Ölpreis-Absturz kostet Russland 100 Milliarden Dollar pro Jahr

Ölpreis-Absturz kostet Russland 100 Milliarden Dollar pro Jahr

Der Ölpreis-Verfall trifft Russland härter als die westlichen Sanktionen. Nun fordert das Land eine Reduzierung der Fördermengen durch die OPEC, die am Donnerstag in Wien tagen wird. Ansonsten warnt Putin vor "dramatischen Konsequenzen" - und schließt einen Domino-Effekt für die wichtigsten Wirtschaftspartner nicht aus.

Der rasant fallende Ölpreis kostet Russland bis zu 100 Milliarden Dollar pro Jahr – das verkündete Finanzminister Anton Siluanov am Montag bei einer internationalen Wirtschaftskonferenz in Moskau. Der Preisverfall des schwarzen Goldes trifft das Land somit stärker als die westlichen Sanktionen, die einen Effekt von rund 40 Milliarden Dollar haben.

Vor dem OPEC-Treffen am kommenden Donnerstag in Wien drängen die Russen nun die Organisation erdölexportierender Länder, die Fördermengen zu reduzieren. Der russische Ölkonzern Rosneft regte zudem im Parlament in Moskau die Schaffung von staatlichen Erdölreserven an. Für Zeiten des Überangebots sollten Möglichkeiten zur Lagerhaltung geschaffen werden, sagte der Vorsitzende des Direktoriums, Alexander Nekipelow, vor den Politikern: Bei erhöhter Nachfrage könnten die Vorräte wieder auf den Markt gebracht werden. „Warum gibt es eine Reserve für Getreide, aber nicht für Öl?“, fragte der Manager. Seit Jahresbeginn sind die Aktien von Rosneft (ISIN: RU000A0J2Q06) um rund 23,24% gefallen und notieren derzeit bei 5,45 Dollar.

„Katastrophale Konsequenzen – nicht nur für uns“

Der Preisverfall bei Öl kommt durch den Fracking-Boom in den USA, sowie durch geringe Nachfrage in Europa und Asien zustande. Am 14. November lag der Preis für ein Barrel Brent-Öl bei 76,76 Dollar – der niedrigste Stand seit vier Jahren. Hinzu kommen für Russland die erwähnten westlichen Sanktionen, sowie ein Rubel-Absturz von 30 Prozent seit Jahresbeginn – und das stimmt sogar den Präsidenten pessimistisch.

Vladimir Putin warnte einem Bericht des BBC zufolge vor „katastrophalen Konsequenzen“ – mit möglichen Domino-Effekten für andere Länder. „Die moderne Welt ist interdependent“, sagt Putin gegenüber der Nachrichtenagentur TASS: „Es ist bei Weitem nicht garantiert, dass die Sanktionen, der Ölpreis-Verfall und der Wertverlust des Rubels nur für uns katastrophale Konsequenzen haben.“ Mit einem Anteil von 2,3 Prozent am gesamten Exportvolumen war Russland 2013 Österreichs zehntgrößter Exportmarkt.

Anleger nervös

Entsprechende Nervosität herrscht nun vor dem OPEC-Treffen am Rohöl-Markt. Anleger spekulieren, wann und wie stark die Organisation die Förderquoten kürzen wird, um einen weiteren Preisverfall zu verhindern. Sollte die Opec keine Förderkürzung beschließen, könnte der Brent-Preis auf bis zu 60 Dollar fallen, sagte Fondsmanager Daniel Bathe von Lupus Alpha Commodity Invest: „Der Markt würde an der Glaubwürdigkeit der Opec und deren Einfluss auf den globalen Ölmarkt zweifeln.“

Aus Sicht seines Kollegen Tom Nelson von Investec Global Energy, könnte eine Kürzung von einer bis 1,5 Millionen Barrel täglich den Ölpreis wieder in Richtung 90 Dollar bewegen. Allerdings bedürfe es zusätzlich einer gemeinsamen Erklärung, in der die Opec Einheit demonstriere sowie eine anziehenden Nachfrage und ein geringeres Angebot prognostiziere.

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