessCom, ist nicht nur Dienstleister, sondern befindet sich mit seinem Unternehmen gerade selber in einem Transformationsprozess - weiß also doppelt, wovon er spricht. „Wir haben mit Kunden und auch intern mehr als 130 Innovations-Workshops durchgeführt“, so Borenich, „und dabei geht es immer häufiger um neue, digitale Produkte.“

Das Motto von Kapsch BusinessCom; Think big, start small, scale fast. Was das in der Praxis heißt: “Aus den 130 Workshops sind rund 70 konkrete Projekte entstanden, die wir uns als ‚proof of concept‘ angeschaut haben.“ Rund 20 Prozent seien in dieser Phase ausgeschieden, berichtet Borenich, weil nicht umsetzbar oder in die falsche Richtung gehend. Alle anderen werden weiter entwickelt. „Am erfolgreichsten sind solche Projekte, wenn unser Kunde auch seine Kunden mitnimmt. Je näher am Markt, desto besser.“

In Laborsituation testen

Ideen entwickeln und diese in einer Laborsituation auszuprobieren: Für die Experten ist das eine gute Herangehensweise an die Herausforderung der Digitalisierung. „In kleinen Projekten starten, in abgegrenzten Bereichen einige Wochen ausprobieren und dann, wenn notwendig, schnell korrigieren oder sogar abbrechen“, empfiehlt auch CNT-Vorstand Dörner.

(vlnr): Stefan Bergsmann, CEO Horváth & Partners Österreich und Jochen Borenich, Vorstand Kapsch BusinessCom

(vlnr): Stefan Bergsmann, CEO Horváth & Partners Österreich und Jochen Borenich, Vorstand Kapsch BusinessCom

Dennoch: Auch wer klein anfängt, braucht dafür personelle und finanzielle Ressourcen – die Klein- und Mittelbetriebe oft nicht haben. In einigen Studien wird daher davor gewarnt, dass die Digitalisierung die Kluft zwischen Großen und Kleinen weiter vertiefen könnte. Kapsch-Vorstand Borenich sieht das ganz anders: „Gerade für KMU bietet die Digitalisierung eine große Chance. Die Technologie hat sich demokratisiert, praktisch jeder kann zu vernünftigen Preisen zugreifen. Großrechner, die sich früher nur Konzerne leisten konnten, stehen jetzt auch Mittelständlern zur Verfügung. Und ein weiterer Vorteil: KMU können diese Technologien viel schneller und flexibler einsetzen.“ Görner ergänzt: „Vor allem durch Cloud-Lösungen ist die Einstiegshürde sehr, sehr niedrig geworden, das sehen wir in vielen Projekten.“

Doch ebenso wichtig ist die Erkenntnis, dass die digitale Transformation keineswegs nur ein technischer Prozess ist. „Die schönste Vision nützt nichts, wenn man die Menschen dorthin nicht mitnehmen kann“, weiß Jochen Borenich aus eigener Erfahrung, „die Digitalisierung verändert nicht nur Prozesse, sie bedeutet auch einen Change in der Unternehmenskultur.“

Kosten um 90 Prozent gesenkt

Damit Visionen deutlich werden, bedarf es auch konkreter Ergebnisse – sonst verschwinden nicht nur Daten in der Cloud, sondern der gesamte Prozess entschwebt Richtung Wolken. Also was bringt das Ganze? Kränkl: „Durch den Einsatz von intelligenten, miteinander kommunizierenden und lernenden Maschinen lässt sich die Wertschöpfung deutlich steigern.“ Jochen Borenich nennt ein weiteres Beispiel: „Wir haben bei einem Finanzdienstleister die Antragsstrecke digitalisiert. Das bedeutet, dass die Eröffnung eines Kontos oder die Kreditvergabe bequem von Zuhause von der Couch aus erledigt werden kann – also mehr Nutzerkomfort bei gleichzeitiger Senkung der Prozesskosten um 90 Prozent.“

Stefan Bergsmann, CEO Horváth & Partners Österreich

Stefan Bergsmann, CEO Horváth & Partners Österreich

Und wie geht die Entwicklung jetzt weiter? Was sind die nächsten Schritte, die nächsten Erkenntnisse und Ergebnisse? „Robotics wird bald zum normalen Werkzeugkasten der Prozessdigitalisierung gehören“, ist Stefan Bergsmann überzeugt. „Ziel ist es, Mitarbeiter aus Routinetätigkeiten zu befreien und so dem Unternehmen die Kraft und den Raum zu geben, sich mit den Kunden und deren Bedürfnisse tiefer auseinander zu setzen“, betont Christoph Kränkl, „und das wird schnell kommen.“

Für Jochen Borenich ist der nächste Schritt, die Digitalisierung konkret zu einem Teil von neuen Produkten zu machen. Sein Beispiel dafür: „In einem Forschungsprojekt zu smart textiles haben wir mit Partnern einen intelligenten Bürosessel entwickelt. In Desk-Sharing-Büros zeigt er an, wo es noch freie Plätze gibt und misst auch den Auslastungsgrad. Digitalisierung als Teil von Produkten – das ist die Zukunft.“

Dass die Entwicklung ins Stocken gerät, erwartet niemand, im Gegenteil. „Die nächste Generation wird erste sein, die gar nicht mehr weiß, wie Dinge analog funktionieren“, betont Stefan Bergsmann, „das wird der Digitalisierung einen gewaltigen Schub geben.“

Andreas Dörner - Vorstand CNT Management Consulting




Stefan Bergsmann - CEO Horváth & Partners Österreich




Jochen Borenich - Vorstand Kapsch BusinessCom




Christoph Kränkl - Geschäftsführer SAP Österreich







In Kooperation mit Temmel, Seywald & Partner.

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