OeNB-Chef Nowotny: Bankfilialen werden rascher verschwinden

OeNB-Chef Nowotny: Bankfilialen werden rascher verschwinden

Ewald Nowotny erwartet, dass die Filialschließungen von Banken an Fahrt auf nehmen.

Neben Schließungen von Bankfilialen wird sich auch der Mitarbeiterabbau beschleunigen. OeNB-Gouverneur Nowotny erwartet eine deutliche Zentralisierung im genossenschaftlichen Bereich. Er sieht bei der Kleinteiligkeit der Bankenbranche auch Vorteile.

Wien. Am österreichischen Bankensektor werde sich das Tempo der Fusionen, Filialschließungen und auch des Mitarbeiterabbaus noch beschleunigen. Österreich liege bei der Zahl der Einwohner je Bankstelle noch immer deutlich unter den Niederlanden oder Frankreich, sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny der "Kleinen Zeitung" und dem "Neuen Vorarlberger Volksblatt" in einem gemeinsamen Interview (Mittwochausgaben).

Der Nationalbank-Gouverneur gibt aber zu bedenken, "dass dieses Kleinteilige auch einige Vorteile hat - etwa, was Kundennähe betrifft". "Die Frage ist nun, ob es gelingt, Methoden zu entwickeln, wo ich den Vorteil der Kundennähe verbinden kann mit den zentralistischen Erfordernissen, die sich von der Technologie und der Aufsicht her ergeben". Der Notenbankchef geht aber davon aus, dass es noch zu einer deutlichen Zentralisierung im genossenschaftlichen Bankenbereich kommen wird. Die zwei wichtigsten Themen für die österreichischen Banken seien Kapitalaufbau und Kostendisziplin.

In Österreich gebe es in der Zwischenzeit keine Bank mit Problemen mehr. "In der Außensicht hat es dem Bankenstandort enorm genutzt, dass rund um die Heta, die Abbaubank der früheren Hypo Alpe Adria, eine Lösung gefunden wurde".

Auch in Zentral- und Südosteuropa gebe es eine deutlich bessere Perspektive, von der Österreich profitiere. Besonders beschäftige ihn aber, dass es in manchen Staaten einen zunehmenden ökonomischen Nationalismus gebe, der sich speziell gegen Banken richte. Er sei diesbezüglich erst vor wenigen Tagen in Kroatien gewesen.

Um krisensicher zu sein, bräuchten Banken in erste Linie ausreichend Kapital. Österreichs Banken hätten ihre Kapitalquoten seit der Krise 2007 auf 14,8 Prozent quasi verdoppelt. Sicher noch ein Problem hätten die heimischen Banken bei der Profitabilität. "Das heißt konkret, es besteht ein weiterer Rationalisierungsdruck, der sich sicher auch in der Zahl der Beschäftigten auswirken wird".

Die bisherigen OGH-Urteile zu den Zinsuntergrenzen, die Nowotny bedauerlich findet, weil sie eine gewisse Asymmetrie darstellten, könnten sich direkt auf die Gewinne der Institute auswirken, aber nicht in bedrohlicher Weise. Die Kosten, die bis zu einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag gehen könnten, seien aber substanziell. "Zum Teil wurden von Banken aber schon Rückstellungen dafür gebildet", so der Gouverneur.

Das Spekulationsobjekt

Bitcoin sei keine Währung, sondern ein Spekulationsobjekt. Bitcoin habe nichts, was eine gute Währung auszeichne, nämlich in erste Linie Stabilität. Die Leute müssen wissen, worauf sie sich da einlassen. Solche Dinge könnten platzen und das könne dann negative psychologische Auswirkungen haben. "Das ist die Gefahr, die wir sehen - aber ich würde sie auch nicht überschätzen".

Beim Wachstum erwartet Nowotny, dass es in Österreich heuer über jenem von Deutschland und dem Euroraum liegen wird.

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