OeNB-Chef Holzmann: "Geldpolitik möglicherweise bald normalisieren"

Robert Holzmann, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank OeNB und EZB-Ratsmitglied, hält eine baldige Normalisierung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank EZB für möglich.

OeNB-Gouverneur Robert Holzmann

OeNB-Gouverneur Robert Holzmann

Die Europäische Zentralbank (EZB) kann aus Sicht von Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann womöglich schneller aus ihrer jahrelangen ultralockeren Geldpolitik aussteigen als viele derzeit denken. "Die Möglichkeit besteht allerdings, dass wir in der Lage sein könnten, die Geldpolitik früher zu normalisieren als die meisten Finanzmarktexperten erwarten", schrieb das EZB-Ratsmitglied in einem im Fachmagazin "Eurofi" veröffentlichten Beitrag.

Inflationsrate steigt

Ein nachhaltiger Anstieg der Inflation und der Inflationserwartungen in Richtung des EZB-Ziels sei wünschenswert. Die EZB strebt knapp zwei Prozent Inflation als Optimalwert für die Wirtschaft der Eurozone an. Zuletzt war die Teuerung im Euroraum zwar auf drei Prozent hochgeschossen, doch bis dato rechnet die EZB damit, dass dieser Anstieg vor allem von pandemiebedingten Sondereffekten getrieben wird.

Für das Gesamtjahr 2022 erwarten die EZB-Volkswirte bisher eine Teuerung von 1,5 Prozent. Mehr Preisdruck nach oben könnte Holzmann zufolge durch die globalen Lieferengpässe und durch Arbeitskräftemangel in einigen Sektoren entstehen. Zudem könnten die während der Pandemie aufgestaute Nachfrage und gestiegenen Ersparnisse einen Schub bei den Konsumausgaben auslösen. Holzmann erwähnte zudem Kosteneffekte durch Umsetzung von Klimapolitik-Maßnahmen.

Warnung vor Risiken im Finanzsystem

Europas Banken müssen sich jedoch aus Sicht der EZB-Bankenaufsicht mit dem Aufbau von Risiken im Finanzsystem als Folge der Coronakrise beschäftigen. EZB-Chefbankenaufseher Andrea Enria erklärte ebenfalls in einem Beitrag in "Eurofi", dass die Institute zwar die Pandemie bisher mit Hilfe staatlicher Stützungsmaßnahmen relativ robust durchstanden hätten, nach vorne aber wachsam sein müssten. "Erstens gibt es Anzeichen dafür, dass die Verschlechterung der Qualität von Vermögenswerten, was durch die Pandemie verursacht wurde, noch nicht den Höhepunkt erreicht hat", warnte er.

Enria zufolge wurde das durch die außergewöhnlichen staatlichen Hilfsmaßnahmen verschleiert. "Entscheidend ist, dass die Kontrolle von Kreditrisiken bei einigen Banken nicht hinreichend auf die Eigenschaften dieses Schocks zugeschnitten wurden", erläutert er. Eine rechtzeitige und proaktive Bewertung der Entwicklung von Kreditrisiken sei so nicht möglich. Laufe die staatliche Unterstützung aus, sei mit einem Anstieg der Firmenpleiten zu rechnen. Dies betreffe vor allem die Bereiche der Wirtschaft, die von der Pandemie am härtesten getroffen wurden. Für Banken sei es daher wichtig, umsichtig und vorausschauend zu handeln.

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