Ölpreis: Trendwende bei den Förderquoten?

Ölpreis: Trendwende bei den Förderquoten?

Eine Kürzung der Öl-Produktion der OPEC-Staaten scheint in weite Ferne gerückt. Die Preise haben sich zuletzt stabilisiert, wenn auch weit unter dem einstigen Rekordhoch. Nun muss die Organisation nach jahrelangem Zögern einen neuen Generalsekretär bestimmen. Am Donnerstag beraten sich die Entscheidungsträger in Wien.

Die Ölminister der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) treffen sich am Donnerstag in Wien zu ihrer regulären Halbjahreskonferenz. Eine Kursänderung wird dabei nicht erwartet, da sich der Ölpreis seit Jahresanfang sukzessive erholt hat.

Im April war das Vorhaben von Mitgliedsstaaten der OPEC und wichtigen anderen Förderländern wie Russland gescheitert, ein Einfrieren der Produktionsmenge zu beschließen. Zu groß sind die Interessenunterschiede innerhalb der Gruppe, vor allem zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Die OPEC galt zuletzt als zerstritten. Mit Spannung wird deshalb die Ernennung eines neuen Generalsekretärs der Organisation erwartet.

Eine wahre Ölschwemme am Weltmarkt hatte monatelang die Ölpreise stark gedrückt. Die OPEC wollte mit einem hohen Angebot die US-Unternehmen unter Druck setzen, die mittels der kostspieligen Fracking-Methode Schieferöl fördern. Waldbrände in Kanada und Schäden an Verladestationen in Nigeria ließen den Angebotsüberschuss zuletzt aber etwas sinken. Andererseits will der Iran nach Ende der Sanktionen künftig wieder deutlich mehr Öl exportieren.

Seit Beginn des Jahres hat sich der Ölpreis spürbar erholt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete 49,53 US-Dollar (44,4 Euro). Das sind über sechs Dollar mehr als bei der vergangenen OPEC-Sitzung im Dezember. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) lag bei 48,77 Dollar, über acht Dollar mehr als vor einem halben Jahr. Im Sommer 2014 kostete das Fass noch mehr als 100 Dollar. Das OPEC-Treffen werde voraussichtlich nur geringe Auswirkungen auf die Preise haben, hieß es im Vorfeld beim Wiener Energieberatungsunternehmen JBC Energy.

Seit 2007 steht der OPEC der amtierende Generalsekretär Abdalla El-Badri aus Libyen vor. Seine reguläre Amtszeit ist eigentlich schon überschritten, aber die Mitgliedsländer konnten sich bisher nicht auf einen Nachfolger einigen. Die Entscheidung dazu muss einstimmig fallen. Nun scheinen sich in Wien drei mögliche Kandidaten zur Abstimmung zu stellen: Nigeria nominierte den ehemaligen Leiter des staatseigenen Mineralölunternehmens und bereits kurzzeitigen OPEC-Generalsekretärs, Mohammed Barkindo. Ebenfalls ins Rennen geht Mahendra Siregar. Der ehemalige stellvertretende Finanzminister aus Indonesien hat aber keine Erfahrung in der Ölbranche. Der ehemalige Energieminister und Öl-Manager Ali Rodriguez aus Venezuela soll ebenfalls zur Wahl stehen.

Der OPEC-Generalsekretär gilt im Vergleich zu anderen Organisationen als nicht besonders einflussreich. Er agiert eher als Verwalter und öffentlicher Vertreter des Ölkartells. Sollte am Donnerstag keine Entscheidung getroffen werden, wird der neue Chef der OPEC mittels Rotation der Mitgliedsländer besetzt.

Die OPEC mit aktuell 13 Mitgliedsstaaten liefert rund ein Drittel des weltweiten Rohöls. Das Kartell besitzt jedoch drei Viertel der bekannten Reserven. Es wurde 1960 in Bagdad von Saudi-Arabien, dem Iran, dem Irak, Kuwait und Venezuela gegründet. Ziel war es, die Ölquellen selbst zu kontrollieren, statt es den Ölkonzernen zu überlassen, und mit Förderabsprachen auch den Ölpreis zu beeinflussen, um sich stabile Gewinne zu sichern.

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