OeNB: "Intakter Erholungsprozess der Wirtschaft"

Die Nationalbank-Chefs Robert Holzmann und Gottfried Haber legen Dezember-Prognose vor. Der Wachstumseinbruch der heimischen Wirtschaft ist demnach im zweiten Lockdown nur halb so stark ausgefallen wie im Frühjahr 2020. Der Erholungsprozess der Wirtschaft sei mittelfristig intakt.

OeNB: "Intakter Erholungsprozess der Wirtschaft"

Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann und Vizegouverneur Gottfried Haber haben in ihrem Halbjahresbriefing einen Bericht über die geld- und währungspolitischen Maßnahmen in der Corona-Pandemie und die wirtschaftlichen Trends vorgelegt.

Die Analyse der OeNB-Ökonomen kann als vorsichtig optimistisch gewertet werden. Der Konjunktureinbruch ist demnach in Österreich im vierten Quartal nur halb so stark ausgefallen sei wie im Frühjahr. Sie rechnen sehen zudem einen mittelfristig intakten Erholungsprozess in der EU.

Nach einem Rückgang des realen österreichischen BIP im Ausmaß von 7,1 Prozent im Jahr 2020 werde für die Jahre 2021 bis 2023 mit Wachstumsraten von 3,6 Prozent, 4,0 Prozent bzw. 2,2 Prozent gerechnet. Da das Bankensystem mit einer soliden Kapitalausstattung in die Krise hineingegangen sei, konnte auch die Stabilität der Finanzmärkte im gegenwärtigen schwierigen Umfeld gewährleistet werden, unterstrich Vizegouverneur Gottfried Haber. Im Euroraum wird mit einem kurzfristigen BIP-Rückgang von 7,3 Prozent gerechnet.

Holzmann: "Weltwirtschaft weniger stark eingebrochen als erwartet"

Aufgrund des unsicheren weiteren Infektionsverlaufs der COVID-19-Pandemie, die bisher weltweit ungefähr 1,3 Millionen Menschenleben gekostet hat, sei es allerdings weiterhin schwierig Prognosen zu erstellen. Fest stehe jedoch, dass die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie den größten Wirtschaftsschock seit Jahrzehnten ausgelöst habe.n

Die Europäische Kommission rechnet mit einem Rückgang des globalen BIP um 4,3 Prozent - im Frühjahr war noch von einem Minus von 3,5 Prozent ausgegangen worden. Nach den ersten Lockdowns konnten sich die meisten Volkswirtschaften teilweise überraschend stark erholen, wobei jüngste Daten aber darauf hinweisen, dass sich diese Entwicklung gegen Ende des dritten Quartals wieder verlangsamt hat. Aufgrund der aktuellen Beschränkungen sei von einer weiteren Dämpfung des BIP auszugehen. Die ermutigenden Nachrichten über wirksame Impfstoffe werden vermutlich erst die Wachstumsaussichten für das nächste Jahr verbessern.

Dass der übers Jahr betrachtete Wirtschaftseinbruch in den USA (-4,6 Prozent beim BIP) geringer als in Europa ausfalle, hänge überwiegend mit deutlich höheren Transfers zusammen, die den Rückgang des privaten Konsums begrenzen, wird im Bericht erklärt. Erstaunlich schnell erhole sich die chinesische Wirtschaft. Das Land, in dem die Pandemie ihren Ausgang nahm, zeigte sich äußerst konsequent in deren Bekämpfung und der wirtschaftspolitischen Gegensteuerung. Die EK prognostiziert für China ein positives Gesamtjahreswachstum von +2,1 Prozent.

Im Vergleich mit den Daten von Juni könne man nun sagen, dass die Weltwirtschaft weniger stark eingebrochen sei als erwartet, betonte Holzmann. Ein positives Wachstum weise heuer jedoch nur China (1,8 Prozent) auf, während etwa in Großbritannien ein Rückgang des BIP um 10,3 Prozent zu verzeichnen sei. Auch die Markterwartungen für kurz- und langfristige Zinssätze fallen negativ aus.

Österreich: BIP soll Ende 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen

Aus österreichischer Sicht sehr wichtig seien die Entwicklungen in den EU-Mitgliedstaaten Zentral-, Ost- und Südosteuropas, die in der Corona-Krise ihre tiefste Rezession seit den 1990er Jahren erleben. Die OeNB rechnet in dieser Region mit einem durchschnittlichen Minus von 5 Prozent beim realen BIP. Die Lockdowns, die damit verbundenen Einkommensverluste sowie die generelle Unsicherheit führten zu einem starken Rückgang des Privatkonsums. Sorgen bereite Holzmann auch die Tatsache, dass sich der Aufholprozess abschwächt.

Über den Euroraum rechnet der OeNB-Gouverneur, dass das Vorkrisenniveau etwa Mitte 2022 wieder erreicht werden kann. In Österreich wird das vermutlich etwas länger dauern. Falls eine dritte Ansteckungswelle im Frühjahr 2021 verhindert wird, die daraus abgeleiteten gesundheitspolitischen Maßnahmen schrittweise auslaufen und mit Jahresende 2021 eine medizinische Lösung erfolgreich umgesetzt wird, erwartet die OeNB einen kräftigen konjunkturellen Aufholprozess. Erst Ende 2022 soll das heimische BIP real wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Eine große Rolle bei der wirtschaftlichen Abschwächung in der gegenwärtigen zweiten Infektionswelle zu spielt der rückläufige Konsums und des Tourismus. Holzmann wies aber darauf hin, dass der Einbruch im Vergleich zum Frühjahr aber nur halb so stark ausfallen werde. Entscheidend seien nicht nur die Infektionszahlen, sondern auch die Tatsache, dass die Leute gelernt hätten, mit der Pandemie umzugehen. Unterstützt werde diese Entwicklung von der erwarteten Erholung des privaten Konsums sowie vom raschen Rückgang der Sparquote, die 2020 stark angestiegen sei.

Bezüglich der Arbeitslosenquote sei damit zu rechnen, dass sie 2021 weiterhin hoch ausfallen werde (10,2 Prozent). Als positiv wertete Holzmann jedoch, dass bei der Zahl der Beschäftigten nur ein geringer Rückgang feststellbar war. Trotz des massiven Konjunktureinbruchs sinke der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI-Inflation), der die Grundlage für die vergleichbare Messung der Inflation in Europa darstellt, im Jahr 2020 nur moderat auf 1,3 Prozent. Im weiteren Prognosezeitraum steige die Rate auf 1,7 Prozent an.

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